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Interview

Ei, ei, ei: Geuenseer Züchter hat den schönsten Güggel der Schweiz selber ausgebrütet

Heiri Fallegger (51) aus Geuensee hat seit Dezember den schönsten Güggel der Schweiz. Für den Züchter war der Sieg an der Hähneschau in Frauenfeld wie ein Sechser im Lotto. Dank einer ebenso ansehlichen Zwergente.
Roger Rüegger
Heiri Fallegger mit seinem Hahn, der zum schönsten Güggel der Schweiz gekürt worden ist. (Bild: Dominik Wunderli, Geuensee, 13. Februar 2019)

Heiri Fallegger mit seinem Hahn, der zum schönsten Güggel der Schweiz gekürt worden ist. (Bild: Dominik Wunderli, Geuensee, 13. Februar 2019)

Das Interview hätten wir am frühen Morgen machen sollen, dann hätten wir eine schöne Einleitung gehabt. Wann kräht Ihr Hahn?

Heiri Fallegger: Na, wenn die Sonne aufgeht. Jetzt kommt er um 4.30 Uhr, aber nur, weil im Hühnerstall automatisch das Licht angeht. Doch bald wird es früher hell, dann legt er von alleine los.

Dann erwachen Sie sehr früh?

Nein. Ich höre ihn nicht. Der Hühnerstall ist weit weg von meinem Schlafzimmerfenster.

In der Nähe des Nachbarn?

Wir wohnen ausserhalb des Dorfes. Da beschwert sich niemand.

Wer sich Mühe gibt, hört ihn vielleicht trotzdem.

Es hat wirklich niemand etwas gegen meinen Hahn. Wenn ich in der Nähe eines Quartiers leben würde, wäre das sicher anders.

So ein krähender Güggel ist doch kein Weltuntergang?

Das sagen Sie. Wenn einer anfängt, gibt der andere Antwort. Am Schluss hat sich jeder mal gemeldet. Es ist ein Problem für uns Geflügelzüchter, dass es laut wird, wenn die loslegen.

Welches Problem meinen Sie?

Dass bald keiner mehr Geflügel züchten will oder darf, weil sich Anwohner nerven. Ich glaube, dass viel mehr Leute Freude am Geflügel züchten hätten. Die dürfen aber keine Güggel halten.

Wichtig ist ja, dass Sie einen haben. Und erst noch den schönsten der Schweiz. Was ist an ihm so besonders?

Seine Kammzacken sind gleichmässig und er hat kräftige und breite Armschwingen.

Beim Hahn sind also ähnliche Eigenschaften wie bei Männern entscheidend. Kräftige Oberarme, ein gepflegter Bart und schon kommt man in die Kränze?

Fast. Auch eine gute Postur sollte er haben und gleichmässig gelbe Beine.

Auf gelbe Beine stehen die Hühner?

Nicht die Hühner, aber die Richter bei der Hähneschau. Die geben ja die Punkte.

Und wie kriegt man beim Hahn gelbe Beine hin?

Das gleichmässige Gelb lässt sich mit Karotin im Futter steuern.
Interessant.

Tricks werden also auch angewandt?

Man muss schon wissen welche. Bei weissen Tieren geht das mit dem Karotin nicht. Bei denen wird das Gefieder gelb.

Und wie bekommt ein Hahn kräftige Flügel. Durch Training?

Nein, das ist herangezüchtet.

Haben Sie Ihren Güggel für die Hähneschau speziell behandelt?

Sicher. Den habe ich gekämmt und ihm ein Vollbad mit Hundeshampoo verabreicht.

Das hat ihm gepasst?

Gewehrt hat er sich nicht.

Für mich sieht Ihr Hahn aus wie jeder andere. Aber er scheint ein stolzer Bursche zu sein und Chef auf dem Platz?

Das ist so. Er stolziert über den Hof. Einer ist immer der Boss, die anderen unterwürfig.

Gehen die aufeinander los?

Das kommt vor.

Wie sind Sie auf den Güggel gekommen?

Diesen habe ich als Ei importiert.

Ich meine, wie wurden Sie Geflügelzüchter?

Zufällig. Wir organisierten für eine Ausstellung einen Streichelzoo. Ich züchtete damals Forellen. Für die Ausstellung bestellte ich aber Bibeli – und blieb beim Geflügel. Heute bin ich Präsident des Schweizerischen Leghorn- und Italienerklubs. Aber ich wollte das mit meinem Güggel erzählen. Ich brachte einem Kollegen 40 Bluteier aus Deutschland mit. Er nahm nur zehn. Ich hatte bis dahin keine dieses Farbschlags.

Das heisst: Sie sind Sie auf 30 Eiern sitzen geblieben?

Ja. Und brütete sie dann aus.

So habe ich es nicht gemeint.

Mit einer Brutmaschine natürlich. Bei 37,8 Grad während 21 Tagen. 28 von 30 sind geschlüpft. Die Hälfte waren Güggel.

Woran erkennt man das?

Bei diesem Farbenschlag haben die männlichen Tiere einen weissen Punkt auf dem Kopf.

Der schönste Güggel der Schweiz. (Bild: Dominik Wunderli, Geuensee, 13. Februar 2019)

Der schönste Güggel der Schweiz. (Bild: Dominik Wunderli, Geuensee, 13. Februar 2019)

Sie haben nicht mehr so viele. Wo sind die anderen?

Ich sortierte aus und behielt die schönen. Vier Hennen und zwei Hähne blieben hier.

Zurück zum Wettbewerb. Gehen Sie oft an Shows?

Ins solothurnischen Deitingen gehen wir vom Kleintierzüchterverein Sursee seit neun Jahren, weil ein befreundeter Klub die Show organisiert. Wir haben es lustig und sind jeweils die Letzten beim Einliefern. Ich war dort übrigens mit Zwergenten am Start.

Wann war das?

Am selben Wochenende wie die Hähneschau in Frauenfeld.
Anfang Dezember.

An beiden Shows konnten Sie nicht sein. Wie gingen Sie vor?

In Frauenfeld musste ich am Donnerstag einliefern. Dort schaute ein Kollege auf meine Tiere. Am Samstag forderte mich dann der OK-Präsident am Telefon auf, in die Ostschweiz zu kommen. Da hatte ich angenommen, dass ich gewonnen hatte. Also musste ich rausfahren und den Siegerpreis abholen.

Sie sagen, der Sieg sei wie ein Sechser im Lotto. Damit meinten Sie wohl nicht das Preisgeld?

Nein, es gab ein geschnitztes Huhn aus Holz. Danach fuhr ich wieder in den Kanton Solothurn.

Wollten Sie Ihren Sieg in Frauenfeld nicht feiern?

Wir feierten in Deitingen. Dort siegte ich mit den Zwergenten.

Zwei Siege an einem Tag? Da lacht das Herz!

Ja saumässig.

Was gab’s in Deitingen?

Ein Schinkli.

Und was hat der Güggel als Belohnung bekommen?

Ich hab ihn etwas gestreichelt.

Wie heisst er überhaupt?

Tieren gebe ich keine Namen.

Das tun Kaninchenzüchter auch nicht. Man weiss warum. Was sind Sie von Beruf?

Metzger.

Das tut mir jetzt leid.

Keine Angst. Ich esse meinen Champion nicht. Ich produziere Schönheit und nicht Fleisch.

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