Achtjähriges Mädchen will sich einen Hund anschaffen – weil er ihre Epilepsie-Anfälle voraussehen kann

Carmen (8) aus dem Luzerner Seetal leidet an Epilepsie. Jetzt sucht sie Geld, um sich einen Hund anzuschaffen. Dieser soll Carmens Anfälle schon voraussehen, bevor sie überhaupt auftreten. 

Sasa Rasic
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Carmen posiert mit einem Assistenzhund. Schon bald soll sie einen eigenen Epilepsie-Hund erhalten. (Bild: PD)

Carmen posiert mit einem Assistenzhund. Schon bald soll sie einen eigenen Epilepsie-Hund erhalten. (Bild: PD)

Sie sind schwierig vorauszusehen und können lebensbedrohlich sein. Die Form und Stärke der Anfälle unterscheidet sich bei Epilepsie-Betroffenen und kann bei einem grossen Krampfanfall zu Besinnungsverlust und anhaltender Atemnot führen.

Medikamente zur Linderung existieren, doch sie helfen nicht in jedem Fall gleichermassen. So ist das Leben mit Epilepsie auch für die achtjährige Carmen aus dem Luzerner Seetal nicht durch Medikation zu erleichtern. Die Nebenwirkungen der Anitepileptika waren bei ihr einschneidend: Markante Wesensveränderungen, starke Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule. In Absprache mit den Ärzten setzte sie die Medikamente wieder ab. Ihre starken Epilepsie-Anfälle mit Bewusstseinsstörungen kehrten zurück und sie legen Carmen etwa alle zwei Wochen komplett lahm.

Sie nehmen minime Veränderungen am Körper wahr

Ohne Medikamente muss Carmen rund um die Uhr unter Aufsicht sein. Und genau hier kann ein spezieller Vierbeiner mithelfen: Ein Epilepsie-Begleithund, kurz EpiDog genannt. Die speziell darauf trainierten Hunde können mit ihrer dem Menschen deutlich überlegenen Wahrnehmung Anfälle sozusagen voraussehen. Veränderungen im Körper können sie unter anderem mit ihrem viel besseren Geruchssinn oder der ausgezeichneten Beobachtungsgabe deutlich früher erkennen und vor ihnen warnen. Mit der Vermittlung solcher helfenden Hunde beschäftigt sich «EpiDogs for Kids». Für Präsidentin Madlaina Blapp ist klar: «Für epilepsiebetroffene Kinder ist ein EpiDog Lebensretter, Sozialpartner, bedingungslos bester Freund. Für die Familien bedeutet er Hoffnung, Sicherheit und dauerhafte Lebensqualität.»

Im Gegensatz etwa zu Blindenführhunden ist die Ausbildung deutlich individueller auf die Betroffenen ausgerichtet. Blapp: «Das Ziel ist, dass der EpiDog idealerweise bereits als Welpe in die neue Familie einzieht. Wenn er diese als sein Rudel wahrnimmt, reagiert er intuitiv und greift ein, falls er merkt, dass einem Mitglied seiner Familie gerade etwas Ungewöhnliches passiert.» So erkennen die Hunde Anfälle, wenn sich solche abzeichnen und reagieren darauf. Einige bellen laut, um Hilfe herbeizurufen, aber oft reagieren sie auch instinktiv mit offensivem Ablecken von gezielt ausgesuchten Körperstellen, was zur Entspannung führt. Oder sie legen sich auf die Patienten, um Unfälle zu verhindern. Je nach Fall kann laut Betroffenen so auch die Stärke der Anfälle vermindert oder der Anfall sogar ganz verhindert werden.

Die Ausbildung des Hundes kostet 15'000 Franken

Der gemeinnützige Verein unterstützt Carmens Familie bei der Anschaffung und Ausbildung ihres EpiDogs und finanziert die Ausbildung. Blapp: «Diese individuelle, auf die spezifischen Bedürfnisse der epilepsiebetroffenen Kinder und deren Familien abgestimmte Ausbildung dauert im Normalfall zwei bis vier Jahre und kostet rund 15'000 Franken.» Seit der Gründung im Jahr 2014 hat der gemeinnützige Verein bereits rund 20 EpiDogs an Familien vermittelt und unterstützt diese auch weiterhin.

Der Aufwand wiegt umso schwerer, da sich weder die IV noch die Krankenkassen an diesen Kosten beteiligen. Dies etwa im Gegensatz zu Blindenführhunden, bei denen gewisse Kosten übernommen werden. Nun hat «EpiDogs for Kids» über die digitale Sammel-Plattform Crowdly ein Crowd-Funding zur Finanzierung der Ausbildungs-Kosten für Carmens EpiDog ins Leben gerufen. So können sich gewillte Spender an den Kosten beteiligen.

Der Welpe ist bereits geboren

Mit ihrer Sammlung für Carmens besonderen Begleithund ist der Verein EpiDogs übrigens sehr gut unterwegs. Am 24. Oktober wurde die Aktion lanciert, gestern lag der Stand schon bei knapp 13'000 Franken des Sammelziels von 15'000 Franken. Kurz vor dem Knacken der 10'000-Franken-Marke wurde auf der Sammel-Plattform Crowdly von Madlaina Blapp eine Aktualisierung aufgeschaltet: «Wow, wir sind überwältigt von Eurer Solidarität und Unterstützung – herzlichen Dank!» Und es gibt weitere gute Nachrichten: Hündin Ruby von der Labradorzucht «Diamond of Red Castle» in Rothenburg, von welcher Carmen ihren EpiDog bekommen wird, hat gerade drei Welpen auf die Welt gebracht.

Hinweis: Weitere Informationen auf www.epidogsforkids.ch