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EICH: Die Kirschenernte ist in vollem Gang

Auf dem Hof Holz werden täglich 300 Kilo Kirschen gepflückt. Die Familie Näf erwartet nach dem letztjährigen Spitzenjahr diesmal ebenfalls «eine gute Ernte».
Ernesto Piazza
Jonas Zemp sortiert auf dem Hof von Moritz Näf in Eich Tafelkirschen. (Bild Corinne Glanzmann)

Jonas Zemp sortiert auf dem Hof von Moritz Näf in Eich Tafelkirschen. (Bild Corinne Glanzmann)

Ernesto Piazza

Auf dem Hof Holz, an der Verbindungsstrasse zwischen Eichberg und Schenkon gelegen, herrscht Hochbetrieb. Während ein junger Erntehelfer die Früchte sortiert und die wenigen ungeniessbaren Kirschen sofort entsorgt, sind Moritz und Monika Näf mit dem Wägen und Abpacken beschäftigt. Die Handgriffe sind fix zugeteilt. Entsprechend wenig wird unter dem vierbeinigen Faltzelt gesprochen.

Später im Haus – und begleitet vom feinen Duft von Gebäck – sagt der Hausherr: «Es ist Freitag. Das heisst: Für den samstäglichen Wochenmarkt in Sursee und für die Landi in Oberkirch müssen auch noch diverse Kuchen bereitgestellt werden. Wir sind momentan von frühmorgens bis spätabends unterwegs.» Während der rund neunwöchigen Zeit – deren vier sind bereits vorbei – gilt es, zirka einen Drittel der gesamten Hofernte einzufahren. Ab kommender Woche beschäftigt Näf zehn bis zwölf zusätzliche, vorwiegend jugendliche Personen. «Zudem helfen auch die Kinder mit. Sie haben dann Schulferien», sagt er.

Bewässerung mit eigener Quelle

Rund 300 Kilo Kirschen werden auf dem Hof Holz täglich gepflückt. 10 Tonnen jährlich kommen so im Schnitt zusammen. Moritz Näf rechnet für das Jahr 2015 mit einer «guten Ernte», wie er sagt. Sie sei allerdings nicht zu vergleichen mit dem letztjährigen Spitzenwert. Da resultierten auf dem Hof Holz rund 17 Tonnen.

Neben den 45 Hochstämmern gehören die rund 500 Bäume der 45 Aren umfassenden, gedeckten Niederstammkultur zum Kirschengeschäft. Diese Anlage betreibt Näf auf seinem insgesamt 13,5 Hektaren umfassenden Hof mittlerweile seit neun Jahren. «Es war eine Investition von 150 000 Franken pro Hektare.»

Näf ist überzeugt, dass bei den jetzigen Witterungsverhältnissen die Früchte ein süsses Aroma aufweisen werden. «Der Frühling hätte allerdings trockener sein können», sagt er. Während momentan noch die Resternte der Sorte Techlovan ansteht, beginnt schon bald das Pflücken der grossfruchtigen Kordia und Regina.

Die aktuelle Hitze stellt für ihn kein Problem dar. Die Anlage kann Näf mit einer sogenannten Tropfbewässerung aus eigener Quelle bewässern. Damit bekommen die Bäume mindestens jeden zweiten Tag Wasser. Sie liegen auch etwas erhöht – auf sogenannten Dämmen. Das sei für die Bäume besser, so Näf. Zudem schützt er seine Früchte mit einem Hagelnetz und durch Folien.

50 Prozent seiner Kirschen liefert er zum jeweils aktuell festgelegten Börsenpreis an die Fenaco. Der Rest ist für den Direktverkauf bestimmt. Diesen Preis kann er selbst festlegen und variiert je nach Grösse. Auf dem Hof Näf gibt es sie für 7.50 Franken pro Kilo. Die Bandbreite dürfte sich aber bis gegen 10 Franken bewegen. Einem Preisdruck sieht sich Näf nicht ausgesetzt, «viel eher ist es ein Qualitätsdruck», betont er. Oft sehe man günstigeren Kirschen an, dass sie preislich nicht mehr wert seien.

