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Ole Meyer arbeitet gerne auf dem Friedhof Friedental. Dort gibt es insgesamt über 14000 Gräber. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)

Ole Meyer arbeitet gerne auf dem Friedhof Friedental. Dort gibt es insgesamt über 14000 Gräber. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)

Ein Friedhofsgärtner sagt: «Ich hoffe, dass mehr Menschen über ihr Ableben sprechen»

Im Spital, in der Kirche und beim Bestatter gehört das Sterben gleichsam zum Jobprofil. Doch es gibt auch noch andere Berufsleute, die den Tod als ständigen Begleiter haben. Drei von ihnen haben wir besucht. In diesem Artikel lesen Sie mehr über den Alltag eines Friedhofsgärtners.
Chiara Zgraggen

Vogelgezwitscher und die Geräusche von weiter entfernten Krähen begleiten den Gang über den Friedhof im Luzernischen Friedental. Die ersten warmen Sonnenstrahlen durchstechen die reine, kühle Luft dieses Morgens. «Wir sind geerdete Menschen», sagt Ole Meyer, Abteilungsleiter Friedhof der Heini Gärtnerei im Friedental, während er einen Topf aufhebt – er, der schon als Zwölfjähriger für seinen Vater in «dessen» Friedhofsgärtnerei angepackt hat. Seine Tätigkeit als Friedhofsgärtner übe er sehr gerne aus, sagt er lächelnd. Dennoch: Den Betrieb, welcher sein Vater leitete, zu übernehmen, kam für den 44-jährigen Krienser nie in Frage. «Meine Arbeit als Friedhofsgärtner gefällt mir sehr gut. Ich wollte keine Floristikweiterbildung machen, die ich zur Übernahme des Betriebs gebraucht hätte.»

Im Krematorium Luzern: Das Innere des Ofens sollte stets 800 Grad betragen. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
In der Egli Sargfabrik arbeiten 41 Personen – davon 10 gelernte Schreiner. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Auch wenn Roboter Teilarbeitsschritte ersetzen, sind die Schreiner der Sargfabrik unerlässlich. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Pro Jahr stellt die Sargfabrik 28000 Särge her. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Roboter ersetzen einige Arbeitsschritte. Auch wenn es auf den ersten Blick paradox kling: «Dies hilft, Arbeitsplätze in der Schweiz zu sichern», sagt der Geschäftsleiter Andreas Egli. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Die Totenschreine sind nur wenige Kilogramm schwer. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Die meisten Särge aus Beromünster sind aus Tannenholz oder Weymouthföhre. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Die Totenschreine werden in vielen Arbeitsschritten hergestellt, auch wenn gut 90 Prozent der Särge schon nach kurzer Zeit im Ofen eines Krematoriums enden. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Die Egli Sargproduktion: «Ein Business wie jedes andere», so der Geschäftsleiter. (Bild: Pius Amrein, Beromünster, 22. Oktober 2018)
Die Gärtnerei Heini betreut 1700 Gräber auf dem Friedhof Friedental. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)
Ole Meyer von der Gärtnerei Heini mag das kreative Arbeiten. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)
Das Krematorium in Luzern liegt gleich beim Friedhof Friedental. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Roland Zurkirch holt einen Sarg aus dem Kühlraum im Krematorium Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Zeitgleich brennen jeweils zwei Öfen. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Die Temperaturunterschiede in den Räumen des Krematoriums sind enorm. Im Kühlraum herrschen gut 10 Grad, in den innersten Räumen sind es bis zu 30. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Hier im Bild: Tonurnen. Mittlerweile erfreuen sich jedoch auch biologisch abbaubare Urnen grosser Beliebtheit. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Paul Gisler nimmt drei Stunden nach dem Start des Kremationsprozesses die Überreste aus dem Ofen. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Nach der Einäscherung müssen Operationsimplantate wie etwa künstliche Hüftgelenke herausgenommen werden. Dann folgt der finale Schritt, der Zermahlungsprozess. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Auch Büroarbeiten gehören zum Arbeitsalltag von Paul Gisler (links) und Roland Zurkirch im Krematorium. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
Angehörige geben ihren verstorbenen Familienmitgliedern manchmal Rosen oder Teddybären mit auf den letzten Weg. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Oktober 2018)
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Sie arbeiten mit dem Tod

