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Ein Rolls-Royce, der langsam Fahrt aufnahm: Der KKL-Konzertsaal wird 20

Vor 20 Jahren wurde der Konzertsaal des KKL Luzern eingeweiht – zwei Jahre vor der Eröffnung des gesamten Gebäudes. Zu Beginn war nicht klar, für welch vielfältige Konzertformate der Saal dereinst dienen würde.
Urs Mattenberger
Aufrichtefest des KKL-Konzertsaals am 28. Februar 1997 mit Marktständen aus Nationen, die mit Arbeitern am Bau beteiligt waren (Albanien, Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Schweiz). (Bild: Archiv KKL)

Aufrichtefest des KKL-Konzertsaals am 28. Februar 1997 mit Marktständen aus Nationen, die mit Arbeitern am Bau beteiligt waren (Albanien, Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Schweiz). (Bild: Archiv KKL)

An Baustellen kann und will man sich nicht erinnern – an alte Gebäude, die dadurch verschwanden, hingegen schon. Erst recht im Bewusstsein sind Neubauten, die rasch einmal so selbstverständlich sind, als wären sie immer schon dagestanden. Das 20-jährige Jubiläum des Konzertsaals des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) macht einem diese unterschiedliche Wahrnehmung der städtischen Entwicklung bewusst.

So gehört das alte Kunsthaus des Luzerner Architekten Armin Meili, das leicht zurückversetzt ungefähr an der Stelle des heutigen KKL stand, noch heute zum kollektiven Gedächtnis der Stadt. Das danach vom Pariser Architekten Jean Nouvel errichtete KKL selber ist längst unverzichtbarer Teil des Luzerner Stadtbilds, ähnlich wie die Kapellbrücke. Dass vor 20 Jahren, 1998, erst der heute berühmte Konzertsaal fertig gebaut war und inmitten einer KKL-Grossbaustelle bereits in Betrieb genommen wurde – dies kann man sich heute hingegen kaum noch vorstellen.

Nur ein Teiljubiläum

Das KKL als Ganzes, inklusive Luzerner Saal und Kunstmuseum, war nämlich erst im Jahr 2000 fertiggestellt. Die KKL-Leitung begnügt sich vielleicht auch deshalb damit, an dieses diesjährige Teiljubiläum nur gerade mit zwei Sonderkonzerten zu erinnern (siehe Kasten). Das letzte davon, ein Auftritt des Lucerne Festival Orchestra und des Luzerner Sinfonieorchesters in ein und demselben Konzert, ist selber eine Art Vorkonzert zum grossen KKL-Jubiläum in zwei Jahren: Der Benefiz-Erlös geht nämlich in das Projekt einer «Music Lab» genannten, multimedialen musikalischen Erlebniswelt, die 2020 im Rahmen des Jubiläums 20 Jahre Kultur- und Kongresszentrum Luzern eröffnet wird.

Klassikkonzert u. a. mit Chor Santa Lucia Wolhusen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 18. März 2017))
Akustiker Russell Johnson (links) und Architekt Jean Nouvel 1997. (Bild: Archiv KKL)
Popkonzert mit den Simple Minds. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 19. April 2017))
Dudelsack, Drums, Blasmusik: World Band Tatoo. (Bild: Philipp Schmidli (30. September 2017))
Aufrichtefest des KKL-Konzertsaals am 28. Februar 1997 mit Marktständen aus Nationen, die mit Arbeitern am Bau beteiligt waren (Albanien, Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Schweiz). Bild: Archiv KKL
Blick in den Konzertsaal (Bild: PD / Urs Wyss)
Blick auf die Etagen im Konzertsaal KKL (Bild: PD)
Echokammer im KKL (Bild: PD)
Diskussionsrunde im KKL (Bild: PD)
9 Bilder

20 Jahre Konzertsaal KKL

Eine Baustelle im übertragenen Sinn war tatsächlich der Konzertsaal selber, als er am 19. August 1998 mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado eröffnet wurde. Er gab zwar dem Lucerne Festival und dem Luzerner Sinfonieorchester eine ideale Plattform und verhalf beiden Institutionen zu einem unglaublichen Wachstumsschub. Unklar war jedoch noch in den ersten ein, zwei Jahren, wer ausser ihnen diesen Rolls-Royce fahren würde, als den Bewunderer das architektonisch und klangtechnisch bahnbrechende Gebäude schon bald bezeichneten.

Nationale Konzertveranstalter winkten ab

Nationale Konzertveranstalter hatten im Vorfeld abgewunken: Ausserhalb des Lucerne Festival werde es nicht möglich sein, nationales Publikum für Konzerte nach Luzern zu locken. Der Saal selber korrigierte zum Glück nach harzigen Anfängen diese Einschätzung rasch. Nachdem das KKL-Management den Terminkalender anfänglich mit zweifelhaften Opern-Tourneeproduktionen gefüllt hatte, kamen noch vor der Eröffnung des gesamten KKL erste Veranstalter als Pioniere nach Luzern: Die national tätige Konzertagentur Hochueli etwa statuierte mit drei Konzerten mit dem Hilliard Ensemble ein mutiges Exempel – es kamen zwar nur 300 Besucher, aber sie hörten, wie gut in diesem für grosse Orchester optimierten Saal auch ein Vokalquintett klingt.

Der Lucerne Chamber Circle folgte mit einer eigenen, hochkarätigen Konzertreihe, der Obrasso-Veranstalter zügelte sein World Band Festival kurzerhand von Bern nach Luzern und zieht bis heute mit Entertainment-Veranstaltungen viel nationales Publikum nach Luzern. Das Blue Balls Festival öffnete die Tore des Konzertsaals nochmals für ein ganz anderes und jüngeres Publikum.

