Ein Fest entlang der Reuss statt am Seebecken: das sind die Details zum Luzerner Fest ab 2021

Nach zwei Jahren Denkpause wird 2021 wieder gefestet. Das Luzerner Fest findet jedoch ohne Seebrücken-Sperrung dafür auch in der Neustadt statt.

Sandra Monika Ziegler
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Luzernerfest 2018: Mit neuem Konzept wird der Schweizerhofquai nicht mehr gesperrt.

Luzernerfest 2018: Mit neuem Konzept wird der Schweizerhofquai nicht mehr gesperrt.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern 30.Juni 2018

Die Stiftung Luzern hilft - vormals Luzerner helfen Luzerner - verpasst dem künftigen Stadtfest das Motto «entdecke - fire - hälfe». Mit den Festivitäten sollen der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung gefördert werden.

Geplant ist ein kleineres und weniger kommerzielles Fest, mit starkem lokalem Bezug: «vo Lozärn för Lozärn». Erstmals wird das Stadtfest wieder am 25. und 26. Juni 2021 und danach jährlich stattfinden. Wobei die Hauptaktivitäten am Samstag stattfinden und der Freitag nur optional vorgesehen ist. Das letzte Luzerner Fest fand übrigens 2018 statt.

Die Stadt Luzern übernimmt für drei Jahre das Patronat und beteiligt sich in dieser Zeit mit 980'000 Franken. Zum Vergleich: Bisher unterstützte sie das Luzerner Fest jeweils mit jährlich rund 100000 Franken. Die nun vorgesehene knappe Million umfasst die Vorbereitungen, die Durchführung in den Jahren 2021 bis 2023 und eine Defizitgarantie von 240 000 Franken, wie im Bericht und Antrag an den Grossen Stadtrat ausgeführt wird.Der Stadtrat beantragte deshalb einen Sonderkredit. Der wird voraussichtlich an der Sitzung vom 30. Januar behandelt.

Neuer Festperimeter - keine Strassensperrung

Das Konzept wurde überarbeitet. Mit dem neuen Festperimeter müssen Pilatusstrasse, Seebrücke und Schweizerhofquai nicht mehr gesperrt werden. Erwartet werden laut Stiftung zwischen 50'000 und 65'000 Besucherinnen und Besucher. Geht die Rechnung auf und die Besucherzahl wird erreicht, rechnet die Stiftung mit einem Gewinn von über 50'000 Franken.

Im Fokus stehe weniger der karitative Gedanke als der Anlass an sich. Das Fest soll «ein gesellschaftsbildender Beitrag» sein. Deshalb werde auf nationale Acts verzichtet und auf lokale und regionale gesetzt. «Zielgruppe ist die Bevölkerung der Stadt Luzern und die der angrenzenden Gemeinden», betont die Stiftung.

Fest entlang der Reuss

Die Trägerschaft des Festes ist die Stiftung. Sie gibt den Auftrag zur Durchführung an die Geschäftsleitung weiter. Diese wiederum besteht aus dem OK-Präsidium, der Geschäftsstelle und einem Vertreter der Stadt. Wer von der Stadt im Stiftungsrat Einsitz nimmt, ist noch nicht bestimmt.

Weiter gibt es diverse Sparten wie etwa Gastronomie, Sicherheit oder Infrastruktur. Auch hier wird jeweils eine verantwortliche Person bestimmt und zu guter Letzt gibt es noch Platzverantwortliche, die vor Ort aktiv sind. Gefeiert soll vor allem entlang der Reuss werden, sowohl in der Alt- wie auch in der Kleinstadt. Mit der Ausweitung der Anlässe ins Vögeligärtli kommt künftig auch die Neustadt dazu.

Stadtpräsident vom Konzept überzeugt

Für Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli sind die Änderungen «ein Schritt in die richtige Richtung» und nicht einfach eine Neuauflage des legendären Altstadtfestes:

«Das Fest ist künftig nicht auf die Altstadt konzentriert und bietet diverse kulturelle Angebote, nicht nur musikalische. Es geht also mehr in die Breite, soll Jung und Alt ansprechen. Der Grundgedanke des Festes stammt klar vom ehemaligen Altstadtfest, es ist aber eine Weiterentwicklung.»

Das vorliegende Konzept sei ein Anfang und werde im Detail noch ausgearbeitet, dass sei aber Sache der Stiftung. Zur Ausarbeitung des Konzeptes sagt Stiftungsratsmitglied Patrick Deicher: «Unser Fest sieht vor dass Quartiervereine, Fasnachtsorganisationen wie auch Sportvereine und Musikschulen mit im Boot sind. Kurz: Wir involvieren mehr Personengruppen in das Fest.» Ziel sei es mit dem Fest nicht nur eine Plattform für «einen lustigen Abend» zu bieten, sondern einen gemeinschaftlichen Gesellschaftsbeitrag zu leisten, so Deicher.

Finanzierung wirft Fragen auf

Die ersten Reaktionen der Parteien zum Engagement der Stadt Luzern sind optimistisch positiv mit gewissen Fragezeichen. So sagt etwa GLP-Fraktionschef Jules Gut: «Wir kritisierten immer den Gigantismus der vorherigen Feste. Das neue Konzept begeistert uns. Ob dies seinen Preis wert ist, kann noch nicht beurteilt werden.»

Bei der CVP werfen die Kosten ebenfalls Fragen auf, wie Grossstadtrat Michael Zeier-Rast auf Anfrage sagt: «Beim aktuellen Konzept übernimmt die Stadt das Patronat und trägt somit die finanzielle Hauptlast. Das wird noch Diskussionen geben. Denn die Stadt unterstützt auch andere Organisationen jedoch ohne Defizitgarantie.» Zudem werde der budgetierte Ertrag für karitative Zwecke gar kleiner. Dass aber mit der neuen Ausrichtung auch wieder «stille Momente» ihren Platz haben werde genauso begrüsst wie der Verzicht auf die Sperrung der Seebrücke.

Bei der FDP steht die interne Diskussion über das städtische Engagement noch an. Deshalb hält sich Parteipräsident Fabian Reinhard allgemein: «Das was beim Fest für die Wohltätigkeit erwirtschaftet wird, muss in einem sinnvollen Verhältnis zu den Gesamtkosten stehen.»

Ebenfalls noch nicht in der Fraktion thematisiert hat es die SVP wie auf Anfrage mitgeteilt wird, deshalb verzichtet die Partei zur Zeit auf ein Statement. Bei den Grünen kommt das Konzept mehrheitlich kritisch an, wie Fraktionschef Christian Hochstrasser sagt: «Wir sind prinzipiell nicht gegen Geld für die Kultur, doch mit einer Viertelmillion für ein eintägiges Fest ist es sehr hoch bemessen.» Für die Grünen ist der Widerspruch, dass ein karitatives Fest mit so viel Geld subventioniert werden soll.

Nicht erreicht für eine Stellungnahme wurde die SP-Fraktion.