Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ein Hoch auf die Super-Hocke

Einblicke - Unser Kolumnistin über verwirrliche Verbotsschilder und die Kunst des Hockens.
Anemi Wick, Journalistin, Hanoi
Anemi Wick

Anemi Wick

Das Strichmännchen taucht in Toiletten auf. In einer bizarren Pose, auf diesen Verbotsschildern. Es kauert mit den Füssen auf der Klobrille in Kampfstellung. Als wären die «Avengers» unter uns und würden hier heimlich austreten. Denn welcher Normalsterbliche schafft schon so einen zirkusreifen Balanceakt?

Das Klobrillenhock-Verbot hat die Welt erobert, es ist bis auf die Rigi, schicke Örtchen Singapurs und internationale Flughäfen vorgedrungen. Dabei macht dieses arme Superhelden-Strichmännchen theoretisch alles richtig.

Mich hatte es zwei Jahre Yoga gekostet, um diese Hockstellung (Malasana!) zu meistern, mit den Fusssohlen flach am Boden, Knie- und Hüftgelenke maximal eingeklappt. Hier in Vietnam ist die Stellung nicht auf Klobrillen, dafür aber überall sonst alltäglich und hat nicht unbedingt mit Stuhlgang zu tun, sondern im Gegenteil auch mit der Abwesenheit von Stühlen. Man hockt so am Strassenrand, auf Schul-Pausenplätzen, auf dem Fischmarkt und in Velowerkstätten.

Tief gehockt wird nicht nur in Vietnam, sondern überall in Asien. Deshalb heisst die Stellung ja auch «Asian Squat». Nur wir Westler scheinen dafür zu gstabig und zu ungelenk zu sein und purzeln beim Versuch, uns so hinzuhocken, um.

Gut, dass es Fachleute gibt, die dafür eine Erklärung haben: Der springende Punkt ist die Beweglichkeit im Sprunggelenk. Zwar sind wir alle geborene Hocker, aber wir Westler verlernen sie dann beim Aufwachsen, wegen all der Stühle und vor allem der Sitztoiletten. Sitzen ist ja das neue Rauchen, sagen Experten. Wir sitzen uns dem Verstopfungsverderben entgegen, warnen die Darmlobby und ganze schwer verdauliche Bücher zu diesem Thema.

Vietnam ist zwar mit Sitzklos sehr wohl vertraut, dennoch vermuten Hockprofis des Internets, dass das ausserhalb der westlichen Welt verbreitete «Stehklo» – nur schon diese Bezeichnung ist ganz offensichtlich total in die Hose gegangen – der gesunden Hockfähigkeit zuträglich ist.

Nun will ich damit natürlich nicht sagen, dass Sie sich auf Klobrillen hocken sollten, weder zu Hause noch in Bergbahnen noch sonst wo. Das sollte niemand versuchen, ist ja auch gefährlich. Aber haben Sie doch etwas Verständnis für die Spider-Men, Strichmännchen und Alltags-Ninjas dieser Welt, die diesen bewundernswerten Stunt überhaupt hinkriegen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.