Kommentar

Ebikoner MParc-Abstimmung: Der richtige Ort für ein verdichtetes Quartier

Auf dem MParc-Areal sind 340 Wohnungen geplant, unter anderem in einem Hochhaus. Redaktor Roman Hodel sagt, weshalb ein Ja zum Bebauungsplan und zur Umzonung Sinn macht – obwohl es durchaus Fragezeichen gibt.

Roman Hodel
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Roman Hodel, Redaktor Stadt/Region

Roman Hodel, Redaktor Stadt/Region

In knapp zwei Wochen befinden die Ebikoner über die kommunale Vorlage zum Bebauungsplan und zur Teilzonenplanänderung Weichle, besser bekannt als MParc-Areal. Nüchtern betrachtet geht es darum, die rechtlichen Regeln für das Areal zu definieren – also die Eckdaten zur Erschliessung, Nutzung, Baumasse. Aktuell zählt es zur Gewerbezone, künftig soll auch Wohnen möglich sein. Vor allem das. Nebst kleineren Gewerbenutzungen sind 340 Wohnungen geplant, davon 280 auf Migros-Land. Damit überhaupt so viele Wohnungen Platz finden, muss das Quartier dicht bebaut werden, urban. Auch darum ist ein Hochhaus vorgesehen.

Urban? Passt das zu Ebikon? Soll die Gemeinde derart wachsen und ein immer städtischeres Bild erhalten? Es sind die grossen Fragen, die am 10. Februar mitschwingen – und die dafür sorgen, dass diese Vorlage so umstritten ist. Gut daran: Die Bevölkerung hat jetzt die Möglichkeit, mitzureden. Später, bei den Baugesuchen, ist dies nur noch einem kleinen Kreis vorbehalten.

Fakt ist: Mit fast 14'000 Einwohnern ist Ebikon kein klassisches Dorf mehr - selbst wenn es in manchen Köpfen weiterhin herumgeistert. Mehr noch: Die Gemeinde nimmt im Rontal allein durch ihre Grösse eine Zentrumsfunktion wahr. Deshalb gibt es gute Gründe für ein Ja zur Vorlage. Warum? Das Rontal und mit ihm Ebikon liegen verkehrsgünstig auf der Achse Luzern-Zug-Zürich. Entsprechend beliebt ist die Region zum Wohnen, Arbeiten – und daher nicht von ungefähr als Entwicklungsschwerpunkt definiert. Die Migros als Projektentwicklerin kündigt eine Vielzahl verschiedener Gebäude- und Wohnungstypen an. Das wird für einen vielfältigen Bevölkerungsmix und architektonische Abwechslung sorgen. Auch dass man auf dem MParc-Areal verdichtet bauen will und die Anzahl Parkplätze beschränkt, macht Sinn. Das Areal liegt zentral und ist bestens mit dem ÖV erschlossen. Kommt dazu: Gerade in städtischen oder stadtnahen Gebieten verzichten immer mehr Menschen auf ein eigenes Auto – darunter sehr wohl Gutverdienende, auch wenn sich dies manche Bewohner in der Agglo (noch) nicht vorstellen können. Man darf sich allerdings fragen, ob die 0,6 Parkplätze pro Wohnung nicht doch etwas ambitioniert gewählt sind.

Gewiss gibt es noch weitere Fragezeichen. Zum Beispiel das Thema Steuern. Wird Ebikon dank der Neuzuzüger unter dem Strich wirklich Mehreinnahmen generieren? Denn im Gegenzug muss die finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebettete Gemeinde ihre Infrastruktur ausbauen – etwa Schulen und Kindergärten.

Wie umstritten das Projekt in der Gemeinde ist, zeigt nicht zuletzt der Parolenspiegel der Parteien: FDP, GLP und SP empfehlen Ja. CVP und SVP Nein. Die Grünen sind für Stimmfreigabe. Wobei damit allerdings erst die halbe Wahrheit abgebildet ist. In praktisch jeder Partei finden sich Befürworter und Gegner. Dies war bei der ebenfalls umstrittenen Abstimmung zum Mall-Vorgängerprojekt Ebisquare vor 14 Jahren zwar ähnlich. Nur: Diesmal gibt ausgerechnet die in Ebikon mächtige CVP die Nein-Parole heraus. Sie ist nicht nur die wählerstärkste Partei, sondern stellt auch im Gemeinderat, der für ein Ja eintritt, faktisch die meisten Mitglieder.

Zu bedenken gilt es: Ein Ja heisst nicht, dass das Quartier in vier Jahren steht. Die Nachfrage nach Wohnungen wird entscheiden, wann eine Etappe gebaut wird. Das betont die Migros und man kann ihr glauben. Kein Investor kann sich auf längere Zeit leere Häuser leisten. Als Mahnung dienen die vielen neuen Siedlungen, die gerade in Luzern-Süd entstehen. Dort läuft die Erstvermietung nicht so flott wie erhofft.

Bei einem Nein wiederum würde Ebikon trotzdem weiterwachsen - bloss woanders. Auf der Sagenmatt zum Beispiel. Die dort geplanten 260 Wohnungen sind weit weniger umstritten. Was im Prinzip paradox ist, denn auch diese Siedlung setzt auf Verdichtung und wenig Parkplätze. Anzunehmen ist, dass die Migros eines Tages mit einem neuen Vorschlag fürs MParc-Areal käme. Eine Zwischennutzung würde auf Dauer zu wenig abwerfen, zumal dem Grossverteiler Teile des Areals «nur» im Baurecht gehören. Wer aber auf zahlreiche Arbeitsplätze statt Wohnungen hofft, sollte seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Dafür gibts in der Nähe bereits das D4-Areal - und die wirklich grossen Ansiedlungen passieren ohnehin ein paar Kilometer weiter östlich, im steuergünstigen Kanton Zug.