Mit der Kirschessigfliege hatte Näf «nur zu Erntebeginn etwas Probleme». Das frische Einnetzen der Anlage spielte ihm sicherlich in die Karten. «Und heute gibt es sogar biologische Spritzmittel, die ich auch verwende», sagt er.

Kleinere Ernte als im Vorjahr

«Jetzt kommt die starke Zeit», sagt Markus Hunkeler, Sachbearbeiter für Spezialkulturen und Pflanzenschutz beim BBZ in Hohenrain, mit Blick auf die Kirschenernte. In den nächsten zwei bis drei Wochen werden die grössten Mengen der Tafelfrucht gepflückt. Zwar erwartet er im Vergleich zum Vorjahr eine etwas tiefere Menge, «aber die vergangene Periode beinhaltete auch eine sehr gute Ernte». 2014 betrug die Menge an Tafelkirschen in den Kantonen Luzern, Schwyz und Zug insgesamt rund 407 Tonnen. Die Schätzung von 440 Tonnen für 2015 dürfte aber so oder so nicht erreicht werden. Während man in den besagten Zentralschweizer Kantonen eine grössere Menge prognostizierte, operierten starke Kirschenregionen wie die Nordwestschweiz oder die Kantone Thurgau und St. Gallen von vorneherein mit einer tieferen Schätzung. Schweizweit gesehen werden 2015 rund 3000 Tonnen Tafelkirschen erwartet. Dazu kommen noch zirka 900 Tonnen Industrie- und 3000 bis 3500 Tonnen Brennkirschen.

Kirschessigfliege: «Nicht dramatisch»

Ganz entscheidend für die Ernte sei die Entwicklung der Wetterverhältnisse in den kommenden Tagen, betont Hunkeler. Hervorgerufen durch die momentane Hitzewelle zeige sich aktuell eine rückläufige Tendenz bei der Fruchtgrösse von 28 Millimetern hin zu 24 Millimetern. Zudem könnten die hohen Temperaturen sogar bis zu einer Notreife führen. Deshalb gilt speziell für die Kulturen: Es muss genügend Wasser zugeführt werden, und ebenfalls ist der Insektenschutz mittels Netzen empfehlenswert.

Vor allem die Kirschessigfliege macht den Landwirten zu schaffen. Hunkeler beurteilt die Situation zwar als «nicht dramatisch». Dennoch gebe es momentan diverse Meldungen bei Konserven- und Brennkirschen. Er spricht allgemein von einem Befall von 0 bis 7 Prozent, punktuell allerdings bis zu 50 Prozent. «Dieser beschränkt sich allerdings praktisch nur auf die Hochstämmer. Die Niederstämmer scheinen für die KEF weniger attraktiv zu sein», vermutet Hunkeler. Ein Grund dafür liegt wohl auch darin, dass ein grosser Teil dieser Kulturen entsprechend geschützt ist.

Die grosse Hitze dämmt das Wirken der Kirschessigfliege ebenfalls ein. «Temperaturen über 30 Grad sollen die Eierablage stoppen und die Männchen steril machen», sagt Hunkeler. Momentan laufen dahingehend verschiedene Versuche. Bei der Bekämpfung der Kirschessigfliege sei vor allem wichtig, dass man die Kirschen immer sofort und komplett ernte und diese nicht am Boden liegen lasse. Zudem sei eine fachgerechte Entsorgung der befallenen Früchte sehr entscheiden, will heissen: kein Kompostieren, sondern einer Verbrennungsanlage zuführen. Eine weitere Möglichkeit ist, sie in einem Fass luftdicht zu verschliessen. «Dadurch kann man die Kirschessigfliege ebenfalls eliminieren.»

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