Ebikon

Schleudersitz oder Traumstelle? Neue Mall-Chefin spricht erstmals über ihre Center-Pläne

Innert nur drei Jahren ist sie bereits die dritte Person auf dem Chefposten der Mall of Switzerland: Jessica Janssen. Im Interview sagt die 54-Jährige, womit sie die leeren Flächen bespielen will.

Roman Hodel
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Sie leiten die Mall of Switzerland offiziell seit dem 1. Dezember. Wie hat Ihr Umfeld im Sommer auf die Nachricht reagiert, wonach Sie die Leitung übernehmen werden?

Jessica Janssen: Alle haben mir gratuliert und ich erhielt Reaktionen von Leuten, die ich schon lange nicht mehr gehört oder gesehen habe. Mein Umfeld weiss, dass ich zur Mall passe. Das ist meine Traumstelle.

Bild: PD/Silvan Bucher

Sie stellen das jetzt sehr positiv dar. Hat niemand Zweifel geäussert und gesagt, «bist du dir sicher»?

Nein, wirklich nicht. Die Leute in meinem Umfeld sind der Meinung, dass ich das packe. Sie wissen, dass ich Detailhändlerin durch und durch bin.

Das mag sein. Doch die Mall ist erst seit drei Jahren offen und Sie sind bereits die dritte Person auf dem Chefposten – klingt nach einem Schleudersitz.

Ich empfinde das nicht so – und die Probezeit habe ich überstanden (sie schmunzelt).

Das hat Ihr Vorgänger auch. Trotzdem ist er nach nur eineinhalb Jahren schon wieder weg.

Zu meinen Vorgängern kann ich mich nicht äussern. Sie haben ihre Arbeit sicher gut gemacht. Aber jetzt schauen wir vorwärts.

Vielleicht liegt es auch gar nicht so sehr an den Centerleitern, sondern schlicht am Produkt, dass zur falschen Zeit am falschen Ort steht.

Das sehe ich nicht so. Die Einführung eines neuen Centers braucht fünf Jahre Zeit. Wir sind auf gutem Weg, das zeigen die aktuellen Zahlen. Die Besucherfrequenz liegt im Vergleich zum Vorjahr zwar wegen Corona leicht darunter – ich bin aber überzeugt, dass wir dies noch aufholen. Beim Umsatz hingegen verzeichnen wir im dritten Quartal ein Wachstum von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere der Foodbereich aber auch der ganze Einrichtungs- und Modebereich tragen dazu bei.

Ein Wachstum von 10 Prozent – das klingt zwar gut, doch können Sie effektive Zahlen nennen zur Einordnung?

Nein, das ist eine Vorgabe des Eigentümers, die wir respektieren.

In diesem Jahr musste die Mall erneut einige Abgänge verkraften, darunter Bata, den Drink-Shop oder das Restaurant Old Wild West. Wie stark sind die Leerflächen im Vergleich zum Vorjahr gewachsen?

Gar nicht – im Gegenteil. Es sind neue Mieter wie Petfriends.ch mit einem grossen Laden dazugekommen. Punkto Quadratmeter haben wir heute mehr Flächen vermietet als vor einem Jahr, total etwa 84 Prozent der 65'000 Quadratmeter. Auch hier verzeichnen wir einen positiven Trend.

Die gleiche Zahl hatte der erste Centerleiter Jan Wengeler schon vor zwei Jahren genannt. Wie kann das sein?

Die Zahl ist korrekt. Tatsache ist, dass die Mall heute zwar mehr kleine leerstehende Ladenlokale aufweist, dafür sind mehr grosse Flächen vermietet. Die neusten Trends zeigen zudem, dass Mietinteressenten eher grössere Flächen bevorzugen. Deshalb sind wir daran, Flächen zu optimieren und zusammenzulegen. Gespräche mit entsprechenden Interessenten laufen. Und ich konnte bereits erste Mietverträge unterschreiben.

Mit wem?

Das kann ich noch nicht verraten. Es werden sehr attraktive Anbieter sein.

Ein Grossteil der obersten Etage steht seit der Eröffnung leer. Was passiert damit? Ist eine Umnutzung denkbar?

Diese Flächen sind nach wie vor für den Verkauf gedacht und wir sind daran, Mieter zu finden.

Was nicht einfach sein dürfte. Denn die Brands stehen in keinem Center mehr Schlange und im Gegensatz zur Konkurrenz ist die Mall zudem noch nicht etabliert. Wie bringen Sie das Center auf Kurs?

Wir sind auf Kurs – aber wir müssen unsere Vielfalt noch besser ausspielen. Bei uns kann man mehr als einfach nur einkaufen. Man kann auch ins Kino gehen, surfen und fein essen. Zudem müssen wir die Bedürfnisse der Kunden noch besser kennen, die jährliche Befragung startet nächste Woche. In den Bereichen Herrenmode und Wohnaccessoires beispielsweise bieten wir noch zu wenig an. Da werden wir zulegen.

Bedürfnisse sind das eine. Doch das Problem ist, dass die gewünschten Brands gar nicht erst in die Mall kommen wollen.

Ich erlebe das anders. Wir möchten ja nicht nur neue Läden gewinnen, sondern auch neue Konzepte umsetzen – mehr kann ich noch nicht dazu sagen. Nur so viel: Mir schwebt beispielsweise eine Plattform für Künstler vor. Mit Kunstausstellungen haben wir bereits jetzt Erfolg – da wurden schon einige Bilder verkauft.

Als Ökonomin wissen Sie nur zu gut, dass sich damit die Flächen kaum rentabel vermieten lassen. Wann verliert der Investor diesbezüglich die Geduld?

Gar nicht. Wir sind in engem Kontakt und er sieht, was alles Spannendes geplant ist.

Werden Sie in zwei Jahren noch Mall-Chefin sein?

Auf jeden Fall.

Zur Person: Die 54-jährige Jessica Janssen hat an der Uni Zürich einen Master in Betriebswirtschaft absolviert. Sie ist seit über 26 Jahren im Verkauf und Marketing sowie auf verschiedenen Führungsebenen tätig. Unter anderem war sie bei Globus, Beldona und Coca-Cola; zuletzt Engel & Völkers. Janssen ist in der Region Zürich aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren in der Region Luzern.