Ebikon versetzt der regionalen Kulturförderung den Todesstoss – und hofft auf ein besseres Modell

Gleich reihenweise sind die Luzerner Regionsgemeinden schon aus der Regionalkonferenz Kultur (RKK) ausgetreten. Jetzt folgt mit Ebikon erstmals eine grosse Zahlergemeinde. Damit ist klar: Die Kulturförderung in der Region Luzern muss per 2022 ganz neu organisiert werden.

Robert Knobel
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Was haben das Museum Bellpark, das Kleintheater und die Zwischenbühne Horw gemeinsam? Sie sind zu klein, um in den «Zweckverband Grosse Kulturbetriebe» von Stadt und Kanton Luzern aufgenommen zu werden. Sie sind aber auch zu gross und zu bedeutend, um bloss als lokale Kulturhäuser zu gelten. Kurz: Es handelt sich um Kulturinstitutionen von regionaler Ausstrahlung. Für diese wurde 2008 die «Regionalkonferenz Kultur» (RKK) geschaffen.

Die Idee dahinter: Die ganze Region Luzern bezahlt an diese Institutionen, als Abgeltung der Zentrumslasten der Standortgemeinden. Neben den genannten Häusern werden weitere 24 Institutionen mit insgesamt einer halben Million Franken pro Jahr unterstützt – etwa das Akku in Emmen oder das Fumetto-Festival. Hinzu kommt eine weitere halbe Million für projektbezogene Beiträge – 2019 profitierten beispielsweise Theaterproduktionen im Südpol oder Neubad von diesem Geld, aber auch das Heirassa Festival.

Doch dieses solidarische Konstrukt erhält immer mehr Risse. Nachdem Adligenswil, Buchrain, Udligenswil und Greppen den Kulturverband bereits verlassen und Root und Hergiswil (NW) ihren Austritt angekündigt haben, folgt nun der nächste Paukenschlag: Mit der Gemeinde Ebikon wird per Ende 2021 erstmals eine grosse Gemeinde – und damit eine gewichtige Zahlerin – aussteigen.

Der Ebikoner Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP) begründet den Entscheid so: «Es kann nicht sein, dass ein immer kleinerer Kreis von Gemeinden die Kulturlasten trägt, und die anderen davon profitieren.» Wenn immer weniger Gemeinden der RKK angehören, könne der ursprüngliche Solidargedanke nicht mehr erfüllt werden. Aus Gassers Sicht verlässt Ebikon also ein Schiff, das ohnehin nicht mehr seetüchtig ist.

Je näher am Zentrum, desto mehr sollen die Gemeinden zahlen

Bedeutsam in diesem Zusammenhang: Daniel Gasser ist nicht nur Ebikoner Gemeindepräsident, sondern auch Präsident der RKK. Sägt er also an seinem eigenen Stuhl? Nein, betont er. Der Austritt von Ebikon sei als Schuss vor den Bug zu verstehen: Mit dem Wegbrechen einer wichtigen Zahlergemeinde (rund 70'000 Franken pro Jahr) ist die RKK gezwungen, die Kulturförderung grundsätzlich neu aufzugleisen.

Das sieht auch RKK-Geschäftsführer Cédric Habermacher so: «Wir müssen das heutige Fördermodell grundsätzlich überdenken.» Diskutiert wird nun ein Modell, das die Gemeinden nicht mehr wie heute nach Einwohnerzahl zur Kasse bittet, sondern aufgrund der Nähe bzw. Distanz zu den Kulturinstitutionen. Bei der Erarbeitung des neuen Fördermodells spannt die RKK mit dem Gemeindeverband LuzernPlus zusammen.

Im Frühling soll bereits eine erste Version vorliegen, die den 24 Luzern-Plus-Gemeinden zur Stellungnahme unterbreitet wird. Ziel ist, spätestens bis zum Austritt Ebikons, also Ende 2021, ein neues Modell zu haben. Und dieses, so hofft, Habermacher, wird nicht einfach eine neue Vereinbarung zwischen den 11 verbliebenen RKK-Gemeinden sein. Vielmehr will man die ganze Region Luzern wieder mit ins Boot holen, sowie mit Blick auf die Revision des Kulturfördergesetzes auch den Kanton.

Ebikon ist für Kultur – hat aber kein Geld

Auch Daniel Gasser betont, dass die Kündigung Ebikons keinen endgültigen Ausstieg aus der Kulturförderung bedeute. Seine Gemeinde werde sich an einem neuen, besseren Modell gerne wieder beteiligen. «Wir stehen zu unserer kulturellen Verantwortung», so Gasser. Allerdings räumt der Gemeinderat in seiner Medienmitteilung gleichzeitig ein, dass der RKK-Austritt längst nicht nur aus strukturellen Gründen erfolgt, sondern schlicht auch aus finanzieller Not: «Die Gemeinde Ebikon ist auch in Anbetracht ihrer eigenen prekären Finanzlage künftig nicht mehr bereit, die RKK zu alimentieren», heisst es in der Mitteilung.

Adligenswil zahlt massiv weniger für Kultur

Wie ernst es Ebikon mit der Kulturförderung tatsächlich ist, wird sich also in zwei Jahren zeigen. Beispiele aus anderen RKK-Austrittsgemeinden lassen eher darauf schliessen, dass das eingesparte Geld für die Kultur definitiv weg ist. So gab etwa Adligenswil im Jahr 2015 noch 40'000 Franken für die Kulturförderung aus, war es 2018 – nach dem Austritt aus der RKK – nur noch halb soviel. Andere Gemeinden wie Root haben zumindest versprochen, das eingesparte Geld in andere, lokalere Kulturprojekte zu investieren.

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