Eiche in Stadtluzerner Wesemlin-Quartier muss Neubau weichen

Die katholische Kirche investiert über 21 Millionen Franken in den neuen «Wäsmeli-Träff». Der Spatenstich geht nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne.

Sandra Monika Ziegler
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Das neue Quartierzentrum Wesemlin. (Visualisierung: PD)

Das neue Quartierzentrum Wesemlin. (Visualisierung: PD)

Im Luzerner Wesemlin-Quartier wird ein neues Zentrum mit Kleinwohnungen, Läden, Quartierräumen und einem Dienstleistungsangebot gebaut. Am Montag um exakt 9.09 Uhr erfolgt der Spatenstich.

Bauherrin ist die katholische Kirchgemeinde Luzern. Sie will für den Neubau über 21 Millionen Franken investieren. Das sei ein Beitrag an ein lebendiges Quartier. Das neue Zentrum soll die neue Quartiermitte werden. Und genau diese Mitte scheidet die Geister – denn dort, wo der Abendweg in die Landschaustrasse mündet, steht eine mächtige Eiche, die für den Neubau weichen muss.

Eiche braucht zuviel Platz

Die Bauherrin wollte die Eiche schützen, wird auf Nachfrage gesagt. Sie habe dies deshalb mehrmals intern in der Baukommission besprochen, doch es sei mit dem Projekt nicht vereinbar gewesen. «Der dazu nötige Radius, den es braucht, um den mächtigen Baum zu erhalten, konnte nicht eingehalten werden», erklärt Peter Bischof, Geschäftsführer der katholischen Kirchgemeinde Luzern.

Das sorgt bei Quartierbewohnern für Kopfschütteln und Enttäuschung. Denn bei der Eiche handelt es sich nicht um irgend einen Baum, sondern um eine Jubiläumseiche, wie von Quartierbewohnern vor Ort erklärt wird. Dieser Baum sei 1978 von der Stadtgärtnerei zur 800- Jahr-Feier der Stadt Luzern dem Wesemlin-Quartier geschenkt und von der damaligen Jugend gepflanzt worden. Darum gibt es Widerstand gegen das Projekt. Seit geraumer Zeit wurde mit Flyern und Plakaten auf die bevorstehende Fällung aufmerksam gemacht. Eine Leserin schreibt: «Die meisten Menschen hier im Quartier gehen fest von der Meinung aus, dass unsere Eiche ihren Platz behalten kann.»

«Zu spät, um Baum noch zu retten»

Selbst die im Quartier ansässigen Geschäftsbetreiber, die künftig im Neubau ihren Laden eröffnen, seien erst nach den Quartierbewohnern proaktiv darauf aufmerksam geworden, als sie letzte Woche von der Bauherrschaft mit einem Brief informiert wurden. Die Aktivisten sind sich einig: «Wir sind zu spät, um den Baum noch retten». Doch sie kritisieren die Kommunikation.

Die katholische Kirchgemeinde mag nicht von einem Kommunikationsfehler sprechen und weist darauf hin, dass bei den Infoveranstaltungen darauf hingewiesen wurde – wenn auch nur am Rande.

Einen kleinen Trost hat die Bauherrin dennoch auf Lager. Für die Eiche gibt es eine adäquate Lösung, wie Bischof verspricht: «Wir nehmen den grösstmöglichen Baum als Ersatz.» Und das Holz der gefällten Eiche werde nicht etwa entsorgt, sondern kunstvoll verarbeitet. Bischof: «Es soll eine sinnvolle Gestaltung geben, die im Quartier bleibt. Das könnte eine Bank, ein Kletterbaum oder eine Skulptur sein.»

Hinweis: Der Spatenstich findet am 9.09.2019 um 9.09 beim alten Wäsmeli-Träff statt.