«Stadtwärts»: Ein Krienser Lehrstück für Bauwillige

Für ein Haus, das einst 12 Zentimeter zu hoch gebaut wurde, ist jetzt nachträglich die Baubewilligung erteilt worden. Denn das Haus «schrumpfte» und ist nur noch 2 Zentimeter zu hoch und damit im Toleranzbereich.

Sandra Monika Ziegler
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Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

Wie ist das möglich? Da staunt nicht nur der Laie, da staunen auch die Einsprecher. Nach gut acht Jahren juristischen Kampfes scheint sich jetzt im Streit um die Höhe eines Anbaues eine Lösung anzubahnen. Denn auf wundersame Weise ist das Gebäude nicht wie nach der Fertigstellung 12, sondern nur noch 2 Zentimeter zu hoch. Auch die 7 Zentimeter, die damals Kriens kommunizierte, wurden unterboten.

Dreimal wurde die Höhe des Gebäudes gemessen. Ein erstes Mal von der Einsprecherin, die einen Rückbau forderte, dann noch zweimal von Kriens selber. Und siehe da, mit jeder Messung kam man dem Ziel näher. Das Haus schrumpfte. «Nicht ganz», wird mir versichert. Die Fixpunkte, die für die Messung der Höhe ausschlaggebend sind, wurden kurzerhand erhöht und somit die Überschreitung minimiert; sie liegt nun im Toleranzbereich.

Ein geniales Rechenspiel, das auch in anderen Lebenslagen angewendet werden kann. «Nein, das ist kein Rechenspiel, das ist pure Realität, fast schon zum Lachen», sagt der Einsprecher. Er fügt an: «Da wurden Gesetze umgangen und ausgehebelt. Wir sind konsterniert, dachten, Gesetze seien da, um sich daran zu halten. Aber es zeigt sich, man lernt nie aus. Solche Lehrstücke schmerzen und sind nicht rechtens.»

Der Zentimeterstreit beschäftigte über Jahre Juristen, Gerichte, Bauherren, Nachbarn und die Stadt Kriens. Mit einer freien Zahleninterpretation und einem langen Schnauf kommt man ans Ziel. Selbst das Luzerner Kantonsgericht stellte in seinem Urteil zwar fest, dass nach Lage der Akten, die Überschreitung der Dachkantenhöhe formell rechtswidrig ist – und Kriens deshalb eine nachträgliche Baubewilligung erteilen musste. Die liegt jetzt auf. Die Erhöhung des Dachrandes auf 458 m. ü. M. ist bewilligt.

Ein erneuter Gang durch die Instanzen sei aber sinnlos. Laut Einsprecher habe sich jetzt schon gezeigt: «Wer die finanziellen Mittel hat, der ist auf der Siegerspur. Damit einer gewinnt, braucht es einen Verlierer. Und das sind jetzt wir.»