Eidgenössisches Schützenfest
«Ich finde es cool, dass wir solch einen Tag machen!»: So läuft das Vereinsschiessen der Schützengesellschaft Perlen

Das Vereinsschiessen der Schützengesellschaft Perlen am Freitag ist eines der vielen Wettbewerbe des Eidgenössischen Schützenfest 2020 in Heimdurchführung.

Jule Seifert
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Schon von einiger Entfernung hört man die Schüsse. Vor dem Bistro stehen einige Schützen. Am Freitag hatten die Vereinsmitglieder der SG Perlen zum dritten Mal die Möglichkeit, um die begehrten Kränze des Eidgenössischen Schützenfestes 2020 zu schiessen. Doch Adrian Stadelmann aus Buchrain ist nicht mit allen Stichen zufrieden, der letzte lief nicht nach Wunsch: «Mental läuft es gerade nicht, ich mache jetzt eine Pause, nachher geht es weiter», sagt der 28-Jährige. Bei Ivo Steinmann lief es besser: «Ich bin zufrieden. Ich habe beim Vereinsstich 96 Punkte erreicht. Mein Ziel ist es den fünffachen Kranz zu holen!»

Das Vereinsschiessen vom Freitag der SG Perlen fand bei besten Wetterverhältnissen statt.

Das Vereinsschiessen vom Freitag der SG Perlen fand bei besten Wetterverhältnissen statt.

Bilder: Pius Amrein (Buchrain, 25. Juni 2021)

Auf acht der zehn Plätze (im Schiessjargon Läger) der Schiessanlage liegen Schützinnen und Schützen. Das Wetter sei ideal, meint Präsident Adi Stettler, kein Hitzeflimmern und der Pollenstaub in der Luft wird vom Regen weggewaschen. Geschossen wird auf 300 Meter. Auf Läger 2 gibt es Tipps. Die Schüsse waren zu weit links, die Waffe ist nicht richtig eingestellt. Doch auch nach der Justierung ist Kurt Limacher nicht zufrieden. Während er die bunte Schiessjacke auszieht, die beim Schiessen Stabilität gibt, sagt er:

«Nein, es lief gar nicht. Es kann nicht nur an mir liegen: Im Kleinkaliber hat es funktioniert.»

Bei der SG Perlen hilft Jeder Jedem

Auf Läger 6 wird der «Luzern» Stich geschossen. Der Schütze klärt noch mal ab, wie viele Schüsse in diesem Programm geschossen werden. Es riecht nach Schiesspulver. Auf dem Warnerpult kleben Helfer die Ergebnisse ins Schiessbüchlein. Beim ESF schiesst jede Schützin und jeder Schütze mindestens den Vereinsstich. Bei diesem Stich werden sechs Schüsse direkt, die restlichen vier werden erst am Ende angezeigt. Aufgrund dieser Resultate messen sich schweizweit die Vereine untereinander. Daneben stehen in der Disziplin «Gewehr 300 m» insgesamt je nach Alterskategorie bis zu 15 zusätzliche Stiche zur Verfügung, welche gelöst und geschossen werden können.

Beim Vereinsschiessen in Perlen treten insgesamt 44 Vereinsmitglieder an.
7 Bilder
Die Scheiben sind 300 Meter entfernt.
Der Schütze lädt...
... und visiert sein Ziel.
Die Schützen auf dem Läger.
Die Ergebnisse der elektronischen Schiessanlange werden ausgedruckt.
Die Sportgeräte der SG Perlen.

Beim Vereinsschiessen in Perlen treten insgesamt 44 Vereinsmitglieder an.

Bild: Pius Amrein (Buchrain, 25. Juni 2021)

Bei Schützenmeister Christoph Arnold wird Munition geholt. Seine 220 Schuss will er am Nachmittag schiessen. Bisher kam er noch nicht dazu: Den ganzen Vormittag schaut er, dass der Schiessbetrieb läuft und die Sicherheit im Schiessstand gewährleistet ist. Die Waffen müssen sauber entladen und gesichert sein, damit keine Unfälle passieren.

