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Ein Dorf rüstet sich für
das Fest des Jahrzehnts (prov)

Ab diesem Freitag startet in Vitznau die viertägige Sännechilbi. Deren Ursprung liegt zwar 425 Jahre zurück, ist laut Sennammann Erwin Küttel immer noch aktuell.
Niels Jost

Lautes Hämmern und Sägen ist derzeit im Vitznauer Dorfzentrum zu hören. Auf dem Schulhausplatz läuft der Aufbau für die Sännechilbi auf Hochtouren. Das Festzelt steht bereits, ebenso die Holztäfelung für die Kafihütte. «Als nächstes müssen wir die Bühne aufbauen», sagt Erwin Küttel. Der Sennammann hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Denn schon am kommenden Freitag muss alles bereitstehen für «das Fest des Jahrzehnts», wie es Küttel nennt. Die Sännechilbi findet in Vitznau alle sieben, acht oder zehn Jahre statt. Der Rhythmus ist zwar nicht fix vorgegeben, Ziel sei es jedoch, dass jedes Schulkind die Chilbi einmal miterleben kann, so Küttel.

Erwin Küttel, Sennammann, auf einem Umzugswagen für die Sännechilbi in Vitznau. (Bild: Pius Amrein, 30. April 2018).

Erwin Küttel, Sennammann, auf einem Umzugswagen für die Sännechilbi in Vitznau. (Bild: Pius Amrein, 30. April 2018).

Erwartet werden zum grossen Festumzug am Sonntag 6000 bis 7000 Besucher. Trotz der vielen Arbeit strahlt Küttel eine ungeheure Ruhe aus. Selbst die ungewohnten Medientermine bringen den Landwirt nicht aus der Fassung. Das gehöre halt dazu, meint er mit einem lockeren Schulterzucken..

Wie wichtig der Anlass für das ganze Dorf ist, zeigt sich anhand des letzten der vier Chilbi-Tage: Dann, am Montag, haben alle Vitznauer Schüler frei – selbst jene, die in Weggis in die Oberstufe gehen. Auch sie können mit ihren Eltern, Grosseltern, Nachbarn und Bekannten mitfeiern. «Ein Fest für Gross und Klein», so Küttel.

Mit dem ÖV anreisen

Die Sännechilbi Vitznau findet vom kommenden Freitag, 4. Mai, bis Montag, 7. Mai im Dorfzentrum statt. Für den grossen Umzug am Sonntag (ab 14 Uhr) werden bis zu 7000 Besucher erwartet. Die Hauptstrasse wird dann gesperrt. Gäste werden deshalb gebeten, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen, beispielsweise auch mit dem Schiff. Für Autos steht ab 12 Uhr im Gebiet Weiher in Weggis ein Shuttle-Bus nach Vitznau zur Verfügung.

Kafihütte, Gottesdienst, Umzug

Auftakt der Sännechilbi ist am Freitag um 20 Uhr. Dann gibts in der Kafihütte auf dem Schulhausplatz musikalische Unterhaltung von der Ländlerformation Müller-Lüthi-Alder.

Die Kafihütte steht auch am Samstag ab 16 Uhr auf dem Programm.

Am Sonntag beginnt um 9 Uhr der Festgottesdienst in der katholischen Kirche St. Hieronymus. Um 10.30 Uhr steht der Frühschoppen auf dem Schulhausplatz an, um 11.30 Uhr das Festbankett in der Turnhalle. Höhepunkt der Chilbi ist der Umzug mit 43 Nummern. Dieser startet um 14 Uhr. Am Abend ist wiederum die Kafihütte geöffnet.

Am Montag beginnt um 9.30 Uhr der Gottesdienst. Um 14 Uhr starten auf dem Schulhausplatz die Sännespiele mit der anschliessenden Versteigerung der Überbleibsel des Fest-Wochenendes. Ab 17 Uhr öffnet ein letztes Mal die Kafihütte.

Ursprung liegt 425 Jahre zurück

Wobei: An der Sännechilbi wird nicht nur gefeiert. Auch die Fürbitt an den beiden Gottesdiensten am Sonntag und Montag habe nach wie vor einen hohen Stellenwert, findet Erwin Küttel. Ihren Ursprung hat diese Tradition im Jahr 1593, also vor genau 425 Jahren. Damals suchte eine arge Seuche die Älpler der Seegemeinden heim. 84 Stück Vieh erlagen einer pestartigen Krankheit. «Für die Bauern war das existenzbedrohend», weiss Küttel. Deshalb schlossen sich die Älpler zusammen und gründeten gemeinsam mit geistlichen und weltlichen Vorstehern die Sennenbruderschaft. Aus ihr sind später die Sennengesellschaften hervorgegangen – nicht nur in Vitznau, sondern etwa auch in Gersau, Weggis oder Küssnacht. In Vitznau zählt diese 20 Mitglieder. Sie amten als Vorstand der Bruderschaft, welche derzeit rund 135 Mitglieder zählt.

Noch heute treffen sich die Sennen mehrmals jährlich zu Gottesdiensten, etwa am 17. Januar (Tag des heiligen Antonius), 20. Oktober (heiliger Wendelin) oder am letzten Juni-Sonntag auf der Glättialp auf der Rigi, und bitten Gott um seinen Segen für Mensch, Vieh und Land.

Anlässe wie die Sännechilbi sollen helfen, diese Tradition weiterleben zu lassen. «Und der Bevölkerung eben in Erinnerung zu rufen, dass nicht alles selbstverständlich ist», fügt Küttel an. Das scheint zu funktionieren. Auf jeden Fall haben die Sennen laut Küttel keine Nachwuchsprobleme. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass längst nicht mehr nur Sennen in die Bruderschaft aufgenommen werden, sondern Personen aller möglichen Berufsgattungen. Das stärke den Zusammenhalt – was für das Dorfleben auch nach 425 Jahren noch von zentraler Bedeutung ist.

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