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U20-Kolumne: Ein Meer von Augen

Die Kantischülerin Zoe Bühler schreibt darüber, wie es ist, Dinge etwas anders zu machen als die anderen.
Zoe Bühler

Die grossen Augen sind überall. Sie starren uns an. In den zugehörigen Gesichtern sehe ich Erstaunen, Überraschung, aber auch eine Spur Missgunst. Es fühlt sich so an, als würden meine Kollegin und ich etwas bei uns tragen, das sonderbarer ist, als wenn wir einen blauen Elefanten an der Leine durch die Schule führten. Doch anstatt aus Unsicherheit unsere Schritte zu verlangsamen, gehen wir noch viel entschlossener auf den Spültrog zu und beginnen zielstrebig, unser frisches Gemüse zu waschen.

Seit wir angefangen haben, auf gesunde Ernährung zu achten, fallen wir auf wie bunte Hunde. Warum ist es für die Aussenstehenden so schockierend, wenn jemand sich anders ernährt? Nur weil man in eine Karotte beisst, heisst das nicht, dass man damit den anderen etwas beweisen oder um jeden Preis aus der Reihe tanzen will.

Dasselbe gilt auch für andere Auffälligkeiten. Ins Auge stechen mir jeweils die Blicke von Menschen, die eine Person mustern, nur weil sie oder er sich nicht der heutigen Mode beugt. Alles, was aus der Menge heraussticht, wird mit einem Blick, der einen kritischen Nachdruck in sich trägt, quittiert. Obwohl wir so stolz von uns behaupten, in einer toleranten Gesellschaft zu leben, beherrscht die Angst vor Anderem und Anderen noch viel zu stark unsere Gedanken.

Wenn wir immer alles beim Alten belassen und nicht den Mut aufbringen, neue Dinge in unser Leben aufzunehmen, wie soll es dann überhaupt noch eine Veränderung geben? Dann vergrauen wir in unserem immerwährenden Alltagstrott und vergessen, wie neue, bunte Farben aussehen können.

Ein Erstklässler, der wie aus dem Nichts aufgetaucht ist, fragt mich schüchtern: «Darf ich ein Stück von deinem Apfel haben?»

Hinweis: In der Kolumne «U20» äussern sich Schüler der Kanti Sursee zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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