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Ehemaliger Leiter der Pro Senectute Luzern geht in Pension: «Ich will kein aktivistischer Senior werden»

Der Altwiser Stefan Brändlin beschäftigt sich seit einem Jahrzehnt mit dem Alter und dem Ruhestand. Nun geht der ehemalige Gemeinderat selber in Pension. Dabei will er auch etwas Neues lernen: Nein sagen können.
Roseline Troxler
Freut sich auf seine Zeit als Pensionär: Stefan Brändlin, hier im Garten seines Hofs in Altwis. (Bild: Jakob Ineichen, 10. Oktober 2018).

Freut sich auf seine Zeit als Pensionär: Stefan Brändlin, hier im Garten seines Hofs in Altwis. (Bild: Jakob Ineichen, 10. Oktober 2018).

Pensionierung. Seit Jahren beschäftigt sich Altersexperte Stefan Brändlin (62) mit diesem Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt. In wenigen Tagen geht er selber in Pension. «Sich mit einem Thema zu beschäftigen ist das eine, selber Teil davon zu sein, etwas anderes», sagt Brändlin, der mit seiner Frau auf einem Hof etwas oberhalb von Altwis lebt. Ob ihm der Start in die neue Lebensphase als Nicht-Altersexperten leichter fällt, hoffe, aber wisse er nicht.

Hier im Altwiser «Outback», wie Brändlin es nennt, liegt noch Hochnebel, doch die Sonne drückt mehr und mehr durch die Wolkendecke. Bald schon kann er die Sicht aufs Seetal geniessen. Im Wohnzimmer seines Hauses, das von Ziegen umgeben ist, schaut Brändlin zurück auf seine Berufstätigkeit.

Mit 55 Jahren noch einen Doktortitel gemacht

Auf das Gespräch hat er sich genau vorbereitet. «Ich empfinde vor allem Dankbarkeit», sagt Brändlin. «Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass man vier Jahrzehnte in der Arbeitswelt bestehen kann.»

Seit zehn Jahren beschäftigt sich der gelernte Krankenpfleger und Sozialarbeiter, welcher den Doktortitel in Public Health im Alter von 55 Jahren erlangt hat, mit dem Thema Alter. In dieser Zeit hat Brändlin diverse Stationen kennen gelernt: Er gelangte von der Privatwirtschaft (CSS Versicherung) zum Kanton Luzern (Konzeption des Programms «Gesundheit im Alter»), zur Altwiser Exekutive (Sozialvorsteher) und mit Pro Senectute Kanton Luzern schliesslich in den Non-Profit-Bereich.

Pro Senectute hat er während zwei Jahren geführt, ehe er die Leitung des Projekts «Luzerner Modell 65plus» übernahm. In dieses Projekt, welches zu einer Herzensangelegenheit wurde, habe er seine ganze Erfahrung der letzten Jahre reinstecken können, sagt er. Teil des Projekts war die Schaffung von Drehscheiben in verschiedenen Regionen als Anlaufstellen für Altersfragen, aber auch die Weiterführung der Sozialberatung von Personen im AHV-Alter. «Dass uns dies gelungen ist, freut mich besonders. Denn zu Beginn hatte ich keine Erfolgsgarantie.»

Kanton soll aktivere Rolle einnehmen

Nun hofft Brändlin, dass sich die neuen Angebote etablieren und weitere Gemeinden eine Drehscheibe aufbauen. Zeigen werde sich, ob der Appell an den Kanton Luzern angekommen sei. «Ich sähe diesen gerne in einer stärkeren Rolle im Altersbereich.»

Für das Projekt «Luzerner Modell 65plus» hat Brändlin die Geschäftsleitung von Pro Senectute Kanton Luzern abgegeben. «Ich habe dieser Aufgabe keine Sekunde nachgetrauert. Ich beschäftige mich lieber mit Inhalten und bin gerne an der Front tätig», unterstreicht der Altwiser. Besonders wohlgefühlt habe er sich während seiner Berufstätigkeit dort, wo ihm Freiraum für seine «kreative und teils unkonventionelle Art» gegeben worden sei.

Blickt Brändlin auf die Situation der älteren Bevölkerung in der Schweiz, fällt er ein positives Urteil. «Erreicht jemand das Pensionsalter, stehen ihm im Durchschnitt bald zwei Jahrzehnte Lebenszeit zur Verfügung. Dabei nehmen vor allem die guten Jahre zu.» So lohne es sich, nach der Pensionierung in die Weiterbildung zu investieren. Die «neuen Alten» seien keine Last, sondern würden über viele Ressourcen verfügen – etwa was die Steuern anbelangt. Brändlin sieht aber auch Handlungsbedarf – Stichworte technische Innovationen oder zunehmende Anonymität.

Nach 30 Jahren Pause nimmt er Gitarre hervor

Stefan Brändlin freut sich nun auf mehr Freiheit, einen «etwas gemächlicheren Rhythmus» und die Zeit für Reisen. «Dass es bis in die letzte Minute noch so intensiv sein würde, mit so viel Adrenalin in den Adern, hatte ich nicht erwartet.» Nun hat er Lust, seine Kreativität noch mehr auszuleben. Die Gitarre wird nach 30-jähriger Pause wieder zum Einsatz kommen. «Ich habe einen ehemaligen Bandkollegen angefragt, ob wir wieder gemeinsam Musik machen.»

Brändlin liebt Projektarbeit, wie er betont. Da erstaunt es nicht, dass es nebst der Band auch noch ein Buch- und ein Wanderprojekt gibt. Letzteres hat ihn in Etappen bereits zu Fuss von Nizza ins Südtirol geführt. Brändlin will aber auch mehr Zeit mit seiner Frau und den drei Töchtern verbringen. Und obwohl auch noch Projektberatungen und Pensionierungskurse geplant sind, sagt er: «Ich möchte kein aktivistischer Senior werden.» Eine Absage erteilte er der Anfrage, in die Politik zurückzukehren. Während seiner Berufstätigkeit sei es ihm schwer gefallen, Nein zu sagen. Dies habe er sich nun besonders vorgenommen.

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