EIGENTHAL: 40 Jahre in der richtigen Spur

Martin Lipp präpariert die Langlaufloipen im Eigenthal. Eine Arbeit, die ihm Spass macht. Aktuell ist sie aber so mühsam wie noch nie.

Stephan Santschi
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Der Eigenthaler Pistenchef Martin Lipp (72) mit seinem Pistenbully kurz nach den Schneefällen von letzter Woche. (Bild Boris Bürgisser)

Der Eigenthaler Pistenchef Martin Lipp (72) mit seinem Pistenbully kurz nach den Schneefällen von letzter Woche. (Bild Boris Bürgisser)

Normalerweise würde Martin Lipp in diesen Tagen und Wochen vor allem nachts arbeiten. Er würde sich auf das Pistenfahrzeug setzen und die 17 Kilometer lange Langlaufloipe am Ende eines Betriebstages für die Gäste von morgen wieder herrichten. Oder er würde frühmorgens losfahren, um den Neuschnee aus der Nacht flach zu drücken und die Loipe mit der Spurplatte neu zu zeichnen. Doch im Moment ist im Eigenthal nichts normal. Der warme, schneearme und ab heute wohl auch wieder verregnete Winter ist Gift für Wintersportler. Und damit auch für den 72-jährigen Eigenthaler, der die Loipen am Nordfuss des Pilatus auf 1000 Meter über Meer präpariert. «Schnee zuschaufeln», nennt er das, was ihn derzeit vor allem beschäftigt.

Das heisst: Lipp holt mit dem Bagger den Schnee aus etwas höheren Regionen, bringt ihn nach unten und verteilt ihn mit der Schaufel auf die Piste. Das ist mühsam und nimmt angesichts der aktuellen äusseren Bedingungen die Züge einer Sisyphusarbeit an. «Bei 10 Grad kann man fast im T-Shirt Schnee schaufeln. Irgendwann verliert man die Lust daran», sagt Lipp. Zudem sei es teuer für die Tourismusorganisation «Pro Eigenthal Schwarzenberg», welche für den Betrieb zuständig ist und wo er selber im Vorstand ist. «Gut möglich, dass wir die Piste deshalb bald schliessen werden.»

Viele Reklamationen

Im hinteren Bereich der Region, auf 1100 Meter, habe es noch genug Schnee für Langlaufliebhaber. Vorne aber, im Zentrum beim Restaurant Lindenstübli, sei die Lage prekär. «Früher fuhren die Leute mit dem Auto einfach weiter zum hinteren Parkplatz. Doch das geht heute anscheinend nicht mehr. So viele Reklamationen wie in diesem Jahr habe ich noch nie erhalten», berichtet Lipp. Und das will etwas heissen: Schliesslich macht er diese Arbeit schon seit rund 40 Jahren, «seit wir hier oben Langlauf anbieten». Früher machte er es als Nebenerwerb zu seinem Job als Landwirt (Milchwirtschaft), heute ist es vor allem Goodwill, «ich mache es gerne, weil ich noch zwäg bin». Dafür wurde er letztes Jahr von Loipen Schweiz, der Dachorganisation aller Langlaufgebiete, geehrt. «Das Eigenthal ist schweizweit für seine guten Loipen bekannt. Doch jetzt bringen wir es einfach nicht mehr hin, uns fehlt der Schnee. Wir machen das Wetter nicht und können auch keine Wunder bewirken.»

Spannende Begegnungen

Solche Winter habe es aber auch in der Vergangenheit schon gegeben, sagt Lipp. «Winter, in denen es praktisch gar nie geschneit hat.» Wenn das weisse Gold fällt, dann hat er Spass an seiner Arbeit. «Auf diese Weise komme ich mit vielen Leuten in Kontakt, die ich sonst nicht treffen würde. Ärzte beispielsweise. Oder Direktoren von grossen Unternehmen.»

Lieber Spaziergänge als Langlauf

Langlauf erlebe dabei einen Boom, stellt Lipp fest. Früher sei hier viel trainiert worden, nun kämen auch vermehrt jene, die zur Erholung den Loipen entlang gleiten. «Viele junge Leute, die früher nur alpin Ski fuhren, probieren es aus.» Er selber fahre mittlerweile zwar nicht mehr Langlauf, ihm seien ruhige Spaziergänge lieber. Dank seiner Erfahrung erkennt er die Anfänger auf der Piste aber sofort. «Dann sage ich ihnen, dass sie zuerst eine Langlaufschule besuchen sollten. Nur ein, zwei Stunden bringen schon viel. Sonst müht man sich zu stark ab, und es macht keinen Spass.»

Irgendwie passt es dabei zum bisher lauen Winter, dass das geplante Loipenhaus im Talboden nicht zu Stande kommt. Das Kantonsgericht Luzern hat kürzlich eine Beschwerde der Umweltschutzorganisation Pro Natura gutgeheissen (Ausgabe vom 14. Januar). «Das ist für uns fast eine Katastrophe. Aktuell haben wir für die Ticketkontrolle, die Skivermietung und die Skikleider drei Provisorien eingerichtet, mit dem Loipenhaus hätten wir alles unter einem Dach gehabt», bedauert Lipp. Doch man werde diesen Rückschlag wegstecken, ebenso wie den aktuellen Schneemangel. «Es wird weitergehen. Wir hoffen wieder auf bessere Winter.» Auf eine Zeit, in der es im Eigenthal wieder normal zu- und hergeht.

Stephan Santschi