EICH: Die Nummer 1 bei der Drogensuche

Ein unschlagbares Duo: Thomas Amrein und Hündin Oraya sicherten sich an der Schweizer Meisterschaft der Diensthundeführer Rang eins.

Stephan Santschi
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Thomas Amrein wurde mit seiner Hündin Oraya Schweizermeister. (Bild Nadia Schärli)

Thomas Amrein wurde mit seiner Hündin Oraya Schweizermeister. (Bild Nadia Schärli)

Thomas Amrein sitzt an seinem Bürotisch, darunter hat sich Oraya in ihrem Körbchen eingenistet und ruht sich aus. Der 45-jährige Amrein aus Eich ist Hundeführer bei der Luzerner Polizei. Die 7-jährige Labradorhündin ist sein Spürhund. Gemeinsam sind sie ein unschlagbares Team. Bei der zweiten Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften für Militär- und Diensthundeführer haben sie zum zweiten Mal gewonnen. Erstmals 2011. Und nun am letzten Wochenende im aargauischen Bettwil. «Ich bin stolz auf meine Hündin. Sie hat einen sehr guten Wettkampf absolviert. Zwei Drittel des Erfolgs gebührt ihr», resümiert Amrein.

Drei Disziplinen, sechs Verstecke

Wachtmeister Amrein und Oraya massen sich in der Kategorie Betäubungsmittel mit der Konkurrenz. Hierbei galt es, in drei Disziplinen jeweils an zwei Verstecken Drogenpakete aufzuspüren. Und das sah wie folgt aus:

 

  • Innenraum möbliert.«Such Gift.» So schickte Amrein seine Hündin auf die Suche. Die erste Droge spürte sie in einer militärischen Unterkunft alleine auf. Das zweite Versteck erschnüffelte sie unter der Führung von Amrein in einer WC-Anlage. Mit 99 von 100 möglichen Punkten erzielten sie ein Topergebnis. «Den Abzug gab es für den kurzen Blick, den mir Oraya zuwarf, nachdem sie das Versteck gefunden hatte. Sie muss den Blick fixiert halten.» Zeit für die Suche: 20 Minuten.
  • Fahrzeuge. Drei Polizeifahrzeuge galt es hier zu durchsuchen. Ergebnis: 92 Punkte. «Der Richter zog uns zu viele Punkte ab, Oraya hat meiner Meinung nach sehr gut gearbeitet. Doch es wird nicht diskutiert, Entscheide werden akzeptiert», erläutert Amrein den Unterschied zu den Gepflogenheiten in so mancher Sportart. Zeit für die Suche: 20 Minuten.
  • Identifikationsstrasse. Zwanzig Gegenstände wie Rucksäcke, Kisten, Lampen oder Telefone müssen abgesucht werden. Irgendwo befinden sich die beiden Drogenverstecke. Mit 94 Punkten gelingt Amrein/Oraya ein weiteres Topresultat. Zeit für die Suche: 10 Minuten.

 

Am Ende entschied das Duo den Wettkampf mit einem Gesamtskore von 285 Punkten für sich – fünf Zähler vor einer Konkurrentin vom Grenzwachkorps. «Mit unserem Auftritt bin ich insgesamt sehr zufrieden. Man darf nicht vergessen: 20 Minuten Sucharbeit mit der Nase ist für einen Hund anstrengender als eine Stunde Joggen», erklärt Amrein. Während der Mensch sechs bis sieben Millionen Riechzellen besässe, habe ein Hund 220 bis 250 Millionen. Oraya kann dabei auf zwei unterschiedliche Weisen Bescheid geben, wenn sie etwas entdeckt hat: «Aktiv mit bellen oder scharren. Und passiv mit hinlegen, sitzen oder raufstehen.»

Duo im Alltag und in der Freizeit

Ablenkung wird negativ bewertet, ebenso wie zögerliches Verhalten oder zu wenig intensive Suche. Ist Oraya fündig geworden, zückt Amrein einen Tennisball und wirft ihn auf die Stelle, die von ihr angestarrt wird. Das bedeutet so viel wie: Gut gemacht, Suche beendet, Zeit zum Spielen. Sollte sie falsch liegen, gibt es zehn Punkte Abzug. Liegt sie nochmals falsch, sind 20 Punkte weg. Beim dritten Mal kommt es zum Abbruch. Oraya irrte sich nicht einmal, fand alles beim ersten Anlauf. Herrchen genoss den Erfolg daraufhin bei einer Flasche Wein, während der treue Vierbeiner eine Wurst verzehrte.

Amrein und Oraya sind nicht nur im Wettkampf ein Team. «Sie ist auch meine Familienhündin. Ich habe sie 24 Stunden pro Tag um mich.» Als Welpe habe er sie bekommen, seit sie zweijährig sei, unterstütze sie ihn im Alltag bei der Drogensuche. Oraya ist einer von zwei Betäubungsmittel-Spürhunden der Luzerner Polizei. «Vier bis sechs Mal pro Monat stehen wir im Einsatz. Wir sind stets auf Abruf – in der Freizeit, in der Nacht und an Wochenenden», so Amrein. Trotzdem ist es für ihn nur eine Nebenbeschäftigung. Sonst arbeitet er bei der Kriminalpolizei im Fachbereich Waffen und Sprengstoffe.

Nun geht es aber in die wohlverdienten Ferien: Thomas Amrein mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in die Südtürkei, Oraya zu Bekannten. «Ich könnte sie nie ins Tierheim geben. Das wäre psychisch nicht gut für sie. Oraya soll sich wohlfühlen.» Klingt wie das Erfolgsrezept eines unschlagbaren Duos.