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Ein Megger will Senioren-WGs fördern

Beat Märchy aus Meggen ist bereits in Thailand und Brasilien an Projekten für Wohnen im Alter beteiligt. Nun will er hierzulande günstige Wohngemeinschaften für Senioren realisieren. Doch besteht überhaupt eine Nachfrage?
Beatrice Vogel
Das Alter in einer Wohngemeinschaft verbringen – warum nicht? (Symbolbild: Getty)

Das Alter in einer Wohngemeinschaft verbringen – warum nicht? (Symbolbild: Getty)

Gemeinschaft erleben, mit anderen Menschen Hausarbeit und Kosten teilen – die Vorteile von Wohngemeinschaften haben junge Leute schon längst erkannt. Warum soll diese Wohnform nicht auch für Senioren praktikabel sein? Für Beat Märchy, Coach und Personalentwickler aus Meggen, ist die Antwort klar. «Die Vorteile liegen auf der Hand: Man ist nicht allein, kann sich eine schöne Wohnung leisten und kostengünstigen Service beziehen.» So sieht es sein Konzept für Senioren-WGs vor. Märchy plant, eine Baugenossenschaft zu gründen, die sich auf diese Wohnform spezialisiert und geeignete Objekte inklusive Pflege- und Hauswirtschaftsservice zu Verfügung stellt. Diese soll nicht nur in Meggen, sondern langfristig schweizweit tätig sein.

Noch ist keine Senioren-WG in Betrieb. Und bevor die Genossenschaft gegründet werden kann, braucht es genügend Personen, die sich daran beteiligen. Märchy will deshalb zunächst Wohnungen mieten und dort WGs unterbringen. In etwa einem Jahr soll dann die Genossenschaft folgen, die langfristig auch Wohnungen und Häuser kaufen respektive bauen soll. «Als Genossenschaft würden wir Unterstützung vom Bund erhalten, was die Kosten für den Einzelnen noch senken würde.»

750 Franken für ein WG-Zimmer

Ein WG-Zimmer soll laut Beat Märchy 750 Franken kosten. Hinzu kommen bei Bedarf Dienstleistungen wie Unterstützung bei der Körperpflege, Wäsche, Wohnungsreinigung und Mahlzeiten sowie Pflege und 24 Stunden Betreuung. Letzteres würde als teuerste Option 6850 Franken kosten. Zum Vergleich: Laut der Webseite des Schweizer Heimverbands Curaviva sind bei einem Heimaufenthalt mit monatlichen Kosten von knapp 9000 Franken zu rechnen (inklusive Hotellerie, Pflege und Betreuung). Beat Märchy:

«Eine WG ist viel günstiger als ein Heim. Die Gesundheitskosten könnten damit gesenkt werden.»

Ob die Pflege von einer Spitex bezogen wird, oder ob privat Pflegerinnen angestellt werden, die beispielsweise selbst in der WG wohnen, sei noch nicht klar. «Zuerst muss ich herausfinden, was kostengünstiger ist», so Märchy. Die Kosten tief zu halten, ist sein erklärtes Ziel.

Aktuell ist Beat Märchy damit beschäftigt, Interessenten zu suchen. «Etwa einmal im Monat veranstalte ich einen Informationsnachmittag, an dem sich die Leute kennenlernen können», sagt er. Denn – und dieser Punkt ist ihm sehr wichtig – «die künftigen Mitbewohner müssen sich gut verstehen». Anders als bei Senioren-WGs, die etwa von Heimen angeboten werden, sollen sich die Bewohner füreinander entscheiden und nicht einfach einer Wohnung zugeteilt werden. Für den nächsten Anlass hat er bereits Anmeldungen. Die meisten Interessenten seien «noch fit» und zwischen 60 und 85 Jahre alt.

Initiant mit WG-Erfahrung

Beat Märchy. (Bild: PD)

Beat Märchy. (Bild: PD)

Märchy selbst hat kürzlich für einige Zeit in Chicago in einer WG gewohnt und war begeistert davon, insbesondere von der Arbeitsteilung und dem gemeinschaftlichen Leben. «Ich würde gern in Meggen in eine WG ziehen, vor allem, wenn ich dadurch eine Wohnung mit schöner Aussicht hätte», sagt der 60-Jährige. Er ist zudem beteiligt an zwei Projekten für Wohnen im Alter in Thailand und Brasilien, bei denen er als Vermittler tätig ist. Für ihn ist klar, dass die Senioren-WG ein zukunftsträchtiges Modell ist:

«In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird die Finanzkraft der Senioren abnehmen. Dann sind günstige Wohnformen gefragt.»

Doch ist die Nachfrage bei den Senioren aktuell vorhanden? Léa Thüring, Leiterin Soziale Arbeit bei Pro Senectute Kanton Luzern, hat kaum Klienten, die in eine WG ziehen wollen. «Kürzlich hat sich zwar eine Rentnerin gemeldet, die Mitbewohner sucht. Das ist aber die grosse Ausnahme.» Die meisten würden in der eigenen Wohnung leben oder in ein Pflegeheim ziehen. Léa Thüring findet die Idee der Senioren-WG interessant, denn für viele ihrer Klienten seien die finanziellen Mittel knapp. «Aus finanzieller und sozialer Sicht wäre diese Wohnform sinnvoll, auch weil sich die Bewohner gegenseitig unterstützen können.»

Dass kaum eine Nachfrage nach Senioren-WGs besteht, könne damit zusammenhängen, dass sich viele nicht vorstellen können, mit Menschen zusammen zu leben, die sie nicht gut kennen, vermutet Léa Thüring. Ein WG-Leben setze eine gewisse Flexibilität voraus, Kompromisse müssen eingegangen werden. Das könne eine Herausforderung darstellen – «vor allem wenn jemand sein Leben lang mit dem Partner oder der Partnerin zusammen gelebt hat, die Abläufe abgestimmt waren, und man sich sehr gute kannte».

«Die heutigen Wohnformen für Menschen im Alter sind vielfältig und dem Grad der Betreuungs- und Pflegebedürfnisse der Bewohner angepasst», sagt Eva Strebel, Sprecherin des Schweizer Heimverbands Curaviva, auf Anfrage. Sie zählt elf verschiedene Wohnformen auf, vom betreuten Wohnen über das Mehrgenerationenhaus bis hin zur Altersresidenz. Ob das WG-Format eine grosse Nachfrage erfahre, könne Curaviva nicht beurteilen. «Sicherlich besteht jedoch aufgrund selbstbestimmten Lebensstils der älter werdenden Babyboomer-Generation ein Trend zu zunehmend integrierten Angeboten zwischen ambulanten und stationären Dienstleistungen.»

Hinweis: Der nächste Info-Anlass von Beat Märchy findet am 21. Februar um 13.30 Uhr an der Adligenswilerstrasse 50 in Meggen statt. Anmeldung und weitere Infos: www.die-senioren-wg.org

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