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Ein Videospiel mit pädagogischem Mehrwert: PH Luzern arbeitet an einem neuen Projekt

An der Pädagogischen Hochschule Luzern läuft ein neues Projekt an: «The Journey of Europe» ist der Name eines Videospiels, in welchem man mit Herausforderungen konfrontiert wird, welche sich Flüchtlingen auf ihrer Flucht stellen.
Linda Leuenberger
Boote und Küsten spielen beim neuen Videogame «Journey of Europe» eine grosse Rolle. (Bild: PD)

Boote und Küsten spielen beim neuen Videogame «Journey of Europe» eine grosse Rolle. (Bild: PD)

«Histotainment», gebildet aus den englischen Wörtern History und Entertainment, lautet die neumodische Bezeichnung für eine Verschmelzung von Geschichtslehre und digitaler Unterhaltung. So will die PH Luzern gemeinsam mit dem Zürcher Studio Inlusio Interactive ein interaktives Spiel gestalten, das einen neuen Zugang zu Geschichte ermöglichen soll. Das Spiel nennt sich «The Journey of Europe». Die Spielenden steuern darin zwei Mädchen auf ihrer Flucht: Das eine ist während des Zweiten Weltkriegs unterwegs von Nord- nach Südeuropa, das andere versucht, sich in der heutigen Zeit einen Weg vom Süden in den Norden von Europa zu bahnen (siehe Box am Ende des Textes).

Mitarbeiter des Instituts für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen (IGE) der PH Luzern und die Produzenten von Inlusio Interactive sind davon überzeugt, dass sich Games ausgezeichnet für die Geschichtsvermittlung eignen. Sie haben sich Anfang 2018 dazu entschieden, gemeinsam die Entwicklung des Computerspiels «The Journey of Europe» anzugehen. Dies teilte die PH Luzern in einer Mitteilung am Dienstag mit. Peter Gautschi, Leiter des IGE, erklärt:

«Das Spiel hat das Potenzial, der Geschichtsvermittlung in Schule und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter neue Impulse zu geben.»

Die digitale Welt – wo sich Schüler in ihrer Freizeit gerne bewegen – soll nun im schulischen Unterricht das Lernen ermöglichen. Es gelte nun, so Peter Gautschi weiter, solche Formate zu entwickeln und zu erforschen, um die Geschichtsvermittlung zu verbessern.

Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Für das Gelingen dieses Projekts arbeiten Fachleute der Game-Entwicklung, des Storytellings, der Geschichtsdidaktik und der Schulpraxis Hand in Hand – teils auch auf internationaler Ebene. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Geschichtsdidaktik werden mit Erfahrungen der Film- und Game-Industrie zusammengebracht. Darin liege auch die Stärke des Projekts: Es basiert auf historischen Tatsachen, ist gegenwartsbezogen, bildend und unterhaltend. Robbert van Rooden, einer der beiden Gründer von Inlusio Interactive, sagt:

«In konstanter Abstimmung mit den Experten der PH Luzern wollen wir eine bewegende Geschichte erzählen, die inhaltlich nah an der Realität ist und visuell besticht.»

Er ist vom wegweisenden Charakter des Projekts überzeugt. Als Teil der weltweiten Unterhaltungsbranche komme Inlusio Interactive auch eine gewisse öffentliche Verantwortung zu, findet Robin Burgauer, der zweite Gründer des Studios. Dieser Verantwortung nachzukommen gelinge ihnen mit der Verschmelzung von Unterhaltung und Wissensvermittlung.

Die Pädagogische Hochschule Luzern und das Zürcher Studio Inlusio Interactive spannen zusammen: Peter Gautschi (Mitte) mit Robin Burgauer (links) und Robbert van Rooden. (Bild: PD)

Die Pädagogische Hochschule Luzern und das Zürcher Studio Inlusio Interactive spannen zusammen: Peter Gautschi (Mitte) mit Robin Burgauer (links) und Robbert van Rooden. (Bild: PD)

Aufwändige Recherchen

Die Fluchtgeschichten der beiden Mädchen setzen sich aus Biographien vertriebener, geflüchteter und deportierter Europäer zusammen. Um die Geschichten der beiden fiktiven Mädchen möglichst authentisch zu gestalten, suchte das Forschungsteam des Projekts Archive auf, die über Europa verstreut liegen. Entlang der damaligen und heutigen Fluchtrouten wurden an entsprechenden Orten zudem Menschen aufgesucht, die als Zeitzeugen interviewt wurden.

«The Journey of Europe» soll gross herauskommen: Vorerst müsse man sich in der Schweiz etablieren, um dann auf die europäischen und schliesslich auf globale Märkte auszuweiten. Darüber hinaus bestehe die Hoffnung, kommerzielle Erfolge für Erweiterungen und Fortsetzungen von «The Journey of Europe» nutzen zu können.

Veröffentlichung im Mai 2021

Das erste Kapitel von «The Journey of Europe» wird am Europatag im Mai 2020 für Schulen vorveröffentlicht. Dies geschieht vor allem zu Evaluationszwecken: Das Team will so herausfinden, wie Jugendliche mit dem Spiel umgehen, welche Kritik sie anbringen und inwiefern das Spiel optimiert werden kann, erklärt Peter Gautschi auf Anfrage. Ein Jahr darauf, im Mai 2021, wieder auf den Europatag, werde das vollständige Spiel fertiggestellt sein und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Gebert-Rüf-Stiftung und vom Bundesamt für Kultur (BAK). Zudem haben Pro Helvetia und der Film-Fernseh-Fonds Bayern Förderbeiträge gesprochen.

The Journey of Europe

Im interaktiven Game steuern die Spieler zwei flüchtende Mädchen auf ihrem Weg durch Europa. Die beiden Flüchtlinge treffen immer wieder auf Menschen, die sie auf ihrem Weg unterstützen oder auch behindern. Spieler beschäftigen sich auf diese Weise unter anderem mit den Grundwerten der europäischen Aufklärung.

Der Fluchtweg des ersten Mädchens führt sie während des Zweiten Weltkriegs von Nordeuropa bis in den Süden des Kontinents. Das Spiel thematisiert die Ausgrenzung, welche Millionen von Menschen erleiden mussten. Die Flucht des zweiten Mädchens findet in der Gegenwart statt und führt in die entgegengesetzte Richtung vom Süden in den Norden. Die Ausgrenzung spielt sich hier nicht innerhalb von Europa ab, sondern an dessen Küsten. Anhand dieser beiden Geschichten werden zwischen den Ausgrenzungen der Vergangenheit und denjenigen der Gegenwart Parallelen gezogen.

Auf dem Weg vom Norden in den Süden, beziehungsweise vom Süden in den Norden, sehen sich die Spielenden mit archetypischen Herausforderungen konfrontiert. Wie schlängle ich mich ungesehen durch eine Grossstadt? Wie muss ich mich bei einer Flucht über Land verhalten? Was gilt es auf einer Flucht im Zug zu beachten? Auf dem Wasser? Wie verstecke ich mich auf einem Bauernhof?

Hinweis: Die Projektverantwortlichen suchen bereits jetzt Lehrpersonen der Sekundarstufen I und II, die motiviert sind, das Spiel in ihrem Unterricht auszuprobieren und zu evaluieren. Interessentinnen und Interessenten melden sich unter der Mailadresse ige@phlu.ch.

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