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Ein Augenschein im Luzerner Kantonsspital: Hier werden die Corona-Fälle isoliert

Diese Woche hat das Luzerner Kantonsspital eine Isolierungsstation für Corona-Virus-Patienten eingerichtet. Das erste Bett ist bereits belegt.

Text: Livia Fischer, Bilder: Patrick Hürlimann
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Es ist ein Spitalflur wie jeder andere. Zumindest optisch. Das Spezielle: Hier gehen nur Patienten, die mit dem Corona-Virus infiziert sind oder Verdachtsfälle ein und aus. Es handelt sich um die Isolierungsstation des Luzerner Kantonsspitals (Luks), die seit wenigen Tagen in Betrieb ist. Es ist ein Glücksfall, dass dafür überhaupt Platz vorhanden ist. Noch vor einem Monat waren hier provisorische Büros und Sprechstundezimmer, die wegen eines Umbaus verlegt werden mussten. Die Isolierungsstation bietet Platz für zwölf Patienten, aufgeteilt auf sechs Zimmer. «Natürlich befinden sich Patienten nur dann in dem gleichen Zimmer, wenn das Virus bei beiden schon nachgewiesen ist», sagt Marco Rossi, Chefinfektiologe des Luzerner Kantonsspitals.

Zutritt nur für Pflegepersonal: die Isolierungsstation am Luzerner Kantonsspital.

Zutritt nur für Pflegepersonal: die Isolierungsstation am Luzerner Kantonsspital.

Aktuell befindet sich lediglich eine Patientin in Isolation. Ihre gesundheitliche Verfassung ist gut, bald schon wird sie nach Hause in die Heimisolation entlassen. Dort muss sie warten, bis das Virus von selbst abheilt – oder wie Rossi sagt: «Bis die Natur das Problem löst.» Eine spezielle Kur gibt es nicht, auch nicht während des Spitalaufenthalts. Aber die Ärzte greifen ein, sobald es irgendwelche Komplikationen wie eine Lungenentzündung gibt. Grundsätzlich gilt aber: Nur wer schwere Symptome hat oder sich zu Hause nicht versorgen kann, muss ins Spital.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anzahl Infizierter in den kommenden Tagen und Wochen rasant ansteigt, ist hoch. Das Luks ist für diesen Fall gewappnet. «Wir haben die Möglichkeit, die Bettenkapazität durch Anpassungen im Normalbetrieb auszudehnen», so Rossi. Heisst konkret: Wahleingriffe müssten verschoben werden. Darunter fallen etwa Operationen von grauem Star oder Kunstgelenken. Schon jetzt denke man auch über Isolationsplätze an den Standorten Sursee und Wolhusen nach, sagt Rossi. Ob und wann es die wirklich braucht, wisse man noch nicht. Rossi ist aber überzeugt: «Das Virus ist schon sehr weit verbreitet. Wir sehen hier nur die Spitze des Eisbergs.» Viele Corona-Virus-Kranke zeigen nur milde Symptome und nehmen das Virus als gewöhnliche Erkältung war. In manchen Fällen verläuft die Krankheit gar ohne Symptome.

Einrichtung und Atmosphäre sind so, wie man sie in einem Spital erwartet.

Einrichtung und Atmosphäre sind so, wie man sie in einem Spital erwartet.

Pflegefachkräfte tragen eine ganze Schutzausrüstung

Aktuell arbeiten immer zwei Pflegepersonen pro Schicht auf der Isolierungsstation. Noch gibt es kein festes «Corona-Team», die Fachkräfte des Luks wechseln sich ab. Damit es im Falle eines Anstiegs von Erkrankten keinen Personalmangel gibt, wird jetzt schon Zusatzpersonal rekrutiert. Pensionierte Fachkräfte oder Temporärangestellte sollen aushelfen.

Täglich klärt das Luks 10 bis 20 Verdachtsfälle vor Ort ab, telefonisch sind es weitaus mehr. Nur die Hälfte aller Verdachtsfälle kommt angemeldet und hat sich schon davor von der Hotline des Bundesamts für Gesundheit oder beim Hausarzt beraten lassen. Der Rest begibt sich spontan ins Spital, was man eigentlich nicht tun sollte. Die Patienten erhalten beim Empfang eine Schutzmaske und werden von einer Fachperson in den zweiten Stock begleitet.

Die Glasfront des Anmeldungsbereichs der Isolierungsstation ist geschlossen – eine Vorsichtsmassnahme, wie die Stellvertretende Chefärztin Infektiologie Sonja Bertschy betont. Nach dem Abstrich werden die Verdachtsfälle wieder nach Hause geschickt. Maximal 48 Stunden dauert es, bis die Resultate vorliegen. Ist der Test positiv, wird der Patient isoliert und medizinisch behandelt. Wer nur leichte Symptome aufweist, kann aber auch eine sogenannte Heimisolation machen. Die Dauer variiert. Aktuell diskutieren die Gesundheitsbehörden darüber, wie lange die Mindestisolationszeit beträgt. Rossi spricht von etwa zehn Tagen. Wer sich zu Hause vom Virus auskuriert, muss eine Schutzmaske tragen. Im Spital ist es andersrum. «Da schützt sich das Personal. Der Patient muss richtig atmen können», erklärt Bertschy. Die Schutzmassnahmen des Personals umfassen mehr als nur eine Hygiene­maske. Pflegekräfte tragen zusätzlich Handschuhe, eine Schutzbrille sowie eine Schürze. Was wann an- und ausgezogen wird, ist klar geregelt. Die Checklisten kleben an jeder Zimmertür.

Ob eine infizierte Person Besuch erhalten darf, wird individuell abgeklärt. Meist erledigt sich die Frage aber schon von selbst – schliesslich müssen sich ­Familienmitglieder und alle anderen direkten Kontaktpersonen zeitgleich in Quarantäne begeben. «Aber es gibt ja noch Facetime oder Skype», beschwichtigt Bertschy.