Ein heisser Moment zum Abschluss

Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird es Aschermittwoch sein. Oder Donnerstag, falls Sie am letzten der rüüdigen Tage etwas zu sehr über die Stränge geschlagen haben. Mir, Eberhard LXVII., ehrenfester Zunftmeister der Bachneunaugen-Zunft, passiert dies nicht.

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(Anm. d. Red.: ein Beleg dafür blieb bis Redaktionsschluss aus. Allerdings verweisen wir auf eine Aussage, die Eberhard LXVII. nach seiner Wahl vor mehreren Zeugen machte: «Ich gelte als einer, der das Bier nicht mag und stets bei den Ersten ist, die nach Hause gehen. Mit der Übernahme dieses Amtes möchte ich beweisen, dass ich auch anders kann.»)

Am letzten Tag der Fasnacht sorgt die hochwohllöbliche Bachneunaugen-Zunft noch einmal für einen Höhepunkt: die traditionelle Verbrennung der «Nünelis»: Mitten auf dem Dorfplatz errichten unsere Jung-Zünftler, die Kaulquappen, einen riesigen Scheiterhaufen, auf dem Hunderte Bachneunaugen verbrannt werden, ein würdiges Ende der hiesigen Fasnacht. Heuer durfte ich, Eberhard LXVII., zusammen mit meiner Wiltrud das lodernde Feuer im goldenen Zunft-Landauer umrunden. Eine gute Stunde ging es, dann waren alle «Nüneli» verbrannt.

Zur Entrüstung gibt es übrigens keinen Grund. Wir sind keine herzlosen Unmenschen und verbrennen natürlich nicht aus purem Vergnügen echte Bachneunaugen auf dem Scheiterhaufen. Nein, da brutzeln natürlich wunderbar gemachte Pappmaschee-Attrappen. Und das seit Jahrzehnten! (Genauer gesagt seit vier Jahren – und das auch nur auf massiven Druck der Tierschutzverbände. Anm. d. Red.)

Die Zehntausenden Zuschauer (wir konnten das vor lauter Rauch nicht überprüfen, Anm. d. Red.) akzeptieren das natürlich und waren gestern ebenso begeistert wie wir – und drängten sich immer näher an den Scheiterhaufen. Der kundigen Hand von Kutscher Chläus war es zu verdanken, dass unser Landauer nicht wie die Fische gebrätelt wurde. Ein wahrhaft heisser Moment.

Die Fasnacht als Ganzes war in Froschbach ein riesiger Erfolg, ein rüüdig-verrecktes Erlebnis, das von Zehntausenden am Zunftball, der Tagwache, im Altersheim oder am grossen Umzug mitgefeiert wurde. Nicht dass ich, Eberhard LXVII., daran gezweifelt hätte. Und eins ist klar: Nach meiner grossartigen, rüüdig-verreckten Froschbacher Fasnacht braucht mein Nachfolger ganz sicher einen Crowd-Mänätscher.

Hinweis

«Der Regent» ist ein höchst fiktiver Zunft­meister einer ebenso fiktiven Zunft in einem noch fiktiveren Ort auf der Luzerner Land­schaft. Er berichtet in dieser Kolumne über seine Fasnachtserlebnisse. Fiktive, natürlich.