Ein in Luzern gegründeter Verein soll die Yoga Therapie bekannter machen

Über Yoga Therapie gebe es viele falsche Vorstellungen, sagt Gisela Stauber. Ein von ihr co-präsidierter Verein soll das nun ändern.

Stefan Dähler
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Gisela Stauber (links), Co-Präsidentin des neuen Vereins, mit Vorstandsmitglied Astrid Krummenacher. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. September 2019)

Gisela Stauber (links), Co-Präsidentin des neuen Vereins, mit Vorstandsmitglied Astrid Krummenacher. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. September 2019)

Der Mitte Monat gegründete Verein KT Yoga dient den Therapeutinnen in erster Linie als Plattform, um Erfahrungen auszutauschen. KT steht für Komplementärtherapie «Wir setzen uns auch für die Vernetzung mit nationalen und internationalen Organisationen ein», sagt Gisela Stauber, Co-Präsidentin des Vereins und Dozentin für Yoga Therapie. Zur Vereinsgründung in Luzern wurden auch Krankenkassen eingeladen, um den Beruf bekannter zu machen. «Wir wollen uns bei den Krankenkassen dafür einsetzen, dass mehr Zusatzversicherungen Yoga Therapie abdecken.»

Da der Beruf der Komplementärtherapeutin in der Methode Yoga Therapie noch relativ unbekannt ist, soll der Verein auch die Bevölkerung informieren. «Es gibt viele falsche Vorstellungen, wie Yoga wirkt. Jede Yogapraxis wirkt auf jeden Menschen anders», so Stauber. «Deshalb ist es so wichtig, diese anzupassen und auch an die jeweiligen Ressourcen und Fortschritte zu adaptieren.» Die Atmung nehme eine Schlüsselrolle ein, sie erhöhe Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit. Damit der Klient zu Hause regelmässig üben kann, zeichnen die Therapeutinnen die Übungen beispielsweise auf oder filmen sie.

Ausbildung ist vom Bund anerkannt

Die Vereinsgründung ist der nächste Schritt in der Entwicklung des Berufs. Seit einem Jahr bietet das Institut für Komplementärtherapie in Luzern die vom Bund anerkannte Ausbildung «Komplementärtherapeutin» in der Methode Yoga Therapie an. Das sei einzigartig in Europa. Lange habe man auf diese Anerkennung hingearbeitet – und setze in der Komplementärtherapie neue Qualitätsstandards um. «Alle Methoden haben eine gemeinsame Grundlagenausbildung mit medizinischen und sozialwissenschaftlichen Inhalten», so Stauber.

Da die Ausbildung in Luzern angeboten wird, gibt es hier folglich auch schon einige Therapeutinnen. Sie haben bereits verschiedene Gruppen lanciert, beispielsweise für Senioren oder Frauen mit Risikoschwangerschaften. So finden Menschen, die ihre Yogatherapie abgeschlossen haben, einen Zugang zu einer Yogagruppe, die ihren Bedürfnissen gerecht wird.

Gespräch steht am Anfang

Doch was macht eine Komplementärtherapeutin in der Methode Yoga Therapie überhaupt? «Am Anfang steht das Gespräch, in dem die Bedürfnisse, Einschränkungen und Ziele des Klienten besprochen werden. Danach wird gemeinsam für das eigene Üben eine individuell angepasste Yogapraxis entwickelt, um den Klienten in seinem Prozess zu unterstützen», sagt Stauber. «Wir machen keine medizinischen Diagnosen oder Heilsversprechungen, sondern unterstützen oder ergänzen schulmedizinische oder andere Behandlungen.» Die Therapieform eigne sich zum Beispiel bei Rücken- oder Nackenbeschwerden, bei Schmerzen oder auch Stress.

In der Regel treffe man sich im Einzelsetting für etwa sechs Sitzungen über ein halbes Jahr verteilt. «Dabei ist wichtig, dass die Klienten daheim die Übungen machen. Doch es geht nicht um richtig oder falsch. Wir passen nicht den Menschen an die Yogaform an, sondern die Yogaübungen an den Menschen», sagt Stauber. Die Klienten sollen sich wohlfühlen und Freude haben. Der letzte Schritt sei, das Gelernte in den Alltag zu integrieren. «Einige fahren danach in einem Gruppenkurs weiter.»