EBIKON: Transparenz soll Konflikten vorbeugen

Alex Mathis (38) trifft als neuer Geschäftsführer der Gemeinde auf ein anspruchsvolles Umfeld. Er spricht über Herausforderungen, die auf ihn sowie auf Ebikon zukommen werden.

Stefan Dähler
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Geschäftsführer Alex Mathis (38) beim Gemeindehaus in Ebikon. (Bild: Nadia Schärli (26. Juli 2017))

Geschäftsführer Alex Mathis (38) beim Gemeindehaus in Ebikon. (Bild: Nadia Schärli (26. Juli 2017))

Interview: Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Seit Juli hat die Gemeinde Ebikon wieder einen neuen Geschäftsführer. Zuvor war die Stelle nach dem Abgang von Pia Maria Brugger-Kalfidis ein Jahr lang vakant. Ihr Nachfolger heisst Alex Mathis (38), der studierte Betriebsökonom war zuvor Geschäftsführer der Sektion Waldstätte des Touring Club Schweiz (TCS).

Alex Mathis, wie waren Ihre ersten Wochen in Ebikon?

Ich bin sehr herzlich empfangen worden und fühle mich bereits wohl. Es gibt viel zu tun. Aufgrund der Vakanz vor meinem Stellenantritt haben sich auch ­einige Aufgaben aufgestaut.

Wie von Ihnen angesprochen, war die Stelle des Geschäftsführers lange vakant. Hinzu kommt, dass Gemeinderat Ruedi Kaufmann (FDP) aus gesundheitlichen Gründen länger ausfällt. Wie wirkt ­ sich das auf die Arbeit der Gemeinde aus?

Auf der operativen Ebene mit den Dienstleistungsangeboten dürfte die Bevölkerung davon nichts mitgekriegt haben. Stefan Wanner, der die Geschäftsführung zuletzt interimsmässig ausübte, hat mit allen Mitarbeitern sehr gute Arbeit geleistet. Alltägliche Geschäfte wie die Bearbeitung von Gesuchen oder Anfragen liefen wie gewohnt weiter. Auf der politischen Ebene hat der Gemeinderat die Aufgaben von Ruedi Kaufmann aufgeteilt und die Pensen temporär leicht erhöht. Die Belastung war und ist für alle gross, zumal es Termine gibt, die wir einhalten müssen – das Budget beispielsweise muss im November vors Volk.

Vorgesehen ist, dass sich der Geschäftsführer um opera­tive, der Gemeinderat um strategische Aufgaben kümmert. In der Praxis ist die Trennung allerdings nicht immer eindeutig. Dies birgt auch Konfliktpotenzial. Wie sieht die Arbeitsteilung konkret aus?

Grundsätzlich sehe ich das Geschäftsführer-Modell als Chance. Es steckt noch in den Kinderschuhen, und ich kann in der noch jungen Legislaturperiode aktiv dazu beitragen, es zu entwickeln. Zur Frage: Meine Aufgabe ist, ­Geschäfte für den Gemeinderat vorzubereiten und nach dessen ­Entscheidung nachzubearbeiten. Zudem bin ich für die fristgerechte Umsetzung eines Geschäfts zuständig. Es gibt aber Überschneidungen, der Geschäftsführer und die Abteilungsleitenden arbeiten beispielsweise auch an der Gemeindestrategie mit. Daher rede ich nicht von einer Trennung zwischen strategisch und operativ, sondern zwischen politisch-strategisch und operativ-strategisch. Mein Ziel ist, zwischen allen internen und externen Anspruchsgruppen stets gut und transparent zu informieren, um Konflikten vorzubeugen.

Können Sie ein Beispiel für die Aufgabenteilung machen?

Bei der Mall of Switzerland etwa fallen zahlreiche Bewilligungen an, die rein operativ umgesetzt werden. Wenn es um politisch zentrale Themen geht wie Arealentwicklungen oder regional abzustimmende Verkehrskonzepte, ist der Gemeinderat gefragt.

Apropos Mobilität. Als TCS-Geschäftsführer haben Sie sich für den motorisierten Verkehr eingesetzt. Die Gemeine Ebikon dagegen setzt vor allem auf die ÖV-Förderung. Fällt Ihnen dieser Wechsel schwer?

Diese Frage habe ich erwartet. Nein, er fällt mir nicht schwer. Ich fahre seit Jahren mit dem Bus zur Arbeit, privat nutze ich Auto, Velo und Vespa, bin also multimobil unterwegs. Der geplante Bushub und die Verlängerung der Trolleybuslinie 1 sind für die Gemeinde von grosser Bedeutung, genauso wie die Erneuerung der Kantonsstrasse mit den angrenzenden Bauten und Freiräumen im Zentrum. Auch die Spange Nord und der Bypass Luzern sind Massnahmen, die mithelfen werden, den Verkehr in und um Ebikon zu optimieren.

Bei der erwähnten Erneuerung der Kantonsstrasse strebt die Gemeinde eine Flaniermeile an. Auf der anderen Seite gibt es die Idee des Architekten Roland Huwiler, die Strasse ganz zu überdachen. Wäre es nicht besser, sich auf ein Projekt zu konzentrieren?

Die Idee von Roland Huwiler ist erst eine Vision. Ich finde, man soll dieser gegenüber offen sein und generell im Rahmen der Möglichkeiten prüfen, wie man solche Projekte in die Planungen einbeziehen kann. Bei der Erneuerung der Kantonsstrasse ist der Zeithorizont ein anderer, diese ist bereits im Bauprogramm für Kantonsstrassen enthalten. Die Arbeiten am Projekt sollen ab 2018 aufgegleist werden.

Im November eröffnet die Mall of Switzerland. Ist ­Ebikon bereit dafür?

Zuerst will ich festhalten: Die Gemeinde steht hinter der Mall of Switzerland und setzt damit den Volksentscheid um. Sie bringt Arbeitsplätze und macht Ebikon bekannter. Aber sie stellt vor allem den Detailhandel vor grosse Herausforderungen. Die Mall hat diesbezüglich bereits viel ausgelöst.

Was genau?

Der Gewerbeverein Rontal hat sich neu organisiert und die Fachgruppe Detaillisten gegründet. Es gibt gemeinsame Aktionen wie das Verteilen von Gutscheinen für Läden im Ebikoner Zentrum. Aus den gemeinsamen Mitwirkungsveranstaltungen des Gewerbevereins und der Gemeinde sind Visualisierungen entstanden, ebenso das Magazin «Localcity», an dem sich auch die Mall massgeblich beteiligt hat. Bezüglich Mehrverkehr haben wir ein Mobilitätskonzept entwickelt, das ein Fahrtenmodell und den ÖV-Ausbau vorsieht. Daher denke ich, dass Ebikon bereit ist. Was nach der Eröffnung geschieht, kann man zum heutigen Zeitpunkt aber nicht genau vorhersehen.

Neben der Mall laufen in Ebikon zahlreiche weitere grosse Bauprojekte. Ist Ebikon ein Dorf oder eine Stadt?

Wir sind gegenwärtig und auch in Zukunft mit einer städtebaulichen Entwicklung konfrontiert. Trotzdem hat Ebikon nach wie vor dörflichen Charme. Viele Leute kennen sich und treffen sich in rund 100 Vereinen. Diese Kultur wollen wir weiter pflegen.