EGOLZWIL: Er will die Häftlinge integrieren

Felix Föhn (50) ist seit 100 Tagen Direktor der offenen Strafanstalt Wauwilermoos. Er will nicht nur Manager, sondern auch Patron sein.

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Felix Föhn ist seit 100 Tagen neuer Direktor der Strafanstalt Wauwilermoos in Egolzwil. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Felix Föhn ist seit 100 Tagen neuer Direktor der Strafanstalt Wauwilermoos in Egolzwil. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sein Auftritt ist sportlich. Während der 50-Jährige die beiden Journalisten durch die Strafanstalt Wauwilermoos in Egolzwil führt, grüssen ihn die Häftlinge freundlich, Felix Föhn grüsst zurück. Man spürt: Dieser Mann fühlt sich hier bereits wohl. Sein Engagement war keineswegs selbstverständlich: «Mit meiner Person leitet zum ersten Mal ein ausgebildeter Sozialarbeiter ohne Militärkarriere den Betrieb», so Föhn. Der Neue weiss genau, worauf er seinen Führungsschwerpunkt legen möchte: «Über allem steht die Reintegration. Mit dem ersten Tag der Haftstrafe beginnt die Vorbereitung für die Haftentlassung», so Föhn. Sein Vorgänger Andreas Naegeli habe diesen Ansatz begonnen, er gehe ihn nun konsequent weiter. Um sich mit ihrer Tat auseinanderzusetzen und um bereit zu sein für das Leben in Freiheit, absolvieren rund 60 Prozent der Häftlinge eine deliktorientierte Psychotherapie, der grösste Teil davon freiwillig.

Vater war Bankdirektor

Felix Föhn blickt auf eine 20-jährige Karriere in der Leitung von Betrieben im Sozial- und Gesundheitsbereich zurück. Seit 1999 war er Geschäftsleiter des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) Zentralschweiz, zuvor baute er die ärztlich kontrollierte Heroinabgabe in der Stadt Luzern auf und war Mitglied der Geschäftsleitung des Psychiatriezentrums Luzern Stadt.

Aufgewachsen ist Föhn in Baden im Kanton Aargau zusammen mit einem Zwillingsbruder und zwei älteren Brüdern – ebenfalls Zwillinge. Der Vater war Bankdirektor. «Als wir 18-jährig waren, zogen wir nach Hochdorf im Seetal, weil mein Vater dort die Leitung der Regionalbank übernahm.» Für seinen Berufswunsch Sozialarbeiter schien Felix Föhn das KV die ideale Ausbildung. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder absolvierte er eine Banklehre. «Die betriebswirtschaftliche Sichtweise kam mir bei Führungsaufgaben immer zugute», erklärt Föhn. Nach dem KV studierten die beiden Brüder gemeinsam an der Luzerner Höheren Fachschule für Sozialarbeit. Während Felix Föhn sich anfänglich für Drogenabhängige und später im Arbeiterhilfswerk für Erwerbslose und anerkannte Flüchtlinge einsetzte, engagiert sich sein Bruder bis heute für die Eingliederung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung im Raum Luzern.

Äusserlich kann man die beiden Zwillinge gut unterscheiden. Im Gegensatz zu seinem Bruder trägt Felix die Gesichtsbehaarung nur über der Oberlippe. Ansonsten sind sich die beiden aber sehr nahe geblieben. Beide haben zwei Kinder und wohnen mit ihren Familien im selben Dorf in der Nähe von Luzern. 2010 absolvierte Felix Föhn an der Wirtschaftsuniversität Wien den Master of Business Administration (MBA) in den Bereichen Sozialwirtschaft, Management und Organisation Soziale Dienste. Seine Master-Arbeit widmete er dem Thema «Bildung im Strafvollzug». Daraus resultierte ein Pilotprojekt, welches – unter der Leitung von Felix Föhn – die Bildung im Strafvollzug in 27 Konkordatsanstalten des Straf- und Massnahmenvollzugs institutionalisierte. «Aus diesem Grund kannte ich das hiesige Strafsystem und auch das Wauwilermoos bereits relativ gut», so Föhn.

Name der Häftlinge kennen

Sein Vorgänger Andreas Naegeli hatte ihn vor seinem Stellenantritt gut auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet. Trotzdem sei er nervös gewesen vor seinem ersten Arbeitstag. «Ich möchte nicht nur Verwalter, sondern auch Patron sein», sagt Föhn. «Mein Ziel ist es, alle 62 Häftlinge zumindest mit ihrem Namen und soweit möglich auch ihre Geschichte zu kennen», erklärt Felix Föhn. Im letzten Jahr verübten zwei Häftlinge einen Fluchtversuch. Beide wurden nach wenigen Tagen wieder gefasst. «Sie schnitten sich damit selbst ins Fleisch», sagt der Direktor. Als Konsequenz müssen sie den Rest ihrer Strafe in einer anderen Anstalt im geschlossenen Vollzug absitzen.

Mario Wittenwiler