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Ein Krampf

Einblicke
Christian Peter Meier, Leiter Reporterpool
Christian Peter Meier

Christian Peter Meier

Beim Voruntersuch sprach die Dermatologin von einer «ambulanten Intervention». Es sollte sich als eine ziemlich blutige Angelegenheit herausstellen. Das Gemetzel begann schon morgens unter der Dusche. Den Patienteninformationen hatte ich die Aufforderung entnommen, mit rasierten Beinen («inklusive Bikinizone») zum Termin zu erscheinen. Kein Problem, dachte ich. Mit meinen Jahrzehnte langen Erfahrungen im Rasieren sollte das ein Kinderspiel sein.

Was für eine Fehleinschätzung! Ich erspare Ihnen die Details. Nur so viel: Am Ende floss aus einem Dutzend Schnittwunden Blut – und zwar buchstäblich in Strömen, weil ich mir schon am Vorabend eine Flüssigkeit mit koagulationshemmender Wirkung hatte spritzen müssen. Stichwort Trombosenprophylaxe. Sie dürfen mir glauben: Diese Er­fahrung hat meinen Respekt vor weiblicher Körperpflege im Bereich der unteren Extremitäten massiv steigen lassen.

Stunden später präsentierten sich meine Beine in der Praxis der Drematologin ungefähr so, als hätte die «Intervention» bereits stattgefunden. Ärztin wie Praxisassistentin liessen sich kaum etwas anmerken und behaupteten, ein solches Bild offenbare sich ihnen bei männlichen Patienten öfter. Erstaunen vermochte ich bei ihnen dann allerdings aus­zulösen, als ich darauf bestand, den bei lokaler Betäubung stattfindenden Eingriff aktiv mitverfolgen zu wollen. Man beschied mir, Männer – erst recht gross gewachsene – ­würden dies meistens nicht so gut verkraften.

Nun, ich bin nicht in Ohnmacht gefallen – und weiss darum nun aus eigener Anschauung, dass die Entfernung von Krampfadern ein einigermassen blutiges Geschäft ist. Auch hier will ich nicht allzu explizit werden. Aber Sie kennen vielleicht den Begriff «Parieren». Er bezeichnet in der Metzgerbranche jenen Vorgang, bei dem ein durchzogenes Stück Fleisch von Sehnen und Fettteilen befreit wird. Daran habe ich mich während des fast zweistündigen Vorgangs mehrfach erinnert gefühlt. Wobei das Prozedere am lebenden Objekt eben in einem ungleich feuchteren Umfeld stattfindet ...

Die Wunden sind inzwischen weitgehend verheilt – und zwar die selbst wie die ärztlich zugefügten. Auch die Rechnung ist übrigens schon eingetroffen. Sie veranlasst mich zu einem Ratschlag: Falls Sie das Talent zum Parieren haben, werden Sie auf keinen Fall Fleischfach­verkäuferin!

Christian Peter Meier, Leiter Reporterpool

christian.meier@luzernerzeitung.ch

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