Ebikoner Deponie Stuben: Betreiber sehen «Verhandlungsspielraum»

Die geplante Deponie Stuben sorgt in Ebikon und Adligenswil für Ängste. «Wo gebaut wird, fällt Aushubmaterial an», sagt der Deponiebetreiber. Man bemühe sich aber auch um eine Aufwertung der Landschaft.

Hugo Bischof
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Er habe «grösste Bedenken wegen des Mehrverkehrs, zumal zwei Drittel davon durchs Dorf Adligenswil zu erwarten sind». Das sagte der Adligenswiler Gemeinderat und Bauvorsteher Peter Stutz unserer Zeitung mit Blick auf die geplante Deponie Stuben. Diese soll auf Ebikoner Boden im Gebiet Stuben an der Grenze zu Adligenswil entstehen. Auch in Ebikon selber gibt es Vorbehalte.

Angst vor mehr Lärm durch zu- und wegfahrende Lastwagen, Sorgen um die Verkehrssicherheit von Anwohnern und Schulkindern: Dass eine Deponie Ängste auslösen kann, weiss auch Josef Gloggner. Er ist Mitinhaber des Familienunternehmens Gloggner AG in Perlen, das die Deponie Stuben betreiben wird. Gloggner betont: «Es braucht Deponien. Wichtig ist es, sie nachhaltig und sicher zu betreiben. Dafür setzen wir uns ein.»

Transporte werden insgesamt kürzer

Wenn man die Deponie Stuben nicht in Betrieb nehme, werde das Aushubmaterial in andere Deponien transportiert, sagt Gloggner: «Dann würden einfach die Transportwege länger.» Das Einzugsgebiet der Deponie Stuben umfasst die Gemeinden Adligenswil, Udligenswil, Meggen, Meierskappel sowie Teile von Ebikon und der Stadt Luzern (siehe Grafik). Rund 36 000 Einwohner wohnen hier, rechnet Josef Wanner vor. Er ist Leiter der Firma Horwer Firma ilu (Ingenieure/Landschaftsarchitekten/Umweltfachleute), die grosse Erfahrung mit Deponieprojekten hat und nun im Auftrag der Gloggner AG die Deponie Stuben plant.

Gemäss Josef Gloggner fallen im Einzugsgebiet der Deponie Stuben pro Einwohner jährlich zirka 3,3 Kubikmeter Aushubmaterial an. Das sind total 120 000 Kubikmeter pro Jahr. Gerade in Adligenswil sei die Bautätigkeit gross und werde in den kommenden Jahren noch zunehmen: «Und wo gebaut wird, da fällt Aushubmaterial an.» Gemäss Gloggner wird zurzeit ein Grossteil des Adligenswiler Aushubmaterials über das Götzental abgeführt. Mit Inbetriebnahme der Deponie Stuben wird sich dies ändern. Die Transportwege werden dadurch insgesamt kürzer. Dafür, das ist unstreitbar, gibt es in Adligenswil Mehrverkehr.

Gelände schon früher als Deponie genutzt

«Wir nehmen die Bedenken ernst und bemühen uns um eine für alle verträgliche Lösung», sagt Gloggner. Kann man etwa zu Zeiten, in denen Schulkinder die Strasse überqueren, auf Deponiefahrten verzichten? «Es gibt Verhandlungsspielraum», sagt Gloggner. Die Frage sei, ob dies durchsetzbar ist, «denn dann müsste man ehrlicherweise den ganzen Lastwagenverkehr in diesen Zeiten verbieten, da die Deponiefahrten nur einen kleinen Teil des Gesamtverkehrs ausmachen» (siehe Kasten).

Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit wird in Adligenswil über die Einführung von Tempo 30 debattiert. «Das wäre für uns kein Problem», sagt Gloggner. Dem politischen Entscheid will er nicht vorgreifen. Eine Meinung hat er schon: «Tempo 30 ja, aber ohne unnötige bauliche Schikanen auf der Strasse.»

7,4 Hektaren gross ist die geplante Deponie Stuben. Das Gelände wurde bereits früher als Deponie genutzt. Die Anfänge liegen wohl über 50 Jahre zurück. «Zurzeit ist hier der Boden sehr schlecht, eine landwirtschaftliche Nutzung ist nur sehr eingeschränkt möglich», sagt Leo Rast, einer der drei privaten Grundeigentümer, auf deren Land die Deponie entstehen soll.

