Ehemalige Vermieter erheben schwere Vorwürfe gegen den Betreiber des Luzerner Schachmuseums

Das Schachmuseum zieht von einem Standort in der Region Luzern zum nächsten – und verärgert diverse Vermieter durch ausstehende Mietzinse. Im ehemaligen «Edwards»-Gebäude in Horw kam es schliesslich zum Eklat.

Beatrice Vogel
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Werner Rupp hat ein Problem: Der Besitzer des Schachmuseums Schweiz hat 32'000 Exponate zum Thema Schach, doch keine Räumlichkeiten, um diese auszustellen. «Wir brauchen 500 bis 600 Quadratmeter für die Ausstellung. Bezahlbare Räume in dieser Grösse zu finden, gestaltet sich aber äusserst schwierig», sagt Rupp, der auch Präsident des Schachklubs Luzern ist. Derzeit hat er sich mit dem Schachklub im ersten Stock an der Neustadtstrasse 3 eingemietet. Eigentlich würde er gern die Gewerberäume im Erdgeschoss für das Museum dazu mieten – dort ist kürzlich die «Tonbild Spinnerei» ausgezogen (wir berichteten) – doch kann er sich die Miete nicht leisten. Nur einen Teil der Exponate auszustellen, kommt für ihn nicht in Frage. «Deshalb werden wir weiter suchen.»

Werner Rupp, der das Museum gemeinsam mit seinem Bruder 2012 gegründet hat, ist ein Sammler durch und durch. Das Museum ist seine Herzensangelegenheit. Wäre da nicht das liebe Geld. Rupp findet:

«Kultur – und ein Museum gehört dazu – sollte vom Staat unterstützt werden.»

Er habe sich auch schon bei der Stadt Luzern und beim Schweizer Lotteriefonds um Unterstützung beworben, bislang allerdings erfolglos.

Weil er nicht genügend finanzielle Mittel für das Schachmuseum aufbringen kann, hat Werner Rupp schon einige Vermieter verärgert. Bereits drei Standorte in Kriens und Horw hat er mit dem Museum bezogen. Ihm wurde wegen Mietschulden wieder gekündigt. Es kam auch zu mindestens einer Betreibung. «Man verliert Geld mit diesem Mieter», sagt ein ehemaliger Vermieter. Rupp verspreche, das Geld über Sponsoren zu akquirieren, könne dann aber doch nicht zahlen. «Am Ende stellen sich viele Versprechungen als unwahr heraus.»

Werner Rupp sagt dazu, er habe meist gar keinen Mietvertrag gehabt, oder aus Platzgründen selbst gekündigt. «Ich unterschreibe doch nicht einen Mietvertrag, wenn ich das Geld dafür nicht auf der Seite habe.»

Ohne Erlaubnis des Besitzers eingezogen

In Horw, wo das Schachmuseum zuletzt sein Domizil hatte, kam es zu einer besonders schwierigen Situation. Konkret geht es um das Gebäude an der Altsagenstrasse 14, in dem einst der Herzklappenhersteller Edwards Lifesciences eingemietet war. Der damalige Besitzer, Andreas Lüthy von der Gravura AG, verkaufte das Gebäude an die Immobilienfirma Kipfer GmbH aus Buochs per 1. Januar 2019. Hier das Gebäude im Bild:

(Bild: Roger Grütter, Horw, 19. September 2017)

(Bild: Roger Grütter, Horw, 19. September 2017)

Der neue Inhaber, Theodor Kipfer, will das Haus vermieten. Einen Mieter hatte er bereits im Sommer 2018 zur Hand: die Dyntar Sun-Systems AG, Entwickler von elektrischen Antriebssystemen. Da das Haus leer stand, erlaubte Lüthy der Firma, frühzeitig einzuziehen und zwei Etagen zu nutzen. Allerdings zahlte deren Inhaber David Dyntar keine Miete, denn Edwards Lifesciences deckte den Mietzins bis Ende 2018. Werner Rupp erfuhr von dem halb leeren Gebäude und fragte Dyntar wegen eines Mietverhältnisses an, da er am früheren Standort nicht bleiben konnte. Offenbar wurden sich die beiden einig – jedenfalls übergab Dyntar den Schlüssel an Rupp, obwohl er dazu keine Erlaubnis hatte. David Dyntar gibt dazu auf Anfrage keinen Kommentar ab.

Als Andreas Lüthy erfuhr, dass das Museum ohne sein Wissen eingezogen war, untersagte er dessen Eröffnung. Dennoch liess er Rupp zunächst gewähren – unter der Bedingung, dass Theodor Kipfer ein künftiges Mietverhältnis bestätige. Da er diese Zusicherung nie erhielt, forderte Lüthy Rupp mehrmals auf, auszuziehen. Dies geschah jedoch nicht. Lüthy sagt:

«Es war eine Hausbesetzung.»

Er bezeichnet Rupp als «Schlitzohr» sowie Wirtschaftskriminellen. Bis das Gebäude an Kipfer überging, konnte Lüthy das Schachmuseum nicht loswerden. Die ganze Geschichte habe ihm sehr zugesetzt, sagt Lüthy, «ich wurde nach Strich und Faden betrogen».

Auch Theodor Kipfer versuchte, den ungewollten Gast loszuwerden, und erwirkte eine gerichtliche Ausweisung. Bis Ende Mai muss Rupp nun die restlichen Objekte aus dem Haus räumen. Kipfer bestätigt die Aussagen von Andreas Lüthy, Rupp habe sich im Haus ausgebreitet, es sei wie eine Hausbesetzung gewesen. Für Kipfer steht jedoch die baldige Vermietung im Vordergrund: «Es ist ein guter Standort für Gewerbe und soll auch bald von Gewerbebetrieben bezogen werden.» Das Mietverhältnis mit der Dyntar AG für zwei Etagen bleibt bestehen.

Museumsbetreiber weist Vorwürfe zurück

Werner Rupp sagt zu der Angelegenheit in Horw: «Ich wusste nicht, dass Herr Lüthy noch Besitzer des Hauses war. Herr Dyntar hat mir verschwiegen, dass er keine Berechtigung hatte, fremde Mieter aufzunehmen.» Er sei sicher kein Hausbesetzer. Und sowieso: «Der Standort in Horw war zu weit weg vom Zentrum.» Jedoch hätte er dort genügend Platz für seine Exponate gehabt, so Rupp.

Nachlass eines Grossmeisters im Museum

Das Schachmuseum Schweiz besitzt eine riesige Sammlung von über 600 Schachspielen, zahlreichen Büchern und diversen Schachutensilien. Darüber hinaus gehören 3000 Briefmarken mit Schach-Sujets sowie der Nachlass des Grossmeisters Viktor Kortschnoi zu den Ausstellungsstücken. Das Museum ist in Besitz des Luzerner Schachklubpräsidenten Werner Rupp.

Das Krienser Schachmuseum wird eröffnet

Am 15. Dezember eröffnet das Schachmuseum in Kriens. Die Gebrüder Werner und Roland Rupp präsentieren auf über 300 Quadratmeter die Geschichte des Schachspiels.