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Schlachtkapelle Sempach: Ein religiöser und zugleich politischer Ort

Die Schlachtkapelle von Sempach wurde 1472/73 errichtet und über die Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Der Vorgängerbau war aber nicht den in der Schlacht bei Sempach gefallenen Eidgenossen gewidmet, sondern einem Habsburger Herzog.
Susanne Balli
Die Schlachtkapelle Sempach wurde in ihren Grundzügen 1472/73 errichtet zur Erinnerung an die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)

Die Schlachtkapelle Sempach wurde in ihren Grundzügen 1472/73 errichtet zur Erinnerung an die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386. (Bild: Boris Bürgisser,
18. Juni 2018)

An diesem Platz sind Historisches und Sagenhaftes unzertrennlich miteinander verflochten: Die Schlachtkapelle an der Strasse nach Hildisrieden erinnert an die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386, als die Eidgenossen oberhalb von Sempach das habsburgische Heer besiegten. Dieses Jahr ist ein neuer Führer dazu erschienen, in dem die Kapelle detailliert beschrieben ist. Das Büchlein verfasst hat der Sempacher Stadtarchivar André Heinzer (43), nachdem ein erster «Schlachtführer» des Historikers Marin Steger vergriffen war. Einen prominenten Platz nimmt im neuen Führer die Schlachtjahrzeit ein. Aufgelockert werden die beschreibenden Texte mit eingestreuten Sagen und Augenzeugenberichten.

Die Schlachtkapelle hat eine bewegte Baugeschichte hinter sich: Eine erste Gedenkstätte liessen die Habsburger wohl bereits ein Jahr nach der Schlacht bei Sempach weihen. Sie erinnerte an den in der Schlacht erschlagenen Herzog Leopold III., der die herrschaftlichen Ansprüche als Oberhaupt über die habsburgischen Vorlande durchsetzen wollte.

Mehrere Umbauarbeiten und ein «Sinneswandel»

Die heutige Kapelle entspricht in ihren Grundzügen jenem Bau, der 1472/73 auf Anweisung des Luzerner Rats errichtet worden war. Bei mehreren Umbauarbeiten wurden unter anderem Wandbilder hinzugefügt, die Mauern erhöht und das Dach angehoben. Auch die Fenster wurden vergrössert, eine Sakristei und auch eine Vorhalle errichtet. 1886 erfuhr die Kapelle nochmals eine Veränderung: Unter anderem wurde der Zwiebelturm durch einen Kupferhelm ersetzt. Doch nicht nur äusserlich gab es einen Wandel: «Nach und nach war die Kapelle nicht mehr nur Gedenkstätte für Herzog Leopold und die gefallenen Habsburger. Die Eidgenossen waren darum bemüht, die Gedenkfeier für sich zu beanspruchen», sagt André Heinzer. Damit fanden auch die gefallenen Eidgenossen zunehmend Aufnahme in das kollektive Sempacher Totengedenken.

Die heutige Kapelle entspricht in ihren Grundzügen jenem Bau, der 1472/73 auf Anweisung des Luzerner Rats errichtet worden war. Bei mehreren Umbauarbeiten wurden unter anderem Wandbilder hinzugefügt, die Mauern erhöht und das Dach angehoben. Auch die Fenster wurden vergrössert, eine Sakristei und auch eine Vorhalle errichtet. 1886 erfuhr die Kapelle nochmals eine Veränderung: Unter anderem wurde der Zwiebelturm durch einen Kupferhelm ersetzt. Doch nicht nur äusserlich gab es einen Wandel: «Nach und nach war die Kapelle nicht mehr nur Gedenkstätte für Herzog Leopold und die gefallenen Habsburger. Die Eidgenossen waren darum bemüht, die Gedenkfeier für sich zu beanspruchen», sagt André Heinzer. Damit fanden auch die gefallenen Eidgenossen zunehmend Aufnahme in das kollektive Sempacher Totengedenken.

«Die Eidgenossen waren darum bemüht, die Gedenkfeier für sich zu beanspruchen.»

André Heinzer, Stadtarchivar Sempach

Mit ein Grund für diese Entwicklung waren die politischen Inhalte, die den Schlachtjahrzeitfeiern innewohnten. Noch im ausgehenden 15. Jahrhundert –manche habsburgischen Pfarreien waren unterdessen zu eidgenössischen Pfarreien geworden – klang in den Feiern verschiedentlich habsburgische Propaganda an. «Eigene eidgenössische Schlachtjahrzeit-Traditionen konnten die habsburgischen überlagern und vergessen machen», sagt Heinzer.

Auch in unserer Zeit wurde die Schlachtjahrzeit vor knapp zehn Jahren ein Politikum. 2009 fand der jährliche Gedenkanlass zum letzten Mal bei der Schlachtkapelle statt. Der Marsch vom Städtli Sempach zur Schlachtkapelle war damals nur unter einem riesigen Polizeiaufgebot möglich. Denn Rechtsextreme hatten den Anlass für sich entdeckt, was 2009 die Linken zu einer Gegendemonstration bewogen hatte. Die Gedenkfeier war deswegen 2010 Gegenstand im Kantonsrat und wurde für ein Jahr ausgesetzt. Seit 2011 findet sie in einer neuen Form im Städtchen Sempach statt.

