Ein Luzerner Quartier macht gegen den Neubau einer Handyantenne mobil

Rund 100 Bewohner der Tribschenstadt beteiligen sich an einer Sammeleinsprache. Sie wehren sich gegen den Bau einer Mobilfunkantenne mitten im Wohnquartier.

Beatrice Vogel
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Seit Mobilfunkanbieter ihre Antennen auf die neue 5G-Technologie aufrüsten, wächst der Widerstand aus der Bevölkerung. Im Kanton Luzern haben mehrere Kommunen ein Moratorium verhängt, darunter Kriens, Emmen und Meggen. Sie wollen so lange keine entsprechenden Baugesuche bewilligen, bis der Bund eine Vollzugshilfe für den Umgang mit adaptiven Antennen erarbeitet hat. Im Juli wurde in der Stadt Luzern eine Petition mit demselben Anliegen eingereicht.

Die Stadtbehörden haben bis anhin jedoch keine Schritte in diese Richtung unternommen. So liegen aktuell mehrere Baugesuche für Mobilfunkantennen auf. Die Swisscom will ihre bestehende 4G-Antenne auf ihrem Gebäude am Geissensteinring auf 5G aufrüsten. Ganz in der Nähe, auf dem Gebäude der Schurter AG an der Werkhofstrasse, steht zudem bereits eine 5G-Antenne von Sunrise. Und nun will Salt ebenfalls im Tribschenquartier eine Antenne erstellen. Das Bauprofil ist von den umliegenden Häusern aus gut sichtbar.

Bild: PD

Gegen die neue Antenne an der Anton-Julius-Eggstein-Gasse 1 machen Quartierbewohner der Tribschenstadt mobil: Gleich zwei Flyer, die zu Einsprachen aufrufen, sind im Umlauf. Einer davon stammt von Otto Meier, einem direkten Anwohner. Er werde bis 14. Oktober eine Sammeleinsprache einreichen, rund 100 Anwohner beteiligen sich daran, sagt er auf Anfrage. Gegen die neue Antenne – im Wohnquartier und in der unmittelbaren Nähe von zwei Kindergärten und einer Kita – sprechen aus Meiers Sicht mehrere Gründe. «Ein Grossteil der Bevölkerung hält die Strahlung für gefährlich.» Eine neue Antenne sei nicht nur schädlich, sondern auch völlig überflüssig, findet er. Denn das noch neue Quartier sei bereits bestens vernetzt, mit Glasfaseranschlüssen in jeder Wohnung und voller Mobilfunkabdeckung durch drei Anbieter. «Die Tribschenstadt ist ein stark verdichtetes Quartier. Hier wohnen in rund 500 Wohnungen gegen 2000 Menschen in einem Umkreis-Radius von 150 Metern. Die bestehenden Antennen strahlen schon jetzt gegen diese Wohnungen, da braucht es nicht noch eine weitere.»

Darüber hinaus führen die weit verbreiteten Bedenken wegen der elektromagnetischen Strahlung auch dazu, dass Liegenschaften in der Nähe von Antennen an Wert verlieren, so Otto Meier weiter. Er möchte mit der Sammeleinsprache auch den Appell an den Stadtrat richten, die Interessen der Bevölkerung an unbeschadetem Lebensraum und Eigentum zu schützen: «Die Behörden sollen die Haltung der Quartierbewohner wahrnehmen und entsprechend deren Wunsch handeln.»

Ästhetik spielt ebenfalls eine Rolle

Eigentümer des Gebäudes, auf dem die Antenne zu stehen kommen soll, ist der bekannte Rechtsanwalt Jost Schumacher. Er wolle eine gute Mobilfunkqualität ermöglichen, bleibe aber neutral, wenn es Opposition gegen die Antenne gebe, sagt Schumacher auf Anfrage. Die Stadt Luzern gibt derzeit keine Auskunft zum Umgang mit Antennen-Gesuchen. Die Antwort des Stadtrats auf die hängige Petition werde jedoch demnächst erfolgen. Die Medienstelle von Salt schreibt auf Anfrage: «Der Standort in der Anton-Julius-Eggstein-Gasse ist uns wichtig, um das Netz für unsere Kunden vor Ort zu verbessern.» Der zunehmende Datenkonsum via Mobilfunk erfordere die Erweiterung des bestehenden Netzes. Die Einführung der leistungsfähigeren 5G-Technologie sei dafür unabdinglich.

Bei der geplanten Antenne handelt es sich allerdings um eine 4G- nicht um eine 5G-Antenne. «Die Antenne wird irgendwann ohnehin auf 5G aufgerüstet. Und wenn es schon eine Antenne gibt, ist es für den Anbieter einfach, die Bewilligung für den Ausbau zu erhalten. Deshalb darf gar nicht erst eine gebaut werden.» Dies sagt der Anwohner, der den zweiten Einsprache-Aufruf im Quartier verteilt hat, namentlich aber nicht genannt werden möchte. Er führt zusätzlich ein ästhetisches Argument gegen die Antenne ins Feld: «Sie ist sieben Meter hoch und stört das sonst einheitliche Ortsbild des Wohnquartiers Tribschen und die Aussicht, man sieht sie von allen umliegenden Wohnungen aus.» Er findet, dass die Stadt eine koordinierte Planung benötige, damit kein Antennenwildwuchs entstehe.