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Ein Luzerner Biker will die Wikinger mit ihren eigenen Waffen schlagen

Der 58-jährige Coni hat während 14 Jahren das Motorrad «Ulfberht» gebaut. Damit will der Malterser an der grössten Custom-Bike-Show Skandinaviens einem «Trauma» ein Ende setzen und zugleich beweisen, dass Schwedenchopper aus der Schweiz die besten sind.
Roger Rüegger
Der Schwedenchopper Ulfberht hier in der Werkstatt CCCP. Die Maschine misst 320 Zentimeter. In der Schweiz sind 400 Zentimeter zugelassen.
Remo «Coni» Bernasconi mit seinem Schwedenchopper Ulfberht in seiner Werkstatt. (Bilder: Manuela Jans Koch, Malters, 14. Februar 2019)
Thors Hammer darf nicht fehlen. Wer den Schweden den Kampf ansagt, muss auf solides Handwerk zurückgreifen.
Nicht protzig aber zweckmässig. Die kleinen Blinklichter sind nicht zu übersehen.
Auch die Telegabel des Choppers ist mit schmucken Details ausgestattet.
Die Fussrasten des Choppers mit dem Firmenlogo CCCP: Conis Custom Chopper Project.
Das Zündgehäuse wird mit dem umgebauten Tankdeckel eines Rennwagens verschlossen.
Das Ventil des Vorderrades ist stilecht mit einem Totenkopf versehen. Odin lässt grüssen.
Ein Reservekanister und ein Beil ist auf der Reise in den Norden sicher dienlich.
Der Tank und der Lenker sind ebenfalls in Malters hergestellt worden.
Remo «Coni» Bernasconi präsentiert das Schwert «Ulfberht», das aus hochwertigem Stahl hergestellt wurde. Sein Bike trägt denselben Namen, da hochwertiges Material verarbeitet wurde.
Der Chopper wurde ausnahmsweise in Glanz und in den Farben Schwedens lackiert.
Die Kupplung: Sie wird an Conis Schwedenchopper von Hand betätigt.
Kurbelwelle und Kupplung sind nicht in einem Primärkasten versteckt.
Was Coni in die Hand nimmt, ist fahrbar. Seinen Schwedenchopper hat er in 14 Jahren aufgebaut. Mit diesem Modell will er die grösste und älteste Bikeshow in Schweden gewinnen.
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Der Chopper «Ulfberht» aus dem Hause CCCP in Malters besticht durch Details

Schwedenchopper sind Motorräder mit langen Gabeln und ungefederten Rahmen. In Malters gibt es einen Typen, der sich solchen Bikes mit grossem Engagement widmet. Er ist weit über die Töff-Szene als Coni bekannt. Der 58-jährige gelernte Schlosser baut in seiner Werkstatt CCCP (Conis Custom Chopper Project) seit 1998 Chopper, die auf Schweizer Strassen zugelassen sind. «Meine Maschinen haben von Hand gefertigte Starrahmen, matte Lackierung und Autoreifen», erklärt Remo Bernasconi, einer der letzten Schweizer Motorrad-Hersteller.

Sein aktuelles Projekt «Ulfberht» ist ein Chopper, den er praktisch seit 2004 in Arbeit hat. «Zuerst war nur eine Idee, ein Motorengehäuse und ein Öltank. Mein Traum war und ist, mit einem Schwedenchopper die grösste und bedeutendste Bike-Show in Skandinavien zu gewinnen», erklärt Coni. Dies basiert auf einem «traumatischen» Erlebnis in den 80er-Jahren, das Coni bis heute begleitet. Er fuhr mit einigen Kumpels an diese Bike-Show in Norrtälje in Schweden.

«Wir hatten damals die Gabeln unserer Harleys um fünf Zentimeter verlängert. Ich fuhr einen Senn-Chopper, der zu dieser Zeit mit seiner Spezialgabel als eines der gröbsten Motorräder in der Schweiz galt.» Den Auftritt im Norden beschreibt er so:

«Wir glaubten, mit unseren umgebauten Bikes seien wir die coolsten.»

Coni auf seiner Senn Harley. (Bild: PD)

Coni auf seiner Senn Harley. (Bild: PD)

Kaum auf dem Festgelände angekommen, seien ihnen ein paar Mädchen auf Choppern begegnet. «Die hatten Wahnsinnsmaschinen mit 1600er-Motoren und unendlich langen Gabeln. Damit haben sie uns ziemlich die Hosen runtergelassen. Wir parkten unsere Stühle am Waldrand, die brauchten wir ja niemandem zu zeigen. Beeindruckt wäre keiner gewesen.»

Er hingegen war mehr als beeindruckt von den Bikes der Einheimischen. Wieder zu Hause gab es für ihn nur eines: Selber solche Maschinen zu bauen. Coni betrieb damals mit einem Kollegen eine Motorradwerkstatt. «Ich wollte solches Zeugs legal auf die Strasse bringen. Dafür war eine Typenprüfung nötig. Die erreichten wir, es hat uns aber richtig Kohle gekostet», sagt der Mechaniker.