Unterdessen brummen einige Meter entfernt Baumaschinen. Schnell wird klar – der Friedhof befindet sich im Umbau. Beläge und Wasserleitungen werden erneuert. Aber auch auf den Gräbern werden kurz vor Allerheiligen noch letzte Änderungen vollzogen. «Momentan arbeiten wir fünfeinhalb Tage in der Woche, um die Gräber bis zum ersten November fertigzustellen», sagt Ole Meyer und betont, die Überzeit sei für ihn kein Problem.

Um 1700 Gräber kümmern sich drei Gärtner

14000 Gräber erstrecken sich über das 17 Hektar grosse Areal im Friedental. Drei Mitarbeiter der Gärtnerei Heini kümmern sich hier um 1700 Gräber. In der Zeit vor Allerheiligen vergrössert sich das Team temporär auf sechs Gärtner. Konkurrenzdenken bestehe im Friedental kaum. «Wir, die hier auf dem Friedhof arbeiten, verstehen uns gut», bekräftigt Meyer.

Er jätet, giesst, bepflanzt – allesamt Arbeiten, die auch ein gewöhnlicher Gärtner vollzieht. Mit dem Unterschied, dass Meyer und seine Mitarbeiter immer wieder mit trauernden Angehörigen in Kontakt treten. «Dafür sollte man gemacht sein und gerne auf dem Friedhof arbeiten. Das tue ich», sagt Ole Meyer. Dennoch stellt sich die Frage, ob der Tod als ständiger Begleiter nicht an der Seele nagt. «Nein. Ich betrachte meine Arbeit als sinnvoll. Die Werke, die wir als Gärtner vollbringen, sind Andenken an die Verstorbenen und zudem etwas Schönes für die Angehörigen. Das tut gut», antwortet er.

Die Werke, die wir als Gärtner vollbringen, sind Andenken an die Verstorbenen und zudem etwas Schönes für die Angehörigen. Das tut gut.»


Ole Meyer, Friedhofsgärtner

Die Gärtnerei Heini betreut 1700 Gräber auf dem Friedhof Friedental. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)

Die Gärtnerei Heini betreut 1700 Gräber auf dem Friedhof Friedental. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 25. Oktober 2018)

Je später der Morgen, desto mehr Menschen finden sich auf dem Friedhof ein. Ältere Frauen legen Blumen nieder, der Steinmetz reinigt einen Grabstein – und dann kreuzen gleich drei junge Friedhofsgärtnerinnen der Stadt unseren Weg. «Das ist nicht ungewöhnlich», kommentiert Meyer. «In unserem Beruf arbeiten ziemlich viele Frauen.» Der Blick schweift über die Natur um den Friedhof. Ins Auge sticht die Sicht auf den Rotsee, dessen Oberfläche in der Morgensonne glitzert. Bald sind wir am Ende des Rundgangs angelangt. Ob er denn noch etwas ergänzen möchte? «Ja», sagt er mit ruhiger Stimme. Er hoffe, dass mehr Menschen über den Tod sprechen. Ole Meyer ergänzt: «Es besteht zwar bereits eine gewisse Offenheit. Dennoch hoffe ich, dass die Leute ihre Wünsche über ihr Ableben klar kommunizieren. Es ist schwer, über die eigene Beisetzung zu sprechen. Aber es hilft den Angehörigen.»

Hier finden Sie die beiden weiteren Artikel zum Thema «Menschen, die mit dem Tod arbeiten»:

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