EBIKON: Wie viel Zivilcourage brauchen wir?

Politiker vom Gemeinderat bis zum Nationalrat diskutierten gestern über die Sicherheit. Das Thema Bürgerwehr bewegte die Gemüter.

Guy Studer
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Wieviel Sicherheit braucht es? (Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ).

Wieviel Sicherheit braucht es? (Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ).

Fühlen wir uns noch sicher? Macht eine Bürgerwehr Sinn? Wird das Geld bei der Sicherheit richtig eingesetzt? Themen, über die gestern Abend im Pfarreiheim in Ebikon debattiert wurde. Für die von der SVP Ebikon organisierte «Polit-Arena» zum Thema Sicherheit war der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann angereist, politisch zur Seite stand ihm Guido Müller, SVP-Fraktionschef im Luzerner Kantonsrat. Das entgegengesetzte Parteispektrum vertrat Regierungsrätin und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli (SP), als «Puffer» konnte die Rolle des Ebikoner Gemeinderats Herbert Lustenberger (CVP, Ressort Sicherheit) interpretiert werden.

Reimann wirbt für SVP-Anliegen

Erst ging es im gut halb vollen Saal darum, wie stark die Kriminalität – besonders infolge der offenen Grenzen – zugenommen hat. Lukas Reimann hatte viel Zahlenmaterial zusammengetragen. Sein Fazit: «Im Skifahren holt die Schweiz kaum Medaillen, dafür hält sie den Europarekord bei den Einbrüchen.»

Thematisiert wurde auch, wie gegen kriminelle Ausländer und Asylbewerber vorgegangen wird. Yvonne Schärli geriet in die Defensive und nahm die Polizeiarbeit in Schutz: «Wenn ein Fall eingeht, dann arbeitet die Polizei so gut, wie es ihre Möglichkeiten zulassen», erwiderte sie auf den Vorwurf aus dem Publikum, die Polizei unternehme oft nichts.

Guido Müller bemühte sich, mehr über die Ursachen der Kriminalität zu sprechen: «Wir haben eine Überbevölkerung und offene Grenzen.» Seine Lösung: «Die Polizei sollte andere Prioritäten setzen und nicht so viele Bussen verteilen.» Yvonne Schärli wies hingegen auf die vielen Fälle häuslicher Gewalt und die Toten und Verletzten aus Verkehrsunfällen hin. «Das macht mir am meisten Sorgen.»

Ebikon mit tiefer Kriminalitätsrate

Bei der Frage, wie es um die Sicherheit in Ebikon steht, versicherte Herbert Lustenberger, dass sich die Ebikoner sehr sicher fühlten. Schärli bekräftigte, dass gemäss Polizeistatistik die Kriminalitätsrate unterdurchschnittlich sei. Beim Thema Bürgerwehr wandte sich Lustenberger direkt an deren anwesenden Initianten Roland Furrer: «Dass ihr nachts unterwegs seid und nach dem Rechten seht, macht uns nichts aus.» Doch über die Art und Weise müsse man diskutieren, vor allem, wenn auch Waffen im Spiel seien. Furrer beteuerte seinerseits, nie mit illegalen Waffen unterwegs zu sein. Lob erntete die Bürgerwehr von Reimann: «Dass es noch Leute gibt, die sich ehrenamtlich für die Sicherheit der anderen einsetzen, verdient Applaus», sagte dieser, was vom Publikum spontan befolgt wurde.

Heinrich Knupp aus Ebikon pflichtete ihm bei: «Wir hatten Probleme auf einem Spielplatz im Quartier, wo Jugendliche nachts herumlungerten und Flaschen zerschlugen. Mit der Bürgerwehr wurde es schlagartig besser.» Thomas Bannwart aus Ebikon appellierte schliesslich an die Vernunft und die Zivilcourage jedes Einzelnen: «Wir müssen uns selber an der Nase nehmen und hinschauen, wenn sich etwa Jugendliche daneben benehmen, und sagen: ‹So was macht man nicht.›»