EBIKON/LUZERN: Trickdieb stiehlt Rentner 700 Franken

Höflich und hilfsbereit wollte er sein – und musste dies teuer bezahlen. Was Hanspeter Lüthi (74) widerfuhr, ist kein Einzelfall.

Dave Schläpfer
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Blick nach draussen: Trickdiebstahl-Opfer ­Hanspeter Lüthi (74) bei sich zu Hause in Ebikon.

Blick nach draussen: Trickdiebstahl-Opfer ­Hanspeter Lüthi (74) bei sich zu Hause in Ebikon.

«Mit Sicherheit werde ich nie mehr einem Unbekannten Münz wechseln.» Das ist die Lehre, die Hanspeter Lüthi aus Ebikon für sich aus dem Vorfall gezogen hat. «Am meisten habe ich mich über mich selber geärgert», so der 74-Jährige. Jetzt möchte er andere warnen und hat sich deshalb mit seiner Geschichte an unsere Zeitung gewandt.

Um Münz fürs Telefonieren gebeten

Was passiert ist: Hanspeter Lüthi hat vor zwei Wochen bei einer Bank in Luzern 700 Franken abgehoben. «Beim Verlassen der Bank ist mir ein älterer Mann gefolgt.» Dieser habe ihn mit Balkanakzent freundlich gefragt, ob er ihm zum Telefonieren einen Zweifränkler in kleinere Münzen umtauschen könnte. «Ich schaute in mein Portemonnaie, fand aber nur einen Fünfzigräppler, den ich ihm schenkte.» Der Mann habe sich bedankt, noch nach der nächsten Telefonkabine gefragt und sei schliesslich von dannen gegangen.

Kurz darauf erfolgte die Ernüchterung: «Beim Versorgen des Portemonnaies stellte ich fest, dass es dünner war als vorher.» Die gerade abgehobenen Noten hätten gefehlt. «Er musste diese mit geschickten Fingern entwendet haben, während ich das Münz durchsuchte.» Lüthi ging daraufhin zur Polizei, wie er erzählt. Er ist sich sicher, auf einem der ihm vorgelegten Fotos den Täter erkannt zu haben, und hofft nun, dass ihm seine Versicherung zumindest einen Teil des entstandenen Schadens bezahlt.

Trickdiebstähle auf Rekordhoch

Wie eine Nachfrage bei der Luzerner Polizei ergab, handelt es sich um eine bekannte Masche von Trickdieben. Generell haben Trickdiebstähle momentan Hochkonjunktur: 324 derartige Straf­taten wurden 2012 im Kanton Luzern verzeichnet – 11 Prozent mehr als 2011 und über viermal so viel wie noch 2008. Auch die im letzten Jahr registrierten Taschendiebstähle befinden sich mit 1826 auf einem Rekordhoch.

Laut der Luzerner Polizei ist «keine Beruhigung der angespannten Situation» in Sicht; viele der Täter stammen aus Nordafrika, Rumänien und Bulgarien. Die Aufklärungsquote von Trickdiebstahl-Delikten lag 2012 bei etwas über 8 Prozent. Die Luzerner Polizei bläst nun zur Offensive gegen Trickdiebe: Bei so genannten Schwerpunktkontrollen (Ausgabe vom Freitag) sollen diese mit einem grossen, gut sichtbaren Polizeiaufgebot verunsichert werden.