Nach sieben Jahren ist die Deponie voll

Nach dem Auffüllen der Deponie sollen hier zirka 4 Hektaren Fruchtfolgeflächen entstehen. «Eine Landverbesserung ist zweckmässig», sagt Josef Wanner. «Und sie ist eines unserer Ziele.» Während sieben Jahren sollen total 380 000 Kubikmeter Aushubmaterial deponiert werden, knapp 60 000 Kubikmeter pro Jahr. Dann ist die Deponie voll. «Es handelt sich um eine wandernde Baustelle», erklärt Wanner.

«Die Deponie wird etappenweise aufgefüllt, von Osten her.» Das Gelände wird durch die Ablagerung von Aushubmaterial um sechs bis sieben Meter erhöht. «Die bestehende Steilböschung wird nach vorne gezogen», so Wanner. Im Zug der Deponie-Arbeiten wird der Mülibach renaturiert. Es entstehen 15 Prozent ökologische Ausgleichsflächen, darunter ein Amphibienteich entlang des Bachs.

Volk wird über Teilzonenplanänderung abstimmen 

Gemäss Alex Mathis, Geschäftsführer der Gemeinde Ebikon, verlangte der Kanton in der Vorprüfung die Revision der Gefahrenkarte im Bereich Stuben. Zudem mussten die Gewässerlinien in der Teilzonenplanänderung eingetragen werden. Nach der Vornahme dieser beiden Korrekturen seien die Bedingungen für die öffentliche Auflage der Teilzonenplanänderung und der Ergänzung des Bau- und Zonenreglements erfüllt, sagt Mathis. Er erwartet, dass das Baugesuch für die Deponie spätestens im ersten Quartal 2019 eingereicht wird. Zuvor müssen die Gesuchsteller weitere Fachberichte zur Geologie, zu den Umweltbereichen Flora, Fauna sowie zu Luft und Verkehr erstellen. Wann die für die Teilzonenplanänderung notwendige Volksabstimmung in Ebikon stattfinden wird, ist noch offen.

5 Prozent mehr Lastwagenverkehr

Nach Angaben der Betreiber wird die Deponie Stuben pro Werktag 46 zusätzliche Lastwagenfahrten verursachen. Auf der Ebikonerstrasse auf Adligenswiler Gemeindegebiet werden es rund 30 sein (hin und zurück je 15), auf der Adligenswilerstrasse in Ebikon rund 16 (hin und zurück je 8). Das entspricht laut den Betreibern einer Zunahme des gesamten Lastwagenverkehrs um rund 5 Prozent – dabei müsse man beachten, dass der Deponieverkehr im Gegensatz zum Gesamtverkehr nur an Werktagen anfalle. Die Betreiber berufen sich auf eine Hochrechnung der Dienststelle Umwelt und Verkehr (uwe) des Kantons Luzern. Demnach verkehren im Gebiet Stuben auf der Ebikonerstrasse täglich rund 7000 Fahrzeuge (Autos, Lastwagen, Motorräder), auf der Adligenswilerstrasse 7800. Der Anteil Lastwagen ist auf der Ebikonerstrasse mit 450 schon jetzt grösser als jener auf der Adligenswilerstrasse mit 360.

Die Deponie Stuben ist eine Deponie des Typs A. Das heisst, hier darf nur unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial abgelagert werden. Im Kanton Luzern gibt es zurzeit 13 Typ-A-Deponien. Beispiele dafür sind in der Agglomeration Luzern Emmen (Büel), Eschenbach (Waldibrücke), Luzern-Littau (Hochbüel), Malters (Spitzfluehof) und Rothenburg (Schlatt). Insgesamt 869 500 Kubikmeter unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial wurden 2017 gemäss Lustat Statistik in Deponien im Kanton Luzern abgelagert. Darin enthalten sind gut 16 Prozent Lieferungen aus anderen Kantonen. Rund 375 000 Kubikmeter dieses Aushubmaterials wurden zur Wiederauffüllung von Kiesgruben verwendet. 214 990 Kubikmeter Abfall aus Industrie und Gewerbe sowie nicht verwertbare mineralische Bauabfälle wurden auf Deponien des Typs B abgelagert. (hb)