Ein altes Gleisstück an der Bahnhofstrasse erinnert an die einstige Luzerner Trambahn

Unter dem Belag der Bahnhofstrasse in Luzern sind wohl noch immer grosse Teile des alten Tram-Liniennetzes versteckt. Zumindest an einer Stelle ist dies sichtbar.

Hugo Bischof
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Vielen ist es wohl auch schon aufgefallen: ein rund 20 Zentimeter langes Gleisstück, gut sichtbar im Belag der Bahnhofstrasse vor dem Luzerner Theater. Ein aufmerksamer Leser hat uns vor kurzem wieder einmal darauf aufmerksam gemacht. Das Stück Metall stellt keine Gefahr dar, weder für Velofahrer noch Passanten und schon gar nicht für Autofahrer. Es ist jedoch ein interessantes Zeugnis der Luzerner Stadtgeschichte.

Ein Relikt aus der Vergangenheit: die alte Tramschiene an der Bahnhofstrasse in Luzern.

Ein Relikt aus der Vergangenheit: die alte Tramschiene an der Bahnhofstrasse in Luzern.

Jakob Ineichen, 1. April 2020

Genau an dieser Stelle, über die Bahnhofstrasse entlang der Reuss, führte vor 100 Jahren nämlich eine Linie der Luzerner Trambahn. Das alte Gleisstück ist ein Überbleibsel davon. Es wurde nach der Einstellung der Tramlinie offenbar nur mit einem relativ dünnen Strassenbelag abgedeckt; dieser ist seit einigen Jahren rissig geworden.

Trambahn 1899 in Betrieb genommen

Die Luzerner Trambahn ging 1899 in Betrieb, mit vier Linien ab Bahnhof Luzern nach Kriens, Emmenbrücke, Halde-Dietschibergstation und Maihof-Kreuzstutz. Der Betrieb erfolgte von Anfang an durch elektrische Wagen, nicht durch Pferdewagen wie in anderen Städten. Im Einsatz waren zweiachsige Trammotorwagen, teilweise mit Anhängern.

Die Linie ab Bahnhof Luzern nach Emmenbrücke führte bis 1927 eingleisig entlang der Reuss vorbei am Stadttheater Luzern und danach weiter durch die schmale Bahnhofstrasse und dann in die Pfistergasse. Aus dieser Zeit stammt die historische Fotografie. Sie zeigt einen Tramwagen vor dem ehemaligen Hotel de la Poste (Bahnhofstrasse 22), auf dem Platz zwischen Regierungsgebäude und altem Gymnasium (ganz rechts, heute kantonales Bildungs- und Kulturdepartement):

Ein Wagen der einstigen Luzerner Trambahn wohl um 1910.

Ein Wagen der einstigen Luzerner Trambahn wohl um 1910.

Bild: Stadtarchiv Luzern

1927 erhielt diese Tramlinie 2 eine neue Streckenführung. Sie führte nun über eine zweigleisige Neubaustrecke via Pilatusstrasse, Pilatusplatz und Kasernenplatz nach Emmenbrücke. Der vordere Abschnitt des Gleises entlang der Reuss blieb bis in die 1950er-Jahre für Extrafahrten nach Vorstellungen im Stadttheater in Betrieb.

1961 wurde der Trambetrieb eingestellt

Das Luzerner Tramliniennetz wurde danach zwar weiter ausgebaut; unter anderem wurde die Linie Emmenbrücke bis zum Centralplatz verlängert. Doch Ende der 1950er-Jahre folgte auch Luzern dem allgemeinen Trend, das Tram durch den wendigen, gleislosen Trolleybus zu ersetzen. Eines der Argumente lautete, dass die Tramhaltestellen dem motorisierten Individualverkehr Platz wegnähmen. 1961 wurde der Luzerner Trambetrieb definitiv eingestellt. Seither beherrschen die heutigen VBL-Trolleybusse das Strassenbild. Es gab danach vereinzelt politische Vorstösse, in Luzern wieder auf den Trambetrieb umzustellen, um dem öffentlichen Verkehr freie Fahrt zu ermöglichen; sie blieben alle ohne Erfolg.

Die Tramgleise wurden nach der Einstellung grösstenteils mit Strassenbelag zugedeckt. Thomas Schmid, Leiter des Stadtluzerner Strasseninspektorats, sagt dazu:

«Wenn wir Strassenbeläge erneuern und Leitungsarbeiten vornehmen, treffen wir immer wieder auf Teile alter Gleise, in letzter Zeit etwa am Pilatusplatz.»

Schmid rechnet damit, dass sich auch unter dem Belag der Bahnhofstrasse noch immer Teile des alten Tramgleisnetzes befinden. Das bevorstehende Projekt der Bahnhofstrasse-Neugestaltung werde dadurch aber in keiner Weise beeinflusst: «Die alten Gleisstücke können jeweils ohne grossen Aufwand entfernt und entsorgt werden.»

Mit diesem Leserbild machte uns Markus Schüepp auf das auftauchende Tramgleis aufmerksam.

Mit diesem Leserbild machte uns Markus Schüepp auf das auftauchende Tramgleis aufmerksam.

Bild: Markus Schüepp, Luzern, 30. März 2020
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