Wandbild wurde mehrfach übermalt

Doch zurück zur Kapelle: Geht man hinein, fallen sogleich die farbenprächtigen Wandgemälde und Ausmalungen ins Auge. Eigentliches Prunkstück ist das imposante Schlachtenbild an der nördlichen Seite. Entstanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, kann über eine Urheberschaft des Berner Künstlers Hans Rudolf Manuel nur gemutmasst werden. Gesichert ist: Das Wandbild wurde mehrmals restauriert, renoviert oder übermalt. «Vor allem die Figur des legendenumrankten Arnold von Winkelried war vom wiederkehrenden Draufzeigen immer wieder arg in Mitleidenschaft gezogen worden und musste zwischendurch aufgefrischt werden», sagt Heinzer.

Die Schlachtkapelle Sempach von aussen. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Der Eingangsbereich der Schlachtkapelle Sempach. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Die farbenprächtigen Wandmalereien im Innern der Schlachtkapelle. Links sieht man das Schlachtenbild und rechts die Namenslisten der gefallenen Eidgenossen sowie die Namen und Wappen der gefallenen Habsburger. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Auch über dem Eingang finden sich Namen und Wappen gefallener Habsburger. Im Bogenfeld oberhalb der Wappen die Gottesmutter Maria im Strahlenkranz mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie wird flankiert von Bischof Cyrill und Jakobus dem Älteren. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Das Schlachtenbild mit Winkelried, der ein Bündel feindlicher Lanzen unter seinen Arm drückt. Rechts sieht man die Eidgenossen und links die Habsburger. Im Hintergrund ist das Städtchen Sempach mit der Pfarrkirche und rechts die Kirche von Kirchbühl festgehalten. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Die Namen und Wappen der gefallenen Habsburger. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Der Hochaltar der Schlachtkapelle. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Der linke Nebenaltar zeigt eine gekrönte Heilige mit Kelch und Zweig. Sie gilt aufgrund ihrer Attribute als hl. Barbara. Vertreter der geistlichen und weltlichen Stände suchen unter ihrem ausgebreiteten Mantel Schutz und Geborgenheit. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Der rechte Seitenaltar der Schlachtkapelle Sempach zeigt eine gekrönte Heilige, die betend den Märtyrertod erwartet. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Farbenprächtige Fenster der Schlachtkapelle Sempach. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
Das Beinhaus neben der Schlachtkapelle enthält Knochen, aber keine Schädel mehr. Diese wurden von Dieben entwendet. Die Knochen stammen nicht von den Schlachtgefallenen. (Bild: Boris Bürgisser, 18. Juni 2018)
11 Bilder

Die Schlachtkapelle Sempach

1986 hat man Vorfeld zur 600-Jahrfeier der Schlacht die Fassung von 1886 konserviert. Dargestellt ist im Vordergrund die eigentliche Schlacht. Linkerhand stehen die Eidgenossen, an deren Front sich Winkelried in die Lanzenspitzen der Habsburger stürzt, um den Seinigen eine Gasse zu schaffen. Gleich daneben ist Herzog Leopold zu sehen, der erschlagen wird. Auf der rechten Seite des Bildes lichten sich die Reihen des herzoglichen Heeres – die Habsburger ergreifen die Flucht. Im Hintergrund sieht man das Städtchen Sempach; ennet des Sempachersees ist die hügelige Landschaft mit den Kirchen von Neuenkirch, Nottwil und Oberkirch dargestellt.

Eindrücklich sind auch die übrigen Ausmalungen in der Kirche mit Namenslisten der gefallenen Eidgenossen und Habsburger – letztere werden mit ihren Wappen aufgeführt.

Heute sehr beliebt bei Hochzeitspaaren

Die Lage und die besondere Atmosphäre in der Kapelle machen sie heute zu einem beliebten Hochzeitsort; ideal auch in Kombination mit der daneben stehenden Wirtschaft zur Schlacht, der im Schlachtführer ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist.

Unmittelbar neben der Schlachtkapelle steht das von 1594 datierte Beinhaus, das Knochen von Verstorbenen enthält. Es sind aber nicht Knochen von Schlachtgefallenen, denn die verstorbenen Habsburger wurden in Kirchbühl bestattet. Die toten Eidgenossen wurden, wie zuvor erwähnt, in ihre Heimatfriedhöfe überführt. Speziell ist, dass im Beinhaus keine Totenschädel mehr zu sehen sind. Die letzten Schädel waren nach der Kapellenrenovation 1985 ins Beinhaus gelegt und bald darauf von Dieben gestohlen worden.

Quelle: André Heinzer: Schlachtkapelle Sempach, Verlag Kirchen- und Wallfahrtsführer der Schweiz, Wolhusen 2018. Das Büchlein ist für 5 Franken in der Wirtschaft zur Schlacht oder im Rathausmuseum Sempach erhältlich.

Gedenkfeier im Städtli

Heuer ist es am 1. Juli wieder soweit: Die Stadt Sempach und der Kanton Luzern laden die Bevölkerung um 9 Uhr zum traditionellen Morgenbrot in Sempach ein. Im Anschluss findet um 9.40 Uhr der feierliche Einzug durch das Städtli in die Kirche St. Stefan statt, wo um 10 Uhr der ökumenische Gottesdienst und der Festakt abgehalten werden. Festrednerin ist Ursula Plassnik, Botschafterin der Republik Österreich. Regierungsrat und designierter Regierungspräsident Robert Küng wird die Begrüssungsrede halten. Im Anschluss an die Gedenkfeier gibt es um zirka 11.30 Uhr für die Bevölkerung einen Apéro. Um 12.40 Uhr ist die Veranstaltung zu Ende. Die Stadt Luzern als Gastgemeinde 2018 präsentiert sich mit einer kulturellen und kulinarischen Weltreise. Gastkanton ist dieses Jahr der Kanton Schwyz.

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