Eine App für ein besseres Zusammenleben: Luzerner Dorfplätze werden digital

Eine App soll das Zusammenleben in Buttisholz attraktiver gestalten. Entlebuch und weitere Dörfer ziehen bald nach.

Livia Fischer
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Sie sind die Pioniere des Kantons: die Buttisholzer. Seit wenigen Tagen hat die Gemeinde einen digitalen Dorfplatz. Dort können die Einwohner etwa über lokale Themen diskutieren, Ware tauschen, verschenken und verkaufen oder zum gemeinsamen Spörtlern aufrufen.

Die Pionierin: Die Gemeinde Buttisholz ist die erste Luzerner Gemeinde, die «Crossiety» lanciert hat.

Die Pionierin: Die Gemeinde Buttisholz ist die erste Luzerner Gemeinde, die «Crossiety» lanciert hat.

Bild: Boris Bürgisser

Dahinter steckt «Crossiety» – eine Thalwiler App, die vor dreieinhalb Jahren lanciert wurde. Mittlerweile nutzen knapp 50 Schweizer Gemeinden und deutsche Städte die Plattform. Sie ist sozusagen ein Facebook für Gemeinden; die Gründer wollen sich aber klar von den herkömmlichen sozialen Medien distanzieren. «Wir legen grossen Wert auf den Datenschutz. Zudem ist Social Media eher egozentrisch, überall steht das ‹Ich› im Vordergrund. Bei uns liegt der Fokus auf der lokalen Gemeinschaft», sagt Joel Singh, Leiter Crossiety Schweiz. So finden Leute zwar digital zusammen, das Engagement hingegen soll analog erfolgen. Heisst: Handy weglegen, raus auf die Strasse und Nachbarn treffen.

Zusätzlicher Kanal, um Bürger zu informieren

Auf der Plattform tummeln sich Jung und Alt, das Nutzerverhalten ist unterschiedlich. «30-Jährige tauschen gerne, 40- bis 50-Jährige verkaufen Dinge und ältere sind stark an den Gemeindenews interessiert», sagt Singh. Mit solchen Neuigkeiten aus dem Gemeindehaus möchte der Buttisholzer Geschäftsführer Reto Helfenstein jedoch besonders auch das jüngere Publikum erreichen – via App. Jene, die eben keine Gemeindenachrichten mehr lesen.

Crossiety soll aber weder das Gemeindeblatt noch die Website oder die Gemeindeversammlung ersetzen. «Es ist ein zusätzlicher Kanal, um die Bevölkerung zu informieren und deren Meinung einzuholen», sagt Helfenstein. Ein Abstimmungstool schafft dabei Abhilfe; etwa wenn es darum geht, wie lange die Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt bleibt oder wie der Entsorgungskalender organisiert werden soll. Und das Wichtigste: «Wir möchten den Dialog und das Sozialleben im Dorf fördern», sagt Helfenstein.

So sieht die App aus:

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PD

Das hat seinen Preis. Wie hoch dieser ist, variiert je nach Anzahl Einwohner im Einzugsgebiet. Für die Nutzer ist das Angebot gratis – zumindest auf den ersten Blick. Die Gemeinde Buttisholz finanziert die Jahreskosten von rund 11'000 Franken nämlich durch Steuergelder. Immerhin: Das Interesse der Bevölkerung scheint da zu sein. Am Infoanlass am vergangenen Wochenende sind rund 120 «gwundrige» Einwohnerinnen und Einwohner erschienen und haben die App sogleich getestet. Mit Erfolg: Eine Zuzüglerin hatte beispielsweise im Nu helfende Hände für ihren Umzug gefunden. Bald will sie einen Aufruf für eine Bike-Gruppe starten.

Die App-Entwickler haben ursprünglich mit einer Registrationsrate von fünf Prozent der Bewohner nach sechs Monaten gerechnet; nach zwölf Monaten soll sich jeder Zehnte angemeldet haben. Am Montag die Überraschung: Nur zwei Tage nach der Lancierung hat Buttisholz das Jahresziel bereits übertroffen. Knapp 330 Personen haben sich bei der App registriert – das sind elf Prozent der Gemeinde mit rund 3300 Einwohnern. «So schnell gewachsen, sind wir noch nie! Das ist sensationell», freut sich Singh.

Vorteile für Vereine

Helfenstein zeigt sich ebenfalls erfreut, ist aber weitaus weniger überrascht. Mit einem guten Start habe er nämlich schon gerechnet, meint der Geschäftsführer. Er erklärt: «Wir haben über 50 sehr aktive Vereine mit vielen Mitgliedern, die enorm engagiert sind.» Und gerade für diese sei die App besonders attraktiv. Vereine können ihr Angebot publizieren, ihre Mitglieder auf dem Laufenden halten, die Bevölkerung auf Anlässe aufmerksam machen oder Terminumfragen für Ausflüge erstellen.

Entlebuch startet Ende April

Nächsten Monat wagt auch Entlebuch das Abenteuer «digitaler Dorfplatz». Am 1. April findet ein Workshop für Vereine und Interessierte statt – offiziell lanciert wird die App dann drei Wochen später. Ein gut überlegter Schritt, wie Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin sagt: «Bevor sich der Gemeinderat zum Vertragsabschluss mit Crossiety entschieden hat, wurde die Plattform den einheimischen Vereinen vorgestellt.» Die Rückmeldungen seien mehrheitlich positiv ausgefallen. Und: «Einige können es kaum erwarten, endlich loslegen zu können.»

Bald folgen noch weitere Luzerner Gemeinden, kündet die Crossiety AG auf Facebook an. Welche das sind, behält Joel Singh noch für sich. Nur so viel verrät er: «Das Interesse im Kanton Luzern ist gross.»