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EBIKON: Wagen der Rotsee-Husaren: Bundesbern beehrt die Luzerner Fasnacht

Auf dem traditionellen Baustellenrundgang hat das Lozärner Fasnachtskomitee die Wagenbauer der Rotsee-Husaren besucht. Diese warten heuer mit einem höchst politischen Sujet auf.
Peti Mahler ist der künstlerischer Leiter der Wagenbaugruppe der Rotsee-Husaren und posiert hier neben der Helvetia Statue. (Bild: Philipp Schmidli (Ebikon, 1. Februar 2018))

Peti Mahler ist der künstlerischer Leiter der Wagenbaugruppe der Rotsee-Husaren und posiert hier neben der Helvetia Statue. (Bild: Philipp Schmidli (Ebikon, 1. Februar 2018))

Einer für alle. Alle für einen. Mit dieser Losung schwören sich nicht nur Sportmannschaften auf ihren Teamgeist ein, nein, es ist dies auch das diesjährige Fasnachtsmotto der Äbiker Rotsee-Husaren. Allerdings in der lateinischen Version. «Unus pro omnibus, und ähhh» – Michi Fritsche, Präsident der Rotsee-Husaren, zückt sein Smartphone und ergänzt: «omnes pro uno.» Eine Woche bis zum Schmutzigen Donnerstag bleibt Fritsche noch, um sein lateinisches Motto zu pauken.

Eine Woche bis Fasnachtsbeginn heisst auch: Das Lozärner Fasnachtskomitee begibt sich auf seinen traditionellen Baustellenrundgang. Dabei besucht es einige ausgesuchte Umzugsteilnehmer, dieses Jahr auch die Wagenbauer der Husaren in der ausrangierten Migros-Do-it-Halle in Ebikon. Kaum war der Car mit den Zünftigen vorgefahren, stimmten die Monster-Guugger aus Buchrain einen ersten Gassenhauer an. «Geiler Song», schreit einer einem weiteren ins Ohr. Dann schreiten die Vertreter der Luzerner Fasnachtszünfte Wey, Fidelitas und Safran sowie der Maskenliebhabergesellschaft in den Bauch der Halle, in Uniform, schwer behangen mit Ketten, und Zepter haltend. Dort kriegen sie Erstaunliches zu sehen.

Bundeshaus – auf Rädern

Eine zwei Meter grosse Helvetia etwa, die heroisch das Rütli überschaut. In der Mitte thront eine Schweizer Fahne und rundum sämtliche Kantonswappen. Im Rücken der erhabenen Helvetia haben die Wagenbauer der Husaren gar ein Stück Bern nachgebaut: den Parlamentssaal en miniature. «Hier werden wir dann unsere eigene Parlaments-Session abhalten», erklärt Husaren-Präsident Fritsche. Die Geräuschkulisse, die aus den Boxen wabert, lässt hingegen einen anderen Schluss zu: «Absolutes Mehr: 118 Stimmen». Lassen die Husaren an der Fasnacht etwa eigenhändig eine neue Bundesrätin wählen?

Rund 700 Stunden Arbeit stecken im Husaren-Wagen. 16 Wagenbauer haben seit Oktober jeden Mittwoch mindestens drei Stunden daran gewerkelt. Dazu kommen noch unzählige Samstagsschichten. «Besonders ¬anspruchsvoll war dabei die Helvetia», erklärt Peti Mahler, künstlerischer Leiter der Husaren-Wagenbauer. Für diese allegorische Frauenfigur ist Mahler zum Bildhauer geworden und hat über dreissig Stunden an ihr rumgewerkelt. Als Vorlage gedient hat ihm die Helvetia auf dem Zweifränkler. «Dass sie dort lediglich platt abgebildet ist, hat es nicht einfacher gemacht», so Mahler. Mit dem Resultat ist er zwar zufrieden, auch wenn sie ein wenig zu schmal geraten sei. Andere würden zudem die Brüste vermissen. «Mag sein», erwidert Mahler und fügt an: «Wir wollen aber nicht als Sexisten abgestempelt werden.» Als reine Männer-Guuggenmusig nehmen die Rotsee-Husaren diese Thematik besonders ernst.

Gewählt haben die Husaren das diesjährige Sujet – wie könnte es anders sein – urdemokratisch per Mehrheitsentscheid. Und weil das Motto die Gründung des Schweizerischen Bundesstaates 1848 thematisiert, darf natürlich auch die Bundesverfassung nicht fehlen. Eine überdimensionierte Version von dieser bildet denn auch den Abschluss des ziemlich langen Wagengespanns. Obwohl das Fasnachtsmotto der Husaren politischer kaum sein könnte, werden sie damit wohl bei niemanden anecken. «Das war uns ein grosses Anliegen. Es ist ein Sujet, das niemanden verletzt oder beleidigt», erklärt Fritsche. Im Gegenteil: Dieses geschichtsträchtige Ereignis dürfe alle mit Stolz erfüllen.

Auch andere Umzugsteilnehmer werden an der Fasnacht mit politischen Sujets aufwarten. Etwa die Fidelitas, die sich der Budgetsorgen des Kantons Luzern angenommen hat. Die Maskenliebhabergesellschaft lässt die Puppen tanzen gemäss dem Motto «Muppet Show», während die Wey-Zunft eine Welt präsentieren wird, in der Affen das Sagen haben. Ob die Zunft zu Safran mit ihren Safran-Piraten für Angst und Schrecken sorgen wird? «Auch dieses Jahr wird ein bunter Sujetmix für Begeisterung sorgen», ist Peti Federer, Medienverantwortlicher des Lozärner Fasnachtskomitees, überzeugt. «Huerenaffe – hey!» Die Fasnacht kann kommen.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

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