Die Schützinnen und Schützen sind trotz Heimdurchführung glücklich

Auf Läger 7 sieht man die Mündungsfeuer am Gewehr. Der Tragriemen wackelt. Trotz des lauten Wummerns hört man Gratulationswünsche. Die Stimmung ist gut, es wird gelacht und gescherzt. «Obwohl das ESF nicht so stattfinden kann, wie es ursprünglich geplant war, haben wir uns alle auf diesen Tag gefreut», meint Stadelmann. Steinmann fügt hinzu: «Beim ESF im Wallis war die Feststimmung genial. Die Atmosphäre in diesem Jahr ist anders.» Der 26-Jährige schiesst seit elf Jahren. Er suchte damals nach einem Sport, der die Konzentration fördert und wurde fündig beim Schiessen. Der 81-jährige Ehrenpräsident Hans Stettler meint zur Heimdurchführung:

«Wir sind glücklich, dass wir es durchführen können, die Stimmung ist natürlich nicht wie bei einem grossen Fest, trotzdem ist sie sehr gut und sie wird noch besser.»

Für Isabella Weber hat die dezentrale Durchführung durchaus Vorteile. Die 23-jährige Studentin befindet sich mitten in der Prüfungsphase. Sie kann beim ESF teilnehmen und trotzdem nebenbei noch lernen. «Ich find es cool, dass wir solch einen Tag machen, an dem wir alle vom Verein herkommen und schiessen», sagt sie. Schade findet sie es trotzdem, dass nicht gefestet wird. Ihre Noten werden ihr es wahrscheinlich danken. Auch sie hatte bei ihrem ersten Stich des Tages Probleme. «Die Sonne kam raus, die Scheiben waren etwas verschwommen für mich», erzählt sie. «Mal schauen, wie es heute noch läuft, in drei Stichen will ich schon je einen Kranz.»

Während Vize-Präsident Christian Thalmann beim letzten Durchgang seiner 6x10 Schüsse für den Meisterschaftsstich noch einen kleinen Erfolg mit 98 Punkten verbuchen kann, funktionierte es für Stadelmann auch nach der kleinen Pause nicht besser: «Es lief nicht gut, ich mache Schluss für heute. Es ist schön, dass man in diesem Jahr nicht so unter Zeitdruck steht, ich mache am Mittwoch weiter.»

Weniger Aufwand und mehr Schützen in Perlen

Der Schiessstand in Perlen hätte eigentlich einer der zwölf Orte sein sollen, an dem das Eidgenössische Schützenfest 2020 stattfinden sollte. Bei der regulären Durchführung des ESF hätten dort über zweitausend Schweizer Schützinnen und Schützen ihre ruhige Hand und Konzentration bei den Qualifikationswettbewerben um die Schützenkönigskonkurrenzen beweisen sollen. Nun öffnet die moderne Anlage lediglich für ihre Vereinsmitglieder ihre Tore. Zusätzlich werden die Örtlichkeiten von zwei Vereinen aus dem Kanton Zürich genützt, deren Schiessanlagen die Anforderungen nicht erfüllen.
Vize-Präsident Christian Thalmann sagt: «Das reguläre ESF 2020 in Perlen hätte in vielen interessanten Begegnungen und Erfahrungen resultiert, auf welche wir jetzt leider verzichten müssen.» Der Aufwand ist für den Vereinsvorstand relativ gering, das achtköpfige OK-Team wurde aufgrund der Dezentralisierung aufgelöst. Die Herausforderungen seien die lange Vorbereitungsphase und die ständig ändernden Rahmenbedingungen gewesen, so Thalmann. «Es herrscht allgemein grosses Verständnis. Es sehen alle ein, dass dies wohl die einzige vernünftige Entscheidung gewesen ist.» Coronabedingt gab es bei der SG Perlen keine Abmeldungen. Im Gegenteil, es haben sich drei aktive Schützen und vier Jungschützen zusätzlich angemeldet. Insgesamt 44 Teilnehmer der SG Perlen starten beim ESF. (js)

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