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Ein Egolzwiler geht mit seinen Bienen auf Wanderschaft

Roman Erni ist im Kanton Luzern und im Oberaargau hauptberuflich als Imker tätig. Mit rund vierzig seiner Bienenvölker geht er jeden Sommer auf Wanderschaft in die Bündner und Tessiner Berge – und freut sich über noch mehr Honig.
Roseline Troxler
Wanderimker Roman Erni bei einem seiner Aussenplätze oberhalb des alten Krematoriums im Friedental. (Bilder: Pius Amrein, Luzern, 17. Mai 2019)

Wanderimker Roman Erni bei einem seiner Aussenplätze oberhalb des alten Krematoriums im Friedental. (Bilder: Pius Amrein, Luzern, 17. Mai 2019)

Roman Erni (43) hebt die mit einem Holzrahmen umfassten Waben aus der Verankerung. In wenigen Sekunden erkennt sein geschultes Auge, ob mit den Bienen im Magazin alles in Ordnung ist. Er trägt dabei keinen für die Imker typischen Schutzanzug. «Diese Bienen hier am Stadtrand sind ruhige Tiere.» Stiche ist sich Erni aber gewohnt, «im Schnitt gibt es zwei pro Tag».

Am Bienenstand im Friedental besitzt Erni 16 Bienenvölker. Zu einem Bienenvolk gehören in den Sommermonaten rund 30'000 bis 45'000 Bienen, bestehend aus Königin, Arbeiterinnen und den etwas grösseren männlichen Bienen, den Drohnen. Insgesamt besitzt Roman Erni 130 Bienenvölker, rund dreissig davon für die Zucht. Seine Stände befinden sich neben jenem in Luzern in Dagmersellen, Reiden und im Oberaargau.

Einmal in der Woche macht Roman Erni bei jedem Bienenvolk eine sogenannte Schwarmkontrolle.

Einmal in der Woche macht Roman Erni bei jedem Bienenvolk eine sogenannte Schwarmkontrolle.

Besonderes Augenmerk richtet Erni bei seiner Arbeit auf mögliche Schwarmzellen. Der Egolzwiler identifiziert diese an ihrer Länge und Position, in der Regel finden sich diese im Randbereich der Wabe. Gibt es in einem Magazin solche, muss er handeln. «Sonst besteht die Gefahr, dass meine Völker schwärmen.» Dies ist der Fall, wenn die Königin mit ihren Bienen plötzlich den Bienenstock verlässt. «Als Imker will ich dies verhindern, weil ich sonst Gefahr laufe, das Bienenvolk zu verlieren.» Deshalb macht er bei jedem Volk einmal in der Woche eine Schwarmkontrolle. Dieses Jahr muss Roman Erni wegen der nassen Witterung besonders oft eingreifen.

Sein Lehrer weckte in ihm das Interesse zur Imkerei

Roman Erni ist seit 2016 vollberuflicher Imker. Zuvor hat er als Vertriebsleiter bei der Firma Biovet in Grossdietwil gearbeitet und hobbymässig geimkert. Seit gut zwei Jahren betreibt er die Bioimkerei Paronihonig, deren Label und Völker er von Marco Paroni übernommen hat. Je nach Honigjahr produzieren seine Bienen drei bis sechs Tonnen des flüssigen Goldes.

Ernis Interesse für die Bienen findet den Ursprung in der Kindheit. «Schuld ist mein Lehrer Paul Fellmann», sagt Erni und lacht. Im Fach Mensch und Umwelt hat er mit der Klasse während seiner Primarschulzeit in Malters einen Imker besucht. Der Funke sprang über.

Heute bedeutet die Imkerei für Roman Erni Leidenschaft und grosse Arbeit – vor allem im Frühling und im Sommer. «Ferien gibts bei uns nur im Herbst oder Winter», sagt er, um dann aber gleich wieder Wissenswertes und Faszinierendes über seine Bienen zu erzählen. Er zeigt auf die Königin, welche etwas grösser und mit einem roten Pünktchen markiert ist. «Diese Königin ist heuer jährig», erklärt er.

Mit Rauch werden die Bienen ruhiggestellt, was die Arbeit erheblich erleichtert.

Mit Rauch werden die Bienen ruhiggestellt, was die Arbeit erheblich erleichtert.

Bienen erleben in den Bergen einen zweiten Frühling

Wenn jeweils in den Bündner und Tessiner Bergen der Frühling einsetzt, ist es für den Egolzwiler Zeit, aufzubrechen. Mit dabei sind rund 40 Bienenvölker. Da die Vegetation in den Bergen verzögert zu blühen beginnt, können die Bienen in der Höhe einen zweiten Frühling erleben und wiederum viele Pollen und Nektar in den Bienenstock transportieren – zum Menüplan gehören dann vor allem Nektar der Alpenrosen oder Blüten der Kastanie. In der Folge können wandernde Bienenvölker deutlich mehr Honig produzieren als solche, welche den ganzen Sommer im Flachland bleiben. Erni erzählt:

«Blütenhonig ist begehrt, insbesondere in der Westschweiz, während Deutschschweizer eher auf Waldhonig stehen.»

Die Wanderschaft bedeutet für den Imker aber auch Aufwand. Je nach Kanton gelten unterschiedliche Vorschriften. «In Graubünden brauche ich für meine Magazine gar ein Baugesuch.» Beim Transport muss der Imker besondere Vorsicht walten lassen, damit die Bienen diesen gut überstehen. «Ausreichende Luftzufuhr und nicht zu heisse Temperaturen sind essenziell.»

Der Imker, der mit seiner Frau in Egolzwil lebt, geht mit seinen Bienen seit 1998 auf Wanderschaft. In der Schweiz gibt es den Verein Schweizer Wanderimker. Er zählt aktuell 190 Mitglieder. Erni sagt: «In Luzern setzen eine Handvoll Imker auf Wanderimkerei.»

Erni hat keine Angst vor Aussterben der Honigbienen

Um die Bienen stand es schon besser. So wird weltweit ein Rückgang an Völkern verzeichnet. Dennoch hat Erni keine Angst, dass die Honigbienen aussterben. Es gebe aber Regionen, wo es zu einem Kollaps der Bienenvölker gekommen sei. «Amerikaner tun vieles dafür», betont er und verweist auf den Einsatz von Antibiotika. In der Schweiz schade vor allem das Spritzen. Weniger sicher ist Erni, welchen Einfluss Monokulturen auf die Bienen haben.

Zurück zu Ernis Betrieb: Eine Prognose für das Honigjahr 2019 sei verfrüht, sagt der Egolzwiler, hofft aber vor allem auf guten Waldhonig. Kaum nachgekommen mit der Arbeit sei er 2015 – «ein aussergewöhnliches Jahr».

Ihm persönlich mundet der seltene Fichten- und Weisstannenhonig am besten, erzählt Roman Erni, während es vor seinen Magazinen im Friedental summt. Die emsigen Bienen nutzen nach den nassen Tagen das gute Flugwetter.

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