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Luzerner «Hurricane» will Migranten besser integrieren

Box-Weltmeister Tefik Bajrami und der kirgisische Ex-TV-Journalist Kairat Birimkulov wollen in der Zentralschweiz neue Wege in der Integration gehen. Die sozialen Medien dienen dabei als Mittel zum Zweck.
Balz Bruder
Box-Weltmeister Tefik Bajrami (rechts) und der kirgisische Ex-TV-Journalist Kairat Birimkulov. (Bild: Balz Bruder, 4. Juni 2018)

Box-Weltmeister Tefik Bajrami (rechts) und der kirgisische Ex-TV-Journalist Kairat Birimkulov. (Bild: Balz Bruder, 4. Juni 2018)

Rund ein Viertel der Bevölkerung hierzulande hat einen ausländischen Pass. Die Menschen, die sich hinter dieser Zahl verbergen, haben zum einen keine politische Stimme. Und zum andern kommen sie auch sonst eher selten zu Wort. Selbst wenn die anderen drei Viertel munter Migrationsthemen verhandeln. Und mutig darüber urteilen. Nicht zu reden von den Klischees, die das Thema begleiten.

Dies vor allem will der Ende Mai in Luzern gegründete Verein «zusammen» ändern. Der Präsident, Ex-TV-Journalist Kairat Birimkulov, und seine Mitstreiter begehen dabei nicht die zuweilen etwas ausgetretenen Pfade des interkulturellen Austausches in Quartier- und anderen Vereinen. Sie setzen auf die sozialen Medien als Plattform für Motivation, Innovation und Umsetzung. Der neue Verein will laut Statuten das «friedliche und respektvolle Zusammenleben verschiedener Kulturen in positiver Atmosphäre» fördern. Und dabei schwergewichtig in der Zentralschweiz tätig sein.

«Die kulturelle Vielfalt in der Schweiz ist einzigartig», sagt Birimukulov, der mit seiner Familie seit zehn Jahren in Kriens lebt, «aber das Potenzial liegt brach». Was der bekannte frühere kirgisische Journalist und heutige Flüchtlingsbetreuer meint, ist dies: «Migranten und Schweizer – und umgekehrt – wissen erstens zu wenig voneinander, und zweitens können sie die Chancen des interkulturellen Austausches nicht nutzen.»

«Es reicht nicht, wenn wir zusammen kochen»

«Es ist schön, wenn Schweizer und Ausländer zusammen kochen, tanzen und spazieren», sagt der Präsident von «zusammen», «aber das reicht nicht.» Es gehe darum, in Erscheinung zu treten, eine Stimme zu bekommen, gehört zu werden, sich kennen zu lernen und sich austauschen zu können, betont Birimkulov. Und das gehe über soziale Medien heute einfacher und schneller als in herkömmlichen Formaten und Strukturen.

Birimkulov weiss, wovon er spricht. Er ist Initiator des in Luzern erfolgreich erprobten Versuchs, Migrantinnen und Migranten mit Karaoke-Abenden an die deutsche Sprache heranzuführen. Und er hat zusammen mit dem Luzerner Box-Weltmeister Tefik «The Hurricane» Bajrami im vergangenen Jahr einen Event in dessen Kampfsportschule durchgeführt. Der Kosovo-Albaner Bajrami, seit über einem Vierteljahrhundert in der Schweiz, engagiert sich denn auch als Vizepräsident bei «zusammen». Weitere Vorstandsmitglieder sind der am Kantonsspital Luzern tätige sri-lankische Arzt Sri Sivasubramaniam und der Krienser Ivan Buholzer.

Birimkulov und Bajrami sind überzeugt, dass Integration und Austausch über Sport und Musik – insbesondere für die schwerer erreichbaren Männer – ein erfolgversprechender Weg ist. Sie erhoffen sich denn auch zahlreiche Ideen, die zu konkreten Anlässen führen – von Sportevents und Musikfestivals über Ausstellungen bis zu Theaterstücken. Die sozialen Medien dienen dabei als Mittel zum Zweck und sollen nicht konkrete Aktivitäten ersetzen. «Auf Facebook und Twitter (#myCH#zusammen) sind wir schon, Youtube und Instagram werden folgen», sagt Birimkulov.

Verein macht keine Politik

Trotz ihres Engagements: «Wir machen keine Politik», betonen Birimkulov und Bajrami unisono, «wir wollen mit unseren Aktivitäten vielmehr dafür sorgen, dass Migranten und Schweizer voneinander lernen und profitieren können.» Das komme der Gesellschaft insgesamt zugute. Und führe zur Entspannung der Migrationsdiskussion, die stark von Vorurteilen geleitet sei. «Das müsste nicht sein», führen die beiden Mitglieder der Stadtluzerner Migrationskommission aus, «es gäbe so viel gemeinsam zu entdecken.»

Das Projekt wird bereits mit Interesse verfolgt. «Reporter ohne Grenzen» unterstützt es mit einem namhaften Startbeitrag. Gut möglich, dass das Luzerner Beispiel Schule macht. Von Luzern aus in der Zentralschweiz und darüber hinaus.

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