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Ein nobler Luzerner Männerchor hat in Rothenburg seinen Prinzen gefunden

Nur Männer in wichtigen Positionen durften 1908 der «Quartettvereinigung Luzern» beitreten. Heute suchen die 10 verbliebenen Sänger händeringend nach Nachwuchs. Ein neuer Chef soll nun die Wende bringen.
Hannes Bucher
Die Quartettvereinigung Luzern hat 110 Jahre auf dem Buckel. Hier bei einem Auftritt am Weihnachtsmarkt auf dem Franziskanerplatz in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Dezember 2018)

Die Quartettvereinigung Luzern hat 110 Jahre auf dem Buckel. Hier bei einem Auftritt am Weihnachtsmarkt auf dem Franziskanerplatz in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Dezember 2018)

Da ist viel Begeisterung zu spüren, bei den vier Männern, die an diesem Mittwochabend im Restaurant «Bahnhof» Rothenburg-Station am Tisch sitzen. Sie haben viel zu erzählen – und sie tun dies mit viel Herzblut. Sie reden über ihren Verein, der sie hier zusammenführt, jeden Mittwochabend das Jahr hindurch, mit Ausnahme der Schulferien. Die Männer gehören zur Quartettvereinigung Luzern und heute ist ihr Probeabend. Für sie und ihre weiteren Kollegen, die dann bis halb acht Uhr aus der Stadt, der Region und dem weiteren Kantonsgebiet dazustossen.

Ein einheimischer Rothenburger ist mit dabei – und er ist gleichzeitig ihr wichtigster Mann: Es ist Urs Jans, seit letztem Sommer neuer musikalischer Leiter und damit der grosse Hoffnungsträger des Vereins. Mit ihm soll es jetzt wieder aufwärtsgehen. Für den Verein nimmt er damit so etwas wie die Prinzenrolle im Dornröschen-Märchen wahr. Der pensionierte Primarlehrer ist Chorleiter mit jahrzehntelanger Erfahrung. Er hat mit seiner Zusage die Quartettvereinigung aus einem mehrjährigen Dornröschen-Dasein geweckt.

Er gehört zu den ältesten Männerchören der Stadt

Auf knapp 10 Sänger sei der traditionsreiche Stadtverein in den letzten Jahren zusammen geschrumpft, berichtet der aktuelle Präsident Peter Furter. Es bestand die Gefahr, dass er ganz ausbluten könnte. Das hätte sehr geschmerzt, nachdem der Verein mit dem Geburtsjahr 1908 zu einem der ältesten Männerchöre der Stadt gehört. Wie kam es zu seiner Gründung? «Leider sind von den ersten Jahren keine schriftlichen Unterlagen vorhanden», sagt Aktuar Otti Minder. Solche gebe es erst seit 1940. Aus der «mündlichen Überlieferung» wisse man aber, dass es die Gebrüder Beuter waren, die 1908 die Idee hatten, einen Männerchor zu gründen. «…um etwas zur Unterhaltung in der Stadt beizutragen.» Weil mehrstimmig gesungen wurde, nannte sich der Verein «Quartettvereinigung».

In der Folge gaben die Sänger Konzerte für Wöchnerinnen, traten an kantonalen Sängertreffen auf, waren gar am Radio zu hören – mit Liedern wie «Veilchen blau», «Der durstige Müller» oder auch «Schwarzbraune Hanne». Zur Unterhaltung gab es schon immer auch interne Anlässe: Dabei wurde Schrammelmusik aus Wien gespielt, kleine Theaterstücke aufgeführt. Es war ein «nobler Verein» - anfänglich nicht für «jedermann». Eher ein Verein für privilegierte Personen, sagen die heutigen Vorstandsmitglieder. «Man musste eine führende Position innehaben, Kaufmann sein oder einen Doktortitel tragen, um beitreten zu können», mutmasst Peter Furter.

Mitgliedschaft nur mit Doktortitel

«Auf jeden Fall galt es, einen schriftlichen Antrag für die Aufnahme zu stellen, der dann genau überprüft wurde.» Heute ist die Quartettvereinigung Luzern ein «normaler» Männerchor, der diverse öffentliche Auftritte wahrnimmt. Und der sich – nachdem er in den letzten Jahren mitgliedermässig arg geschrumpft war – nun wieder im Aufwind befindet. Auch dank des neuen Dirigenten Urs Jans. «Er ist ein Glücksfall für uns», sagen sie. Und weshalb hat sich Urs Jans für den Chor entschieden? «Ich spürte ihre Situation, merkte, wie sie ticken. Ihre Emotionen, ihre Freude am Singen hat mich überzeugt», sagt er.

Seit Sommer arbeitet er nun mit den verbliebenen 10 Sängern. Von der musikalischen Richtung hat bei ihm fast alles Platz: auch Schlager, Operetten und Weihnachtslieder.

Das «Schüürli» in Rothenburg als Glücksfall

Dass das Vereinsleben wieder aufblüht, hat auch mit dem «Schüürli» des Restaurants Bahnhof Rothenburg zu tun. Das erweist sich als ideales Probelokal und im Restaurant daneben kann verweilt werden. Die Pflege der Kameradschaft gehört fest dazu. Da geht kaum keiner ohne triftigen Grund direkt nach der Probe heim. Die Sänger sind zuversichtlich, dass ihnen bald auch wieder mehr Kameraden beschert sein werden. Nein, das müssten selbstverständlich keine «Auserwählten» mehr sein wie einst.

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