Mit Wolldecken in die Echokammer

Möglich machte es neben der Lage zwischen Altstadt, See und Bahnhof vor allem die Akustik des Saals. Für sie wurde kein Aufwand gescheut. Der amerikanische Akustiker Russell Johnson setzte verschiedene seiner Pläne auch gegen Stararchitekt Jean Nouvel durch: Die unzähligen Relief-Gipsplatten, die den Klang streuen wie die Stuckaturen in alten Konzertsälen, prägen die Saalästhetik. Die Beschränkung auf 2000 Sitzplätze ermöglicht ein direktes und intimes Klangerlebnis.

Die Echokammer stellt dennoch für Grossbesetzungen zusätzliches Raumvolumen zur Verfügung. Weil sie den Konzertsaal umschliesst, schafft sie im Saal die absolute Stille als Grund für den Klang, nach dem Russel Johnson suchte. «Es soll sich so anfühlen, als ob Luft um die Musik wäre, als ob die Musik schwebt», sagte er dazu. «Zeitweise lebte Johnson dafür praktisch in diesem Raum und richtete es sich mit Wolldecken sogar so ein, dass er darin schlafen konnte», berichtete Alt-Stadtpräsident Franz Kurzmeyer.

Auch Kinder haben Freude am Spiel mit den Aussichten

Mit dieser Akustik, die stark auf Klarheit zielt und doch Volumen zulässt, gilt der Konzertsaal bei klassischen Musikern bis heute als einer der besten der Welt (siehe Kasten). Einen guten Ruf besitzt er aber auch bei Künstlern aus den Bereichen Jazz, Volksmusik und Rock-Pop, obwohl hier noch stärker als im Klassik-Bereich negativ ins Gewicht fällt, dass man das fest bestuhlte Parkett nicht räumen kann. «Klar, heutige Konzertsäle werden flexibler konzipiert», sagt Lucerne-Festival-Intendant Michael Haefliger dazu. «Aber die überragende Akustik gibt dem Haus einen wichtigen Standortvorteil.»

Zu dieser Ausstrahlung trägt Nouvels raffinierte Ästhetik mit ihrem Spiel mit Aussichten auf Altstadt und See sowie mit Wasserreflexionen bei. Mischa Damev, Intendant der Migros-Kulturprozent-Classics-Reihe, spricht in diesem Zusammenhang von Luzern als einem «musikalischen Kraftort»: «Der Konzertsaal des KKL ist nicht nur einer der schönsten Säle Europas. Dank der Lage zwischen Altstadt und See kommen Besucher hier in eine Art Ferienstimmung.» Das bestätigen selbst Stimmen, die zum Jubiläum statt Rosinen Mängel herauspicken. Ein Beitrag in der «NZZ am Sonntag» beklagte neben dem Mangel an Flexibilität nur «Details» wie die engen Garderoben oder die zu tief liegenden vordereren Parkettreihen.

Besucher allerdings und selbst Kinder geben bis heute bewundernde Kommentare ab. Dies und die vergünstigten Nutzungsrechte für regionale Ensembles, die einen breiten Mix an lokalen Veranstaltungen in den Saal hineinbringen, wirken dem Eindruck eines abgehobenen Kulturtempels entgegen. Dass das ausserhalb von Veranstaltungen geschlossene Haus diesen elitären Eindruck trotzdem noch immer stärker als nötig vermittelt, macht es in gewissem Sinn allerdings bis heute zur Baustelle.

Foyer soll noch zugänglicher werden

Wer weiss, vielleicht ist das «Music Lab», das zum Jubiläum in zwei Jahren eröffnet wird, ein Schritt hin zu einer weiteren Öffnung des Hauses. Denn angedacht sind hier multimediale Erlebnisstationen, die Einblick geben in das Luzerner Musikleben und hinter die Kulissen des Musikbetriebs. Neu wird sein, dass diese Stationen im Foyer oder an anderen Orten des Hauses ausserhalb von Veranstaltungen und ohne Konzerttickets öffentlich zugänglich sind. Eine solche Öffnung wäre ganz im Sinn von Jean Nouvel. Dieser nämlich hat den Konzertsaal wie das ganze KKL ohne repräsentative Eingänge als Volkshaus konzipiert, das ohne Schwellen und Sockel auf dem Boden der Stadt steht.

Jubiläumskonzerte mit Dance-Tracks und Klassik

Zum 20-Jahr-Jubiläum des KKL-Konzertsaals finden zwei Konzerte statt:
Haçienda Classiçal: Samstag, 11. August, 20 Uhr: Dance-Tracks der 80er und 90er Jahre treffen auf den Soundteppich des Zentralschweizer Jugendsinfonieorchesters und eines Chors aus Manchester. Die englischen DJs Graeme Park und Mike Pickering haben ein ganz besonderes Konzertformat kreiert, das zum 20-jährigen Jubiläum des Konzertsaals erstmals in der Schweiz aufgeführt wird.
Benefizkonzert zu Gunsten des Lucerne Music Labs: Dienstag, 14. August, 20 Uhr. Erstmals treten das Luzerner Sinfonieorchester und das Lucerne Festival Orchestra im gleichen Konzert auf. Zuerst spielt das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly Wagners Rienzi-Ouvertüre, dann spielt das Luzerner Sinfonieorchester mit Starpianistin Hélène Grimaud das erste Klavierkonzert von Brahms. Die Auftretenden verzichten auf eine Gage, der Erlös kommt der geplanten Erlebniswelt Lucerne Music Lab im KKL zugute. Mehr Informationen unter: www.kkl-luzern.ch

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