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Interview

Ehemaliges Adoptivkind aus Rothenburg gibt «Niemandskindern» ein Gesicht

Die in Rothenburg aufgewachsene und in Bern lebende Carmela Odoni (38) präsentiert im Polit-Forum Bern im Käfigturm die Fotoausstellung «Wer bin ich? Adoption im Wandel». Sie ist selber als Adoptivkind in die Schweiz gekommen.
Turi Bucher
Carmela Odoni vor ihren Ausstellungsbildern – sehr bald kommt weiterer eigener Nachwuchs. (Bild: Philipp Schmidli, Bern, 31. August 2018)

Carmela Odoni vor ihren Ausstellungsbildern – sehr bald kommt weiterer eigener Nachwuchs. (Bild: Philipp Schmidli, Bern, 31. August 2018)

Carmela Odoni, Sie sagen, dass eine Adoption für ein Kind Glück oder Pech sein kann. Wie meinen Sie das?

Es gibt Adoptivkinder, die stolz darauf sind, adoptiert geworden zu sein, Adoptivkinder, bei denen es gut gekommen ist. Dann gibt es aber auch die, die nicht glücklich sind, die mit Problemen kämpfen. In meiner Ausstellung porträtiere ich 14 in der Schweiz lebende Adoptierte. Sieben Glückliche und sieben, bei denen es nicht gut verlaufen ist.

Ihre Ausstellung zeigt aber nicht nur diese 14 Porträtbilder …

… nein, neben den Nahaufnahmen der Porträtierten zeige ich immer noch ein Zusatzbild – sei es mit der Adoptivfamilie, den eigenen Kindern oder eines aus dem Umfeld der Person. Dazu gibt es ein Multimediaprojekt mit Ton und Bild. Dieses soll die Persönlichkeit der Adoptierten näher bringen. Ausserdem sind die Lebensgeschichten der 14 Personen im Saal schriftlich aufgelegt.

«Alles, was ich für meine Suche nach meiner leiblichen Mutter hatte, war ein Geburtszettel aus dem Spital in Colombo.»

Sie sind selber als Adoptivkind in Rothenburg aufgewachsen, nachdem Sie als Baby im Alter von nur drei Wochen in die Schweiz kamen. Kennen Sie Ihre leiblichen Eltern?

Ich bin drei Mal nach Sri Lanka gereist. 2004 zweimal, um meine Mutter zu suchen. Danach noch mit meiner Familie, um das Land zu bereisen. Alles, was ich für meine Suche hatte, war ein Geburtszettel aus dem Spital in Colombo. Dort, in der Klinik, erhielt ich aus den Geburtsakten eine Adresse als Anhaltspunkt. An jener Adresse traf dann ich eine Frau an, die angeblich schon 40 Jahre dort lebte und meine Mutter nicht kannte.

Sind Sie Ihrer leiblichen Mutter schliesslich begegnet?

Ich bin nach meiner Heimreise mit dieser Frau in Kontakt geblieben. Plötzlich teilte sie mir per E-Mail mit, sie habe meine Mutter jetzt gefunden. Also bin ich erneut nach Sri Lanka gereist. Die Frau, mit der ich in Kontakt war, blieb aber unauffindbar, war unterdessen verschwunden. Ich musste erfolglos heimreisen.

Wie haben Sie diesen Schicksalsschlag verarbeitet?

Das liegt jetzt 14 Jahre zurück. Ich habe mich damals gefragt, ob meine Mutter mich gar nicht sehen will. Oder ob sie selber nach mir sucht. Unterdessen haben niederländische Journalisten Betrügereien um singhalesische Adoptivkinder aufgedeckt. Die Regierung von Sri Lanka musste zugeben, dass es in den 80er-Jahren sogenannte Baby-Farmen gab, welche mittels gefälschten Geburtsurkunden mehr als 10'000 Kinder an ausländische Eltern zur Adoption freigaben. Teils wurden die Babys von ihren leiblichen Eltern entwendet, beispielsweise unter Vortäuschung ihres Todes nach der Entbindung. In anderen Fällen wurden auch finanzielle Anreize geboten.

Auch der erschütternde Ausdruck «Niemandskinder» steht seit einiger Zeit im Raum.

Sie meinen das Buch von Lisa Brönnimann. Sie wird übrigens an der Finissage meiner Ausstellung am Freitag, 21. September, aus ihrem Buch vorlesen.

Was sagen eigentlich Ihre Adoptiveltern? Wurden Sie bei der Suche von Ihnen unterstützt oder haben Sie vielmehr auf ein Loslassen gedrängt?

Meine Adoptiveltern haben mich auf meiner Suche nie zurückgehalten oder gebremst.

«Via DNA-Bank bin ich auf eine Cousine
4. Grades aus Sri Lanka gestossen.»

Und Sie selber: Haben Sie abgeschlossen mit der Suche und dem Fehlen der leiblichen Eltern?

Die Auseinandersetzung mit meiner Adoption hat mir gutgetan, tut mir auch mit der aktuellen Ausstellung gut. Und ich bin glücklich, dass ich mit meinen Kindern eigene Wurzeln geschaffen habe. Abgeschlossen? Eigentlich ja. Aber: Mittlerweile kann man via DNA-Bank Familienmitglieder ausfindig machen. Ich selber bin so auf eine Cousine 4. Grades aus Sri Lanka gestossen. Diese lebt auch in der Schweiz. Wer weiss, vielleicht lande ich mit meiner DNA-Probe irgendwann noch einen unerwarteten Treffer.

Ein Rückkommen auf die allererste Frage. Waren Sie, sind Sie selber ein glückliches Adoptivkind?

Ja, ich wurde von meinen Adoptiveltern liebend aufgenommen und als Kind geliebt. Für mich sind es nicht meine Adoptiveltern, sondern meine Eltern, und so rede ich auch von Ihnen. Dasselbe gilt für Severine, die zusammen mit mir adoptiert wurde. Severine ist zwei Jahre jünger als ich, lebt mit Ihrer Familie in der Zentralschweiz und ist nicht meine leibliche Schwester. Ich betrachte sie aber als solche.

Sie sind Mutter von achtjährigen Zwillingsbuben, zu denen sich sehr bald noch eine Schwester gesellt. Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder auf deren Lebensweg am meisten?

Dass sie wissen, wer sie sind, und dass sie wissen, wohin sie wollen.

Hinweis: Mehr zur Fotoausstellung erfahren Sie unter: www.polit-forum-bern.ch

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