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EIGENTHAL: Lagerromantik auf 1070 Metern Höhe

Das Ferienheim Jugendalp ist 110-jährig. Eine Stiftung rettete das Haus vor dem Abriss und initiierte eine millionenschwere Sammlung.
Evelyne Fischer
Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1916 zeigt die Beliebtheit der Lager auf der oberen Würzenalp im Eigenthal. (Bild: Corinne Glanzmann / PD)

Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1916 zeigt die Beliebtheit der Lager auf der oberen Würzenalp im Eigenthal. (Bild: Corinne Glanzmann / PD)

Die Tanzparty mit den Wölfli-Führerinnen hatte der junge Pfader Georges Theiler ordentlich vermasselt. Sein Versuch, die Jukebox zu flicken, scheiterte kläglich. An die Episode im Eigenthaler Ferienheim auf der oberen Würzenalp erinnert sich der ehemalige FDP-Ständerat alias Pfader «Gaggo» noch heute. «Das sind Erlebnisse mit einer Ambiance, die man nie vergisst.» Wie Theiler hat sich auch Alt-Regierungsrätin Yvonne Schärli (SP) als Teil eines Patronatskomitees für den Erhalt der Jugendalp eingesetzt. «Ich blicke auf eine lehrreiche Zeit in der Pfadi zurück», sagt Schärli alias «Boy» – der Name beruht auf ihrer Weigerung, einen Rock zu tragen. Ihre Persönlichkeit sei damals geformt, die Belastbarkeit auf die Probe gestellt worden. «Einrichtungen wie das Ferienheim auf der Jugendalp gilt es zu erhalten.»

Einst im Besitz der Stadt Luzern

Die Jugendalp Eigenthal wird heute jährlich von 3000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt. Das Ferienheim wurde 1906 erbaut. Es gehörte damals der Stadt Luzern, die zwischenzeitlich sechs solche Häuser besass. Die Baukosten von 102 000 Franken konnten dank einer öffentlichen Sammlung und einem Beitrag der Einwohnergemeinde Luzern gedeckt werden. Dies ermöglichte fortan Tausenden Stadtkindern Ferien ausserhalb von zu Hause.

In den 90er-Jahren wurde das Haus kaum mehr genutzt und noch weniger unterhalten. Zwischenzeitlich stand ein Abbruch des Hauses zur Diskussion. Die Rettung erfolgte 1997: Ehemalige Lagerteilnehmer und Vertreter aus der Jugendarbeit gründeten die Stiftung und den Verein Jugendalp. Für den symbolischen Preis von einem Franken hat die Stadt Luzern das Ferienheim 2004 an die Stiftung verkauft. «Als wir das Haus übernahmen, hatte dieses alles andere als einen guten Ruf», sagt Stiftungsratspräsident Roman Steffen (38) aus Luzern. Von den 25 Zimmern liess sich nur ein einziger Raum heizen. «Die Plätze in Ofennähe waren jeweils heiss begehrt», sagt Steffen, der in jungen Jahren Leiterkurse im Eigenthal absolviert hat und heute als Verkehrsingenieur tätig ist.

1,2 Millionen Franken gesammelt

Dass die Jugendalp jahrelang vernachlässigt wurde, bescherte der Stiftung viel Arbeit. «Am Anfang verfolgten wir die Idee einer Gesamtsanierung. Fakt ist aber, dass niemand auf einen Schlag so viel Geld spricht. Also mussten wir etappieren», sagt Steffen. «Es stand in den Sternen, ob das Projekt jemals ganz zu Stande kommt.» Das Durchhalten habe sich gelohnt. In 13 Jahren flossen 1,2 Millionen Franken. Als Erstes investierte die Stiftung 2004 in die Sicherheit, erneuerte Brandschutz, Elektroinstallationen und sanitäre Einrichtungen. 2008 kam eine Heizung hinzu, ab 2009 wurden die Dächer saniert, die Gebäudehülle isoliert und Fenster ersetzt. Jetzt konnte die letzte Sanierungsetappe beendet werden – erneut krempelten dafür Jugendliche und Freiwillige die Hemdsärmel hoch. 85 Betten in heizbaren Räumen und eine moderne Küche sind nun das ganze Jahr über nutzbar. «Heute kann sich die Jugendalp ohne weiteres mit anderen Gruppenunterkünften messen.»

Ganz vorbei mit der Bauerei ist es indes noch nicht. «Nach den zwingenden Arbeiten kommen nun die Gelüste auf», scherzt Steffen. So sei der Spielraum erst provisorisch eingerichtet, der linke Hausteil weiterhin sanierungsbedürftig. «Dafür müssen wir nun zuerst die Finanzierung sicherstellen. Gleichzeitig Geld sammeln und bauen, das stemmen wir nicht.»

Übernachtungen vervielfacht

Die getätigten Investitionen kurbeln die Anzahl Logiernächte an: Waren es im Jahr 2003 noch gut 700, stiegen diese im letzten Jahr auf deren 5900 an. Im Sommer reisen vorwiegend Jubla-Scharen oder Pfadigruppen auf die Jugendalp ins Lager, im Winter wird das Haus vermehrt von Guuggenmusigen für Probeweekends gebucht. «Wir wollen jedoch nicht, dass die Jugendalp von Erwachsenen eingenommen wird», sagt Steffen. «Das Haus soll seinem ursprünglichen Zweck gerecht werden.» Daher halte man im Prinzip an der Altersgrenze von 25 Jahren fest.

Die jungen Übernachtungsgäste profitieren von günstigen Tarifen: Luzerner Gruppen zahlen 11 Franken pro Person und Nacht, ausserkantonale Jugendgruppen 13 Franken, Einzelpersonen 16 Franken. Die Stiftung hat die Tarife letztes Jahr leicht angepasst. Dies sei eine Gratwanderung, so Steffen. «Unsere Nutzer sind mit knappen Budgets unterwegs – und doch muss das Gebäude unterhalten werden. Wir wollen nicht den gleichen Fehler machen und das Haus erneut herunterwirtschaften.»

Evelyne Fischer

Hinweis

Weitere Infos unter www.jugendalp.ch

So präsentiert sich das Ferienheim Jugendalp nach umfassenden Sanierungsarbeiten. (Bild: Corinne Glanzmann / PD)

So präsentiert sich das Ferienheim Jugendalp nach umfassenden Sanierungsarbeiten. (Bild: Corinne Glanzmann / PD)

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