EHEMALIGE KINDERHEIME: Zuerst die Missstände klären – dann handeln

Der Regierungsrat will die Missstände in ehemaligen Kinderheimen im Kanton Luzern klären. Über das weitere Vorgehen will die Regierung aber erst nach dem Erhalt des Zwischenberichts entscheiden.

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Das Kinderheim Rathausen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (Archivbild Hans Eichenberger/Staatsarchiv Luzern).

Das Kinderheim Rathausen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (Archivbild Hans Eichenberger/Staatsarchiv Luzern).

Der Regierungsrat will die Vergangenheit der Kinderheime im Kanton Luzern klären. Im Auftrag der Regierung ist der Luzerner Historiker Markus Furrer seit einigen Monaten an der Aufarbeitung der vergangenen Jahrzehnte. Auslöser der Untersuchung waren die Schilderungen von ehemaligen Heimkindern über Gewalt und Missstände, insbesondere im ehemaligen Kinderheim «Rathausen». Die geschilderten Vorfälle gehen bis in die 1930er Jahre zurück.

Lehren aus der Vergangenheit ziehen
«Wir müssen zuerst die Fakten kennen», sagte Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf an einer Veranstaltung zur Ausstellung «Erziehungsanstalt Sonnenberg» im Museum Bellpark in Kriens. Erst wenn das Ergebnis vorliegt will die Regierung über das weitere Vorgehen entscheiden. «Nur so können wir die Lehren aus der Vergangenheit ziehen», erklärte Graf in seiner Rede. Er habe sich in sehr persönlichen Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern unterhalten. «Ihre Geschichten machen mich sehr betroffen und ich bedaure, was sie erlebt haben», sagte er.

Zwischenbericht kommt Ende Jahr
Einen ersten Zwischenbericht der Arbeit von Markus Furrer erwartet der Regierungsrat gegen Ende des Jahres. Für seine Recherchen erhielt er Zugang zu allen Archiven. Er hat sich zudem mit zahlreichen Personen getroffen, die sich beim Kanton gemeldet hatten. Der Kanton hat eine Kontaktstelle eingerichtet für Menschen, die über ihre Erlebnisse in Kinderheimen berichten möchten. Rund 45 Personen haben sich seit Mai gemeldet.

pd/zim