Eigenes Kleiderlabel, Mutter und Hausfrau: Macherin zu sein, liegt ihr im Blut

Julia Kreienbühl hat vor sieben Jahren ihr Kleiderlabel gegründet. Deshalb ist ihr Porträt im neuen Buch «Junge Macherinnen», das soeben erschienen ist.

Natalie Ehrenzweig
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Julia Kreienbühl führt ein eigenes Label für Kinderkleider aus Bio-Baumwolle. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 1. Oktober 2019)

Julia Kreienbühl führt ein eigenes Label für Kinderkleider aus Bio-Baumwolle. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 1. Oktober 2019)

«Meine Mutter hat immer genäht, meine Grossmutter hat gestrickt und genäht, aber mich hat immer das Haptische mehr interessiert, die Muster, das Design», erinnert sich Julia Kreienbühl. Deshalb hat die Neudorferin in Basel Textildesign studiert. «In Luzern gab es eine Warteliste, in Basel konnte ich sofort starten», erklärt sie ihre Schulwahl.

Während und nach ihrem Studium hat die heute 31-Jährige verschiedene Praktika absolviert. «Aber mir war schnell klar, dass ich keine Lust habe auf Ellbögeln. Es gibt nur wenige interessante Stellen in diesem Bereich. Darum wusste ich rasch, dass ich mich selbständig machen will», erinnert sie sich. Für Julia Kreienbühl war das damals nicht etwas Ungewöhnliches, denn sowohl ihre Mutter, ihr Vater und ihr Bruder sind selbständig: «Das war für mich etwas sehr Natürliches.»

Unifarbene Kleider im Fokus

2012 gründete sie das Kinderkleiderlabel «little indi». Dabei war und ist ihr Nachhaltigkeit – ökologische und soziale – sehr wichtig. «Am Anfang war es schwierig, meine Anlaufstellen zu finden: Wo finde ich Manufakturen, die so produzieren, wie ich will? Wo finde ich die richtigen Partner? Das haben wir im Studium leider nicht gelernt», bedauert Julia Kreienbühl, die heute in Sursee lebt. Während sie an ihren ersten Entwürfen arbeitete, verdiente sie ihre Brötchen mit einem 50-Prozent-Pensum als Jugendarbeiterin. Im Label hat sie damals alles selbst gemacht, auch genäht.

Auf Kinderkleider kam die Macherin, weil ihr Muster gefielen und sie fand, die passten besser zu Kinderkleider. Die aktuelle Kollektion besteht aber aus warmen Unifarben? «Ich bin schnell von den Mustern weggekommen. Denn unifarbene Kleider sind nachhaltiger, weil sie zeitloser sind und eher weitergegeben werden. Deshalb verzichte ich auch auf Mädchen- und Jungen-Farben», betont sie. Sie verwende nur Bio-Baumwolle, die Näher in Indien würden fair bezahlt.

«‹Little indi› heisst nicht so, weil die Kleider in Indien produziert werden. Sondern weil ich mir als Kind, für das ich die Kleider machen will, ein wildes, unabhängiges Kind vorgestellt habe – independent», erzählt sie lachend. Damals hatte sie noch keine eigenen Kinder, inzwischen sind Vida (5) und Rumi (1,5) da.

«Macherinnen sind Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, auf ihr Bauchgefühl hören und das machen, was für sie richtig ist. Mir gefiel, dass im Buch die Frauen im Zentrum sind. Die Frauenbewegung hat neuen Schwung bekommen.»

Dass sie ihr Label führen kann, einer Teilzeitstelle nachgehen und eine Familie haben kann, sei ihren Partner geschuldet. «Wir haben von Anfang an immer darüber geredet, wie wir uns organisieren wollen, haben uns aktiv für unsere Art von Leben entschieden. Das scheint mir aber total natürlich. Wir reden darüber, wer was braucht. Und ohne unsere Eltern wäre unser Leben so auch nicht möglich», betont sie. Hilfe annehmen zu können sei sehr wichtig.

Neue Kollektion im Oktober

Leichter machen würde ihr Leben, wenn es Strukturen gäbe, die die Familie unterstützen würde: «Nur schon ein richtiger Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit wäre sehr hilfreich gewesen. Auch unsere Gesellschaft wäre gesünder, wenn wir das hätten», findet sie. Das Fehlen dieser Strukturen führt dazu, dass sie selten 100 Prozent für «little indi» arbeiten kann und dass sie es jeweils eine Herausforderung fand, nach der Schwangerschaft wieder einen kreativen Rhythmus zu finden.

Trotzdem kommt diesen Oktober die neue Kollektion heraus. «Ich habe nie viel Marketing gemacht. Doch nach einem Artikel über mich in ‹Wir Eltern› hat sich der Online-Shop immer weiterentwickelt», freut sie sich. Für die Zukunft möchte sie, dass «little indi» noch etwas wächst und dass sie wieder mehr Zeit in ihr Label investieren kann.

www.littleindi.ch

Buch porträtiert zwölf Frauen

(nez) Rachele De Caro hat zusammen mit ihrem Bruder Paolo die Édition De Caro gegründet und soeben das Buch «Junge Macherinnen» herausgegeben. In zwölf Porträts stellen sie junge Frauen zwischen 24 und knapp 40 vor. «Eine Macherin ist jemand, die Visionen hat und den Mut, diese in die Tat umzusetzen. Macherinnen sagen oft ja statt nein und packen Chancen, wenn sie sich ihnen bieten», beschreibt die Autorin die Frauen.

Selbst fehlten ihr diese Art Vorbilder an Frauen, deshalb will sie diese Macherinnen sichtbar machen, um anderen Vorbilder und Inspiration zu bieten. «In den vier Jahren, in denen wir am Buch gearbeitet haben, ist viel in Bewegung geraten. Das fand den bisherigen Höhepunkt im Frauenstreiktag. Das wird die Frauenstimmquote an der Urne bei den Parlamentswahlen diesen Herbst erhöhen», ist sie überzeugt. Auf die Frauen ist Rachele De Caro auf unterschiedliche Weise gestossen – die einen hat sie per Zufall kennengelernt, andere hat sie recherchiert. «Das Buch ist organisch gewachsen, alle angefragten Frauen haben begeistert zugesagt», freut sie sich.

«Junge Macherinnen», 49 Fr., www.edition-decaro.ch/jungemacherinnen/