Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ein neues Modell soll die medizinische Versorgung auf dem Luzerner Land retten

Im Luzerner Hinterland wie auch im Entlebuch ist die ambulante medizinische Versorgung in Gefahr. Nun plant der Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) eine Reform. Bei den hiesigen Hausärzten kommt diese im Grundsatz gut an – mit Vorbehalten.
Yasmin Kunz
Um die Grundversorgung auf der Luzerner Landschaft weiterhin gewährleisten zu können, plant der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) ein neues Projekt. (Bild: Keystone)

Um die Grundversorgung auf der Luzerner Landschaft weiterhin gewährleisten zu können, plant der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) ein neues Projekt. (Bild: Keystone)

Nachfrage und Angebot stehen massiv im Ungleichgewicht: Es gibt immer mehr Patientinnen und Patienten und immer weniger Hausärzte. Vor allem auf der Luzerner Landschaft droht aufgrund dieses Missverhältnisses eine Unterversorgung im ambulanten Bereich. Viele Luzerner Hausärzte stehen kurz vor der Pensionierung – und Nachfolger sind meist keine in Sicht. So zum Beispiel aktuell in der Luzerner Gemeinde Altishofen und in der Gemeinde Luthern.

In Luthern sucht die Gemeinde nun einen neuen Hausarzt für die Landpraxis, wie der Homepage zu entnehmen ist. Lisbeth Peter, CVP-Gemeinderätin von Luthern, hofft, dass sich ein Nachfolger finden lässt. «Unsere Bürgerinnen und Bürger wünschen sich auch weiterhin einen Hausarzt, um sich gut versorgt zu wissen.»

Peter, selber Pflegefachfrau, versteht den Wunsch: «Es steigert die Qualität der medizinischen Versorgung, wenn die Bevölkerung im eigenen Dorf einen Arzt hat.»

Mehr Koordination in der ambulanten Versorgung

Da der Mangel an Hausärzten nicht von heute auf morgen behoben werden kann, braucht es andere Strategien, um die medizinische Versorgung im Luzerner Hinterland auch künftig zu gewährleisten, ist sich der Luzerner Gesundheitsdirektor (CVP) Guido Graf sicher.

Er plant deshalb ein Pilotprojekt im Entlebuch und im Luzerner Hinterland. Dieses hat er unlängst anlässlich der 10. Entlebucher Hausärztetage in Schüpfheim zahlreichen Hausärzten und einer Handvoll Lokalpolitikern präsentiert. Das Projekt nennt sich Modellversorgung Luzern, oder kurz Move. Im Kern geht es darum, die Versorgung auf der Landschaft integrierter respektive koordinierter zu gewährleisten. Ziel: die Qualität und Zufriedenheit der Patienten steigern, unnötige Behandlungen vermeiden, Kosten bestenfalls senken.

Im Frühling 2020 soll es los gehen

Soweit so gut: Doch das löst das Problem des Hausärztemangels nicht. Zudem arbeiten die Hausärzte bereits heute eng zusammen und sind auch mit anderen Organisationen wie etwa der Spitex oder den Spitälern und Heimen gut vernetzt. Es stellt sich also die Frage, wo Graf genau optimieren will. Er sagt: «Primär geht es nicht darum, mit diesem System dem Hausärztemangel entgegenzuwirken. Diesbezüglich unterstützt der Kanton bereits andere Projekte wie etwa das Institut für Hausarztmedizin oder den Medical Master an der Universität Luzern.» Bei seinem Projekt liege der Fokus auf der koordinierten Versorgung. So gehe es etwa darum, Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Chronischer Bronchitis (COPD) besser zu begleiten. Graf betont:

«Die Patientenversorgung muss aus einer Hand erfolgen. So lassen sich einerseits unnötige Behandlungen vermeiden, andererseits gewährleistet es eine hohe Patientenzufriedenheit»

Wie konkret das Projekt Move in der Praxis aussehen wird, ist noch nicht im Detail geklärt. Graf will das Modell «Schritt für Schritt» mit den regional tätigen Ärzten planen. Im Frühling 2020 wird mit Diabetes-Patienten die praktische Umsetzung angegangen. Das ganze Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt und soll in einem nächsten Schritt auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Depressionen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates umfassen.

Mehr Verantwortung für Medizinische Praxisassistentinnen

Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, begrüsst das Projekt im Grundsatz. Es zeige auf, dass der Gesundheitsdirektor die prekäre Situation punkto ambulanter Versorgung erkannt habe und die Anliegen der Luzerner Hausärzte ernst nehme. Er weist jedoch darauf hin, dass die Praxen in der Vergangenheit nicht untätig waren und sich gut vernetzt haben. Dass die Koordination zwischen den verschiedenen Institutionen noch verbessert werden kann, findet auch Kramis – er fordert insbesondere einfachere administrative Abläufe und bessere elektronische Vernetzung wie Medikamentenpläne. Ferner ist es Kramis – wie auch Regierungsrat Guido Graf – ein Anliegen, dass die Hausärzte entlastet werden. Konkret nennen die beiden das Chronic Care Programm.

Dabei betreuen etwa Medizinische Praxisassistentinnen mit einer Zusatzausbildung zum Beispiel sämtliche Patienten mit Diabetes. Der Arzt wird demnach in diesem Bereich entlastet, ist aber nach wie vor in der Hauptverantwortung. Einige Praxen im Kanton Luzern verfügen bereits über solche Programme. Das Ziel des Pilotprojekts müsse denn unter anderem auch sein, solche Chronic Care Programme flächendeckend einzuführen und besser zu koordinieren, sagt Kramis und fügt an:

«Heute macht jede Praxis, was sie für gut empfindet oder was ihr möglich ist. Es besteht keine einheitliche Struktur und das muss sich ändern.»

Auch bezüglich Abrechnung solcher Leistungen müsse es einheitliche Regelungen geben, fordert der Präsident der Luzerner Ärzte. «Heute können solche Leistungen noch nicht verrechnet werden.» Aldo Kramis führt noch einen weiteren wichtigen Aspekt ins Feld: «Prävention soll ein noch zentralerer Punkt des neuen Versorgungsmodells werden.» Da seien auch die Gemeinden mit gesundheitsfördernden Angeboten – etwa in Zusammenarbeit mit Sportvereinen – gefragt.

Gemeinderätin will von Anfang an mitreden können

Gerda Jung, Sozialvorsteherin von Hildisrieden, CVP-Kantonsrätin und Mitglied der Gesundheitskommission des Kantons Luzern, findet das Modell eine gute Sache. «Es ist wichtig, dass die Grundversorgung gut abgedeckt ist und die Patienten den richtigen ‹Kanal› erwischen.» So würden zum Beispiel keine Doppelspurigkeiten entstehen.

Als Gemeinderätin würde sie es jedoch begrüssen, wenn bei einem Projekt dieser Dimension die betreffenden Personen an den Schnittstellen – also die Ärzte und die Gemeinderäte – von Anfang an ins Boot geholt würden. «Das ist massgebend für ein erfolgreiches Projekt, weil die Gemeinde ihre Situation am besten kennt.»

Dem pflichtet auch die Gemeinderätin Lisbeth Peter von Luthern bei. «Die Gemeinde kennt ihre Bedürfnisse am besten. Und nicht jede Gemeinde braucht für eine gute Grundversorgung im ambulanten Bereich das gleiche.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.