Interview

Ein Experte zu den Blaualgen im Kanton Luzern: «Im Vierwaldstättersee ist das Risiko am geringsten»

Sechs Hunde sind letzte Woche gestorben, nachdem sie im Neuenburgersee gebadet haben – schuld sind sogenannte Cyanobakterien oder auch Blaualgen, die das Wasser verseuchen. Philipp Arnold, Teamleiter Gewässer der Dienststelle Umwelt und Energie (UWE) vom Kanton Luzern, im Kurzinterview.

Drucken
Teilen

Der Vorfall am Neuenburgersee hat für Aufregung gesorgt. Ist solch ein Szenario auch in Luzernern Gewässer denkbar?

Philipp Arnold vom UWE.

Philipp Arnold vom UWE.

PD

Philipp Arnold: Algengift im Wasser ist kein neues Problem und vermutlich auch schon in unseren Seen aufgetreten. Vor allem vor drei bis vier Jahrzehnten, als die Mittellandseen noch höhere Nährstoffgehalte aufgewiesen haben und regelmässig Algenblüten aufgetreten sind. Es kann gut sein, dass das massive Fischsterben in den 80er-Jahren im Sempachersee damit zusammenhing. Denkbar ist es also, voraussehbar aber kaum. Toxine können sich innert weniger Tagen in den Algen bilden. Ich kann aber sagen: So etwas erwarten wir eher in einem Hitzesommer, darum rechnen wir heuer nicht damit.

Welche Seen im Kanton Luzern sind besonders anfällig für eine hohe Konzentration von Blaualgen?

Wir gehen davon aus, dass die Gefahr in den nährstoffreicheren Kleinseen wie dem Soppen-, dem Mauen- und dem Rotsee sowie in den Mittellandseen wie dem Baldegger-, Hallwiler- und Sempachersee am grössten ist. Der Vierwaldstättersee hingegen ist nährstoffarm und das Risiko somit am geringsten. Denn es ist bekannt, dass Blaualgen unter nährstoffreichen Verhältnissen – also in flacheren Gewässern mit intensiver Landwirtschaft und grösserer Siedlungsdichte im Einzugsgebiet – mit dem damit verbundenen hohen Algenwachstum in kurzer Zeit zu Massenvermehrung neigen. Wichtig ist aber, dass nicht die Algen an sich, sondern die toxischen Stoffe, die sie ins Wasser abgeben, gefährlich sind.

Kann man diese Stoffe als Laie erkennen?

Die Bakterienzellen an sich sind von blossem Auge nicht sichtbar, wenn sich die Zellen allerdings zusammenklumpen oder auflösen wird eine sogenannte Algenblüte oder ein Algenteppich sichtbar. Die Farbe an der Seeoberfläche ist je nach Algenart unterschiedlich; bei der Burgunderblutalge, einer Blaualgenart, etwa intensiv rot.

Burgunderblutalgen im Hallwilersee.

Burgunderblutalgen im Hallwilersee.

PD

Trotz leichter Entwarnung: Haben Sie Tipps für Badegäste, um sich zu schützen?

Egal ob es Blaualgen hat oder nicht, es gelten die üblichen Regeln. Heisst: Nicht in Bereichen baden, in denen sich Algenteppiche gebildet haben, kein Wasser schlucken und nach dem Baden duschen.

Mehr zum Thema