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Geplantes 55-Meter-Hochhaus auf dem Ebikoner MParc-Areal stösst auf Kritik

Auf dem MParc-Areal sollen 340 Wohnungen entstehen – unter anderem in einem Hochhaus. Zuerst muss das Volk aber zwei entsprechenden Vorlagen zustimmen. Am Infoanlass zeigte sich: Die Meinungen in der Bevölkerung sind geteilt.
Roman Hodel
So stellen sich die Planer das Qube-Quartier vor. Links ist das 55 Meter hohe Hochhaus zu sehen. (Visualisierungen: PD/Migros Luzern)

So stellen sich die Planer das Qube-Quartier vor. Links ist das 55 Meter hohe Hochhaus zu sehen. (Visualisierungen: PD/Migros Luzern)

So viel Zuspruch hätte der Ebikoner Gemeinderat bei seinen Orientierungsversammlungen auch jedes Mal gern. Mehrere hundert Einwohnerinnen und Einwohner strömten am Dienstagabend in den ehemaligen MParc. Zwischen stillgelegten Rollbändern und kahlen Wänden nahmen sie Platz. Im Hintergrund bereiteten flinke Hände den Apéro vor – den gabs aber erst zum Schluss. Zum Infoanlass bezüglich Zukunft des Areals geladen hatte die Migros Luzern, notabene der zweite nach 2016. Grund: Damit sie das Projekt mit dem Namen Qube überhaupt weiterverfolgen kann, braucht es am 10. Februar 2019 an der Urne ein Ja zur Umzonung und ein Ja zum Bebauungsplan.

Deshalb referierten gestern auch Vertreter des Gemeinderats. «Wir machen hier jedoch nicht Werbung für das Projekt, sondern uns geht es um ein gesundes, kontrolliertes Wachstum», stellte Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP) klar. Er habe Verständnis, dass Wachstum manchen Leuten auch Angst bereite. «Angst müsste man aber vor ganz anderen Dingen haben – zum Beispiel gibt es in Ebikon mittlerweile vier Bordelle.» Eine Bemerkung, die im Publikum für ein Raunen sorgte.

Mit Projekten wie dem Qube wolle man den Bevölkerungsmix optimieren, etwa mehr gute Steuerzahler anlocken. «Wir haben heute zu viele Altbauwohnungen mit entsprechender Mieterschaft», sagte Gasser. Daher müsse man einerseits Anreize für Sanierungen schaffen, andrerseits den Weg ebnen für qualitativ gute Neubauten. Weil das Grundstück durch die Umzonung an Wert gewinnen würde, winken der Gemeinde durch die Mehrwertabgabe überdies Einnahmen von rund 3,5 Millionen Franken. «Das ist nicht unser Antrieb, aber natürlich ein angenehmer Nebeneffekt», sagt Gasser.

Derweil betonte Walter Baumann, Leiter Bau und Immobilien bei der Migros Luzern: «Es ist erst ein Richtprojekt, noch nicht einmal ein Bauprojekt.» Die rund 340 Wohnungen sollen möglichst verschiedene Mieter ansprechen. «Wir wollen kein Ghetto mit gleichförmigen Wohnungen, sondern Vielfalt.» Zu den Mietzinsen konnte er noch nichts sagen. Mit Blick auf das «Preis-Leistungsversprechen der Migros» nur soviel: «Bei uns im Laden gibt es Budget- wie auch Sélection-Produkte.» Ein Teil der Wohnungen soll in einem 55 Meter hohen Hochhaus mit 17 Stockwerken Platz finden. Zum Vergleich: Der Schindler-Turm misst 58 Meter.

Bedenken wegen des Schattenwurfs

Obwohl die Hochhaus-Pläne nicht neu sind, stiess dasselbige im Publikum auf am meisten Kritik: «Kann man es nicht auf der anderen Seite des Areals bauen, wegen des Schattenwurfs?», fragte eine Zuhörerin. «Das ist Grössenwahn», befand ein weiterer Zuhörer. Und einer warf ein: «In der von der Migros-Pensionskasse erstellten Überbauung Ebisquare hat es diverse Wohnungen, die keine Sonne haben, macht den Fehler nicht nochmals.» Walter Baumann von der Migros entgegnete: «Es werden nicht alle Zimmer besonnt sein, aber der Schatten fällt sicher auf das eigene Areal.» Das Hochhaus und dessen Standort seien zudem vom Masterplan vorgegeben.

Kritik gab es weiter am Parkplatzkonzept: 0,6 Parkplätze pro Wohnung. «Das ist viel zu wenig – die avisierten guten Steuerzahler besitzen mindestens zwei Autos», monierte ein Zuhörer. Ebikons Bauvorsteher Hans Peter Bienz (parteilos) verteidigte die Vorgabe: «Mehr Parkplätze gleich mehr Verkehr – und abgesehen davon ist das Areal zentral gelegen und top erschlossen durch den ÖV.»

Besucherinnen des Infoanlasses beäugen das Modell des geplanten Quartiers. (Bild: hor (Ebikon, 27. November 2018))

Besucherinnen des Infoanlasses beäugen das Modell des geplanten Quartiers. (Bild: hor (Ebikon, 27. November 2018))

«Ein Bordell gibt es sicher nicht»

Ein Zuhörer fragte sich, warum die Migros mit dem MParc ein erst 21-jähriges Gebäude schon wieder zurückbauen will: «Hat man wirklich alle Alternativen geprüft?» Gemäss Walter Baumann von der Migros hat man das. Nur: Andere gewerbliche Nutzungen seien laut einer Untersuchung der Gebäudestruktur kaum möglich – ausgenommen Lagerräume, aber das bedeute wenig Wertschöpfung. «Die Hälfte des Gebäudes bleibt selbst mit dem neuen Quartier erhalten», so Baumann. Damit meint er die Parkinggeschosse im Untergrund sowie die gläserne Do-it-Halle, die zu einem öffentlichen Park werden soll.

Sollten die Ebikoner am 10. Februar zwei Mal Ja stimmen, wäre der Baustart voraussichtlich im Jahr 2022. Gebaut würde in Etappen. «Je nach Marktlage», sagte Felix Meyer, Geschäftsführer der Migros Luzern. Zur Realisation würde die Migros Co-Investoren beiziehen. Denkbar sei beispielsweise die Migros-Pensionskasse. «Ausgeschlossen ist der Verkauf des ganzen Projekts an irgend einen ausländischen Investor», sagte Meyer. Und bei einem Nein? «Das würden wir bedauern – eine Brache bringt niemandem etwas.» Es gäbe wohl eine Zwischennutzung. «Sicher kein Bordell», sagte Meyer mit einem Augenzwinkern. Dann vielleicht ein Coop, wie ein Zuhörer vorschlug? «Das kommt auch nicht in Frage – Sie haben Verständnis.»

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