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EIGENTHAL: Wer ist der Tote vom Pilatussee?

Hobbyforscherin Janine Heini (24) entdeckte menschliche Überreste im Pilatusgebiet. Diese sind rund 2000 Jahre alt – stammen also aus der Zeit des legendären Pontius Pilatus. Ein deutscher TV-Sender strahlt am Samstag einen Beitrag aus.
Urs-Ueli Schorno
Janine und Kurt Heini bei Sondierbohrungen im verlandeten Pilatussee auf der Oberalp im Herbst des vergangenen Jahres. (Bild: PD)

Janine und Kurt Heini bei Sondierbohrungen im verlandeten Pilatussee auf der Oberalp im Herbst des vergangenen Jahres. (Bild: PD)

Begonnen hat alles mit Janine Heinis Maturaarbeit über die Kulturgeschichte des Pilatus. Diese wurde 2012 von Schweizer Jugend forscht mit dem Prädikat hervorragend ausgezeichnet. 2014 ist das Werk der Krienserin, die heute Germanistik studiert, als Buch erschienen. Die Sagenwelt des Drachenbergs hat sie seither nicht wieder losgelassen. Mit ihrem Vater Kurt Heini, einem Ingenieur, unternimmt die passionierte Wanderin und Hobbyforscherin immer wieder Exkursionen im Pilatusgebiet. «Dabei begleitet mich immer der Gedanke, dass jede Sage auch einen wahren Kern beinhaltet», sagt Heini. Meist suchten sie legendäre Plätze und Orte auf, die in Verbindung mit den alten Erzählungen stehen könnten.

Im vergangenen Herbst führten Vater und Tochter wieder eine solche Exkursion durch. Was sie dann fanden, übertraf ihre kühnsten Erwartungen: menschliche Knochen. «Dieses Mal hatten wir vor, mittels Rammkernbohrungen Proben aus dem 1560 Meter hoch gelegenen ehemaligen Pilatussee auf der Oberalp, unterhalb des Mittaggüpfi, zu entnehmen.»

SWR zeigt Heinis Arbeit über den Pilatus

Da das Gewässer heute stark verlandet ist und wohl eher als Sumpf oder Moor bezeichnet werden kann, gelang dies relativ einfach, «abgesehen von ein paar dreckigen Gummistiefeln», wie die 24-Jährige lachend anmerkt. «Wir haben uns bei der Wahl der Orte für die Sondierungsbohrungen an die Beschreibung des Zürcher Humanisten Conrad Gessner aus dem Jahr 1555 gehalten. Er beschrieb unter anderem auch, wo damals Pontius Pilatus gelegen haben soll, nachdem er der Legende nach in diesen Tümpel gebannt wurde.»

Nun ist es nicht gerade selten, dass Knochen und anderes Material sich in der Erde ablagern. «Die Knochen hätten genauso gut von einem Tier stammen können», sagt Jürg Manser, Kantonsarchäologe in Luzern. «Eine genauere Überprüfung hat aber gezeigt, dass es sich um menschliche Überreste handelt, und mittels Radiokarbondatierung konnte das Alter auf knapp 2000 Jahre – mit einer Unsicherheit von rund 50 Jahren – festgelegt werden.» Bei Nachgrabungen wurde dann tatsächlich auch ein schlecht erhaltenes Schädelstück gefunden. Ihre Augen glänzten, als Heini im vergangenen Dezember den offiziellen Bericht der Archäologen erhielt. «Als ich gemerkt habe, dass diese Datierung sehr gut mit dem Todeszeitpunkt des römischen Statthalters Pontius Pilatus um 38 nach Christus übereinstimmt, freute ich mich wie ein kleines Kind.» Und weiter: «Es handelt sich ja vermutlich sogar um einen Menschen aus dem Mittelmeerraum», ergänzt sie (siehe Kasten). «Das passt alles sehr gut zusammen.»

Am Samstagabend zeigt der deutsche TV-Sender SWR um 16.30 Uhr im Rahmen der Serie «Eisenbahnromantik» einen Beitrag über den Pilatus, in dem unter anderem Janine Heini ihre Geschichte erzählt.

Sie wollte mit der Publikation zuwarten

Janine Heini wollte mit der Publikation ihres Fundes eigentlich noch etwas zuwarten, bis wissenschaftliche Resultate über die Identität des Toten vorliegen. «Bis jetzt konnte weder bewiesen noch widerlegt werden, dass es sich um Pontius Pilatus handelt.» – Solange dies nicht der Fall sei, will sie an ihrer Version festhalten. Vorerst werden die Knochenstücke zwecks weiterer Untersuchungen im Natur-­Museum aufbewahrt.

Auflösung 1. April-Scherz

Am Samstag, 1. April, berichtete unsere Zeitung von einem sensationellen Fund: Im verlandeten Pilatussee soll Studentin Janine Heini 2000 Jahre alte menschliche Überreste entdeckt haben. Möglicherweise stammten diese gar vom legendären Pontius Pilatus, hiess es. Doch: Das war erstunken und erlogen. Mehr dazu lesen Sie hier>>.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Janine Heini bietet zusammen mit unserer Zeitung am Donnerstag, 25. Mai, (Auffahrt) für interessierte Leser eine kulturhistorische Wanderung zum Pilatussee an. Unter stadt@luzernerzeitung.ch werden Anmeldungen angenommen. Die Platzzahl ist beschränkt.

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