Ein Drittel neuer Ratsmitglieder: Chaotische Szenen zum Legislaturstart

Nationalrätin Ida Glanzmann über die neuen Realitäten im Bundeshaus.

Ida Glanzmann-Hunkeler
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Ida Glanzmann-Hunkeler

Ida Glanzmann-Hunkeler

Keystone

Für mich ist diese Woche im Rückblick sehr speziell. Der Legislaturbeginn war dieses Mal im Voraus geprägt von der grossen Wende, von der man sprach. Die Grüne und die Grünliberale Fraktion besetzen viel mehr Plätze im Ratssaal und was noch prägender ist, ein Drittel der Ratsmitglieder ist das erste Mal mit dabei. Zudem sind neu mehr als ein Drittel Frauen.

Die ganze Woche, war etwas speziell, nicht nur für die Neuen, auch für uns Parlamentsmitglieder, die schon länger dabei sind. Beim Sessionsbeginn am Montag habe ich noch nie so viele Kameras und Fotografen im Bundeshaus gesehen, fast so viele wie bei den Bundesratswahlen. Ich hatte den Eindruck, dass jedes neue Ratsmitglied ein Team mitgebracht habe.

Am Montag im Nationalratssaal, war es ziemlich chaotisch und es war nicht immer nachvollziehbar, ob dies jetzt neue Kolleginnen und Kollegen sind, weil man sich noch nicht kennt. Nach der Vereidigung sassen auf den Sitzplätzen der Ständeräte hinten im Nationalratssaal zwei Personen und schwatzten miteinander. Beim Nachfragen stellte sich heraus, dass es eine Freundin und ein Kollege eines neuen Ratsmitgliedes waren, die keinen Sitzplatz gefunden und sich diesen kurzerhand im Nationalratssaal gesucht haben. Auch traf man ab und zu Leute im Bundeshaus, die sich «verirrt» hatten. Wo finde ich hier das Bundeshaus Ost, wo ist dieses oder jenes Kommissionszimmer. Gerne nahm man dann die Hilfe der «Älteren» an.

In Bern kennen wir das papierlose Büro noch nicht. Stapelweise erhalten wir immer wieder Papier zu neuen Geschäften, verteilt durch die Weibel, die dies auf unsere Pulte legen. Ab und zu sah ich neue Nationalräte oder Nationalrätinnen, die hilflos schauten und sich fragten, was man jetzt noch brauchen würde und was man entsorgen könne und mit dem grossen Stapel Papier schlicht überfordert waren.

Obwohl wir das Budget beraten und auch andere Geschäfte diskutiert haben, war das Kennenlernen untereinander die Hauptsache während dieser Woche. Und für die kommende Woche ist der Schwerpunkt mit den Bundesratswahlen aus meiner Sicht auch schon vorprogrammiert.