Das war 1995. Seither gilt Coni als Hersteller. Inzwischen kurven zahlreiche Choppers mit langen Gabeln durch die Lande, die von ihm und seinen drei Angestellten in der CCCP-Werkstatt in Malters hergestellt werden. Mit Ulfberht legt Coni noch eine Schippe drauf.

Der Chopper mit der ungewöhnlich langen Gabel. (Bilder: Manuela Jans-Koch, Malters, 14. Februar 2019)

Der Chopper mit der ungewöhnlich langen Gabel. (Bilder: Manuela Jans-Koch, Malters, 14. Februar 2019)

«Dieses Bike ist das Maximum. Wir haben alles herausgeholt, was möglich ist, damit es noch fahrbar ist.»

Mit der aussergewöhnlichen Maschine will er den Nordländern einheizen und mit einem Schwedenchopper Made in Switzerland die Show gewinnen. Entgegen seiner Gewohnheit – Conis Bikes waren bisher matt und grün – liess er die Maschine blau und gelb lackieren. Der Name Ulfberht kommt auch nicht von ungefähr, er stammt von einem Schwert:

«Das Schwert mit diesem Schriftzug wurde aus hochwertigem Stahl angefertigt. Wenn wir als Ausländer aufs Siegerpodest wollen, müssen wir uns bei der Jury einschleimen, deshalb die schwedischen Landesfarben», sagt er.

Interessant ist zudem, dass solche Motorräder in Schweden inzwischen nicht mehr zugelassen sind, in der Schweiz aber schon. Alleine deswegen dürfte der Luzerner gute Karten haben. Ausserdem, auch das ist bemerkenswert, hat CCCP für Ulfberht ausser dem Vorderrad und der Kupplung alles selber hergestellt oder aus Einzelteilen zusammengeschraubt. Rahmen, Gabel, der Tank oder das Hinterrad, das zwei unabhängige Bremssysteme aufweist: Alles wurde in Malters hergestellt. Coni betont: «Wir haben nicht eine Schraube von Harley-Davidson eingebaut.» Nur die Plakette vom Harley Club Schweden ist an dem Bike angebracht.

Auch der Tank des Motorrads wurde in der Werkstatt in Malters hergestellt.

Auch der Tank des Motorrads wurde in der Werkstatt in Malters hergestellt.

Und plötzlich fehlten die Ideen

Warum aber liess er sich so lange Zeit mit der Fertigstellung? Coni: «Das Motorgehäuse und der Öltank haben mich am Anfang inspiriert. Als mir ein Kunde den Öltank abschwatzte, fehlten die Ideen. Ich fand den Zugang nicht mehr und verschraubte jeden möglichen Gerümpel. Eine Zeit lang konnte ich den Stahlhaufen nicht mehr sehen. So liess ich das Projekt mehrere Jahre stehen.» Erst als Coni an der Zweiradausstellung Swiss Moto 2017 in Zürich ein Motorrad für den Ölhersteller Motorex aufbaute, kam wieder Leben in das Projekt. Als ein Promoter der Swiss Moto Conis Werkstatt wegen des Motorex-Bikes besuchte, erspähte er den Chopper.

«Die Sache nahm wieder Fahrt auf. Ich sollte das Bike bis zur Swiss Moto 2019 fertigstellen. Der Standplatz an der Messe wird mir zur Verfügung gestellt. Das Bike wird dort offiziell vorgestellt und die Geschichte CCCP und Ulfberht wird einem breiteren Publikum erzählt. Dagegen kann ich nichts einwenden», so Coni.

Am 21. Februar beginnt die viertägige «Swiss Moto». Ende Mai, fährt Coni nach Schweden, wo am 1. Juni die Custom-Bike-Show stattfindet. Der Luzerner reitet nicht auf dem Bike hoch. Der Mann wird von Rheuma geplagt und ist seit vier Jahren nicht mehr auf einem Motorrad gesessen. Die Maschine ist zwar ein Show-Bike, aber man kann damit gut eine lange Strecke zurücklegen.

«Unsere Bikes sind Fahrzeuge und für lange Touren gebaut. Diese Maschine hat einen modifizierten 1340er-Motor mit Einlassventilen so gross wie Regenschirme. Sie läuft gut, das garantiere ich!»

Coni grinst bei dieser Feststellung zufrieden. Seit Anfang der 80er-Jahre fuhr er praktisch jedes Jahr in den Norden, immer auf Choppern. «Einmal hatte mich ein schwedischer LKW-Fahrer wegen meines Hobels angesprochen, weil Langgabler in Schweden kaum noch zu sehen sind. Als ich sagte, dass ich solche Bikes in der Schweiz herstelle, ist er fast aus den Holzzoggeli gekippt. Das war das beste Kompliment.» Nun fährt der Luzerner mit vier Motorrädern im Anhänger nach Schweden. «Wir werden denen in Skandinavien zeigen, dass Schweizer die besten Schwedenchopper bauen.»

Hinweis: Die Swiss-Moto findet vom 21. bis 24. Februar 2019 in der Messe Zürich statt. www.swiss-moto.ch

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