Interview

Krienser erlebt filmreifen und schmerzvollen Trip in der Wildnis von Neuseeland – und schreibt ein Buch darüber

Der 24-jährige Krienser Alessandro Tarantino hat zwei Monate in der Wildnis von Neuseeland verbracht und darüber ein Buch geschrieben.

Interview: Turi Bucher
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Für einmal nur in der Wildnis des Krienser Sonnenbergs: Alessandro Tarantino.

Für einmal nur in der Wildnis des Krienser Sonnenbergs: Alessandro Tarantino.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 9. Januar 2020)

Der Titel Ihres Buches lautet: «Lehren aus der Wildnis – Eine Reise durch Neuseeland». Wieso haben Sie diese Erlebnisse eigentlich mit rund drei Jahren Verspätung veröffentlicht?

Alessandro Tarantino: Eine Buchveröffentlichung war ja nicht geplant. Viele Kollegen haben mich nach meiner Rückkehr aus Neuseeland gefragt: «Wie war’s?» Denen habe ich dann mit Fotos ein Bilderbuch zusammengestellt. Aber: Das Fotoalbum hat noch viel mehr Fragen aufgeworfen. So habe ich mich dazu entschlossen, meine Reise auf 258 Buchseiten zu beschreiben. Neben dem Reisebericht beinhaltet das Buch Denkanstösse, Erfahrungen und Zitate, welche mich in der Vergangenheit prägten und die ich heute als wichtig erachte.

Was war die Idee hinter der Reise nach Neuseeland?

Ich wollte 2017 die Fallschirmaufklärer-Rekrutenschule in Angriff nehmen. Das ist eine der härtesten RS unserer Armee. Zusammen mit meinem Berner Kollegen Joshua Baumann habe ich mich zuvor dazu entschlossen, dass wir uns in der Ferne auf diese strenge RS vorbereiten. Zuerst haben wir an ein Kung-Fu-Kloster in China gedacht. Die Wildnis hatte dann aber die stärkere Überzeugungskraft. Meditieren können wir in der Natur trotzdem, haben wir uns gesagt.

«Für Neuseeland haben wir uns entschieden, weil es dort am wenigsten gefährliche Tiere gibt.»

Welchen Tieren sind Sie denn begegnet?

Hasen, Gänsen, Enten, Mäusen, Rehen, Hirschen, Wildkatzen, Bergziegen, Fischen, Spinnen, Käfern, Würmern. Eine Ziege haben wir eine Zeit lang sogar im Lager aufgenommen und durchgefüttert. Zuletzt haben wir sie auf einem Bauernhof zurück gelassen.

Und ... verkauft sich das Buch gut, auch wenn keine Tiger oder Gorillas durch die Seiten rennen?

Ich bin wirklich zufrieden. Die Erstauflage von 200 Exemplaren war innert vier Wochen verkauft. Obwohl sie nur in der Papeterie meiner Schwester in Kriens erhältlich war und lediglich via Social Media ein wenig Publicity hatte. So konnte ich den Exemplarpreis bei der Zweitauflage von 1100 Stück von 35 auf 28 Franken senken und das Buch nun via diverse Buchhandlungen verkaufen.

Jetzt haben wir es lange genug spannend gemacht. Was haben Sie in der Wildnis von Neuseeland erlebt?

Wir sind zuerst nach Christchurch gereist, haben eine Jagdlizenz gelöst und ein Luftgewehr gekauft. Ein erstes Camp wurde in der Nähe von Queenstown aufgeschlagen. Weil wir nebenbei aber auch intensiv trainiert haben, verzichteten wir nach einer Weile auf die Jagd. Deshalb sind wir einmal pro Woche die ganze Nacht durch in die Stadt gelaufen, um uns mit Proviant einzudecken. Später ging es weiter nach Wanaka. Dort schlugen wir das zweite Lager auf, mit Lebensmitteln, die für unsere komplette Unabhängikeit vier Wochen lang ausreichen mussten.

So ähnlich hätten Sie es in der Schweiz auch haben können.

Ja, aber wenn Sie durch die Schweiz wandern, werden Sie irgendwann auf eine Berghütte und auf Menschen treffen. Wir waren immerhin drei bis vier Wochen allein, ohne Kontakt zur Zivilisation. Wir haben uns total auf die Natur eingelassen. Doch in der zweiten Woche der Reise habe ich mich verletzt, was unser Abenteuer erheblich erschwerte.

Was ist passiert?

Ich bin bei einer Flussüberquerung auf einem nassen Stein ausgerutscht. Einen Finger musst ich mir sogar selber einrenken. Aber ich möchte nicht zuviel aus dem Buch verraten. Ziemlich abenteuerlich war auch, als wir eine Landkarte falsch interpretiert haben und wir von einem Landeigentümer von seinem riesigen Grundstück vertrieben wurden. Wir mussten dann in einer Nacht- und Nebelaktion unser Lager räumen.

Das klingt richtig filmreif. Ihr schönstes, unvergesslichstes Andenken an die Neuseeland-Reise?

Die Sonnenuntergänge. Keine Menschen, keine Häuser, nur der orangefarbene Himmel über mir und all die Geräusche der Natur.

«Lehren aus der Wildnis» – welche Lehren haben Sie gezogen? Vielleicht, nicht auf nasse Steine zu treten?

Genau. Oder wenigstens sanfter zu fallen. Ich habe aus meiner Reise die Lehre gezogen, dass der menschliche Körper viel mehr leisten und ertragen kann, als man sich vorstellt.