Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EICH: Ein Fehler – und der Wettkampf ist vorbei

«Alles ist offen», sagt Corinne Roelli vor ihrer ersten Agility-WM. Trotz perfekter Vorbereitung mit ihrer belgischen Schäferhündin Sunny hat die 46-jährige Luzernerin grossen Respekt vor Ablenkungen.
Stephan Santschi
Corinne Roelli aus Eich mit ihrer fünfjährigen Malinoishündin Sunny. (Bild: PD/Olivia Matter)

Corinne Roelli aus Eich mit ihrer fünfjährigen Malinoishündin Sunny. (Bild: PD/Olivia Matter)

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Letztes Jahr war ich mental noch nicht so weit, nun aber sind wir beide parat. Ich freue mich sehr.» Corinne Roelli kann die Agility-Weltmeisterschaft der Belgischen Schäferhunde kaum erwarten. Morgen geht sie los, 22 Nationen werden vertreten sein, rund 120 Konkurrenten stehen in Halle (Sachsen-Anhalt) am Start. Wenn die 46-jährige Eicherin «wir» sagt, dann meint sie ihre 5-jährige Malinoishündin Sunny und sich. Sie bilden ein Team, wenn es darum geht, dass der Vierbeiner einen Parcours so schnell wie möglich und fehlerlos überwindet. Während sie neben dem Hund sprintet und Anweisungen gibt, bewältigt Sunny die 21 bis 23 Hindernisse. Überraschungen gebe es grundsätzlich keine, «allerdings ist kein Parcours wie der andere», so Roelli.

Sie wird in diesem Jahr erstmals einen internationalen Wettkampf bestreiten. Im Rahmen der nationalen WM-Qualifikation belegten sie den starken zweiten Rang, insgesamt acht Schweizer Teams werden in Deutschland dabei sein. Das Agility-Fieber, wie sie es nennt, habe sie gepackt, als sie sich mit Sunny einen schnelleren Hund zugelegt habe. «Mit ihr muss auch ich läuferisch schnell sein, um das Hindernis jeweils rechtzeitig zu erreichen und ihr die richtigen Anweisungen zu geben.» Gelingt das nicht, macht ihre Hündin möglicherweise einen Fehler, setzt den Sprung etwa von der falschen Seite an. «Dann wäre der Wettkampf für uns vorbei.» Nuller sind das Ziel, makellose Auftritte also, um sich die Chance auf den Final vom Sonntag wahren zu können.

«Freude des Hundes vor Training ist ansteckend»

Die Liebe zu Tieren gehört seit der Kindheit zu Corinne Roelli. «Wir hatten damals einen Pudel, später hatte ich einen eigenen Hund, auch um die Pausen während der Arbeit für Spaziergänge zu nutzen.» Als Aussendienstmitarbeiterin einer Tessiner Pharmafirma hatte sie zwischen Terminen bei Ärzten oft warten müssen. Heute arbeitet sie als Medizinische Praxisassistentin in Sursee, selbstständig als Sport-Mentalcoach, und sie gibt Plausch­agility-Unterricht. Neben Sunny besitzt sie auch die achtjährige Labradorhündin Gioia. «Meine Hunde sind treue, liebe Begleiter, zu denen ich eine tiefe Bindung habe.» Auch ihre beiden Söhne im Teenageralter seien sehr tierlieb, «selbst mein Mann, ursprünglich mit Angst vor Hunden, hat nun Freude an ihnen. Dass er mal einen Polizeihund besitzen würde, hätte er nie gedacht», erzählt sie und lacht.

Die Faszination des Agility sei die Zusammenarbeit mit dem Hund, «es macht Spass, gemeinsam Wettkämpfe zu bestreiten. Es geht nicht nur um den Sport, es ist für beide auch Kopfarbeit.» Es gebe Hunde, die kämen derart in Fahrt, dass sie während des Parcours bellen würden. «Sunny tut das nicht, die Freude vor einem Training ist ihr aber anzusehen, das ist richtig ansteckend.» Seit vier Jahren trainieren sie nun zusammen, neben dem Kraftaufbau mit Velofahren oder Schwimmen arbeiten sie wöchentlich zweimal mit der Trainerin am Zusammenspiel auf dem Parcours, hie und da komme noch ein Intensivtraining dazu. «Ich achte aber darauf, Sunny nicht überzutrainieren. Ich möchte ihr ja nicht schaden.» Eine gesunde Ernährung, Physiotherapie und Erholung seien ebenfalls wichtig, wie im Spitzensport sozusagen. Den grössten Erfolg feierten sie im Jahr 2014 mit Rang drei an den Schweizer Meisterschaften. Und nun, als vorläufiger Höhepunkt, steht also die Premiere an einer WM bevor.

Corinne Roelli liebäugelt mit einer Spitzenplatzierung

Los geht es am Freitag mit den ersten beiden Einsätzen. Am Vormittag steht ein «Jumping» auf dem Programm, ausschliesslich bestückt mit Hindernissen, die nicht berührt werden müssen – Sprünge, Slalom oder das Durchqueren eines Tunnels beispielsweise. Am Nachmittag kommt es zum Open, dort rennen die Hunde über Sprünge, durch Tunnels, auf einem schmalen Steg, einer Wippe und entlang einer steilen Rampe – die sogenannte A-Wand. «Einfach drüberspringen geht dann nicht mehr, dann muss mindestens ein Fuss des Hundes die Kontaktzone berühren.»

Nach maximal 45 Sekunden ist ein Einsatz bereits vorbei. Am Samstag werden die beiden Disziplinen nochmals ausgetragen, ehe am Sonntag die Finals mit 62 Teilnehmern stattfinden. Dafür qualifizieren sich die Top 10 jedes Wettkampfs (total 40) sowie der jeweils beste Nichtqualifizierte aller 22 Nationen. Corinne Roelli möchte im Final dabei sein. «Wenn wir das schaffen, liegt der Fokus auf einer Klassierung unter den ersten drei. Alles ist offen», sagt sie. Allerdings weiss sie auch, dass die Herausforderung gross sein wird. «Der Rummel, die Zuschauer, die anderen WM-Disziplinen neben unserem Wettkampfplatz – das alles kann für Ablenkung